Corona: Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen schließt
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Corona: Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen schließt

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06:00 16.09.2020
Ab dem 1. Oktober müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne, dann schließt das Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen. Quelle: Moritz Frankenberg, dpa
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Hannover

Nach nur knapp zwei Monaten schließt das Corona-Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen zum 1. Oktober. Grund dafür sind veränderte Vorgaben des Bundes. Reiserückkehrer aus Nicht-Risikoländern müssen ihren Test ab sofort selbst zahlen. Außerdem gilt vom 1. Oktober an eine Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Das heißt, wer aus einen Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich automatisch selbst in Quarantäne begeben. Die Quarantäne kann durch einen Test verkürzt werden. Für die Tests sind dann die Hausärzte zuständig. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) schließt auch die weiteren zehn Testzentren in Niedersachsen. Wer seinen Test selbst bezahlen muss, wird mit rund 85 Euro zur Kasse gebeten.

0,8 Prozent positiv getestet

Im Testzentrum Hannover-Langenhagen haben sich seit der Inbetriebnahme am 7. August bisher rund 34.000 Reiserückkehrer testen lassen. Davon waren 266 positiv, das entspricht einer Quote von 0,78 Prozent, berichtete der Vorsitzende der KVN-Bezirksstelle Hannover, Eckart Lummert, am Dienstag in Hannover. In Spitzenzeiten, vor allem zu Ende der Sommerferien, hatten in Langenhagen in der von den Johannitern betriebenen Station täglich 1500 bis 2000 Menschen einen Abstrich nehmen lassen. Derzeit kämen, je nach Reisetag, zwischen 400 und 600 Fluggäste pro Tag in die Station, berichtete eine KVN-Sprecherin.

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Kritik gibt es an dem Plan, die Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten weiterhin kostenlos anzubieten. Es sei nicht in Ordnung, dass jemand, der wissentlich in ein Risikogebiete reise, den Test bezahlt bekomme, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVN Niedersachsen, Jörg Berling. Er bemängelte in diesem Zusammenhang eine noch immer fehlende Vereinbarung über kostenlose Tests für Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen. Es gebe bislang keine Einigung über die Finanzierung.

Kritik auch von Reimann

Auch Landesgesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) wünscht sich Änderungen an den Vorgaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Es sei richtig, dass Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten nicht mehr kostenlos auf Covid-19 getestet würden. „Damit schonen wir wichtige Ressourcen und Laborkapazitäten, die in den kommenden Wochen und Monaten voraussichtlich noch dringend benötigt werden“, meint Reimann. Sie fordert, dass auch Reisende aus Risikogebieten ihren Test selbst zahlen müssen. „Wer ganz bewusst das Risiko eingeht, in ein solches Gebiet zu reisen, muss nach der Rückkehr zunächst in Quarantäne und die Kosten für den Test selbst tragen“, betont die Ministerin.

Die KVN sorgt sich unterdessen um die Lage bei den Hausärzten in den kommenden Wochen, wenn das Wetter schlechter werden sollte. „Wir werden im Herbst in den Praxen Schwierigkeiten bekommen“, sagt Berling. Denn dann kämen Menschen mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder dem Verlust des Geruchssins in die Praxen, und wollten sich auf das Coronavirus testen lassen, obwohl sie möglicherweise nur eine Erkältung hätten.

Praxen sollen wieder auf Normalbetrieb schalten

Dennoch rät die KVN Ärzten und Physiotherapeuten ihre Praxen wieder im Normalbetrieb laufen zu lassen. Manche Untersuchungen und Behandlungen, die wegen der Corona-Pandemie unterbrochen oder gestreckt worden seien, müssten nun gemacht werden. Langsam kämen die Ärzte in Bereiche, wo Gesundheitsrisiken drohten, wenn es keinen Normalbetrieb gebe, meint Berling

Von Mathias Klein