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Stadt Hannover Hilfe für Corona-Patienten: Hunderte Plasmaspender melden sich bei der MHH
Aus der Region Stadt Hannover Hilfe für Corona-Patienten: Hunderte Plasmaspender melden sich bei der MHH
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15:10 29.03.2020
„Wir wollen von den Geheilten Plasmaspenden gewinnen“: Professor Rainer Blasczyk und Privatdozentin Constanca Sofia Ferreira de Figueiredo in einem Labor der MHH. Quelle: Karin Kaiser/MHH
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Hannover

Erst vor wenigen Tagen haben die MHH-Mediziner Axel Haverich und Rainer Blasczyk genesene Covid-19-Patienten um Hilfe gebeten. Die beiden Spezialisten wollen mit Blutplasma dieser Spender am Coronavirus Erkrankten helfen. Innerhalb kürzester Zeit haben sich Hunderte Menschen bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeldet. Sonnabend Vormittag zählte Blasczyk bereits rund 450 E-Mails in seinem Postfach. Und die Zahl steigt stetig an.

Spender aus ganz Deutschland bieten sich an

„Wir sind total begeistert, weil wir diese Menschen brauchen“, sagt der Professor. Es melden sich Bürger aus ganz Deutschland, die beim Bekämpfen der Seuche helfen wollen. „Das ist sehr beeindruckend, weil die Leute bereit sind, von weit her zu kommen. Wir sind überwältigt“, betont Blasczyk. Aktuell können die Mediziner angesichts der großen Hilfsbereitschaft gar nicht mit jedem einzelnen persönlich telefonieren. Die möglichen Plasmaspender bekommen deshalb eine E-Mail mit Zugang zu einem Fragebogen. „Damit erfahren wir, wer sich als Spender eignet, denn es gibt eine lange Liste an Voraussetzungen“, erklärt der Transfusionsmediziner Blasczyk.

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Nach der Genesung besteht Immunschutz

Menschen, die die Krankheit durchgestanden haben, sind immunisiert. Nach bisherigem Kenntnisstand für ein Jahr, vielleicht auch länger. In ihrem Blut befinden sich Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus. Diese Antikörper fangen die Viren ab und docken an sie an, bevor sie Körperzellen infizieren können. Gleichzeitig hat der Körper der Genesenen Lymphozyten gebildet, auch Immunzellen oder Wächterzellen genannt. Sie eliminieren bereits infizierte Zellen.

Das Plasma von genesenen Patienten kann kranken Menschen sehr wahrscheinlich helfen. „Wir wissen noch nicht, ob es wirkt, gehen aber davon aus“, berichtet Blasczyk. Die MHH-Mediziner wollen soviel Plasma wie möglich sammeln, damit es auch Menschen zugutekommen kann, die sich jetzt großen Risiken aussetzen. Blasczyk denkt dabei an Anästhesisten, die Corona-Kranke intubieren. „Das Plasmaprodukt wäre wie eine innere Schutzausrüstung, jetzt wo noch so viel Schutzkleidung fehlt.“ Wie lange so ein Schutz halten könnte? Nicht länger als drei Monate, schätzt der Mediziner.

MHH startet Tests

Die MHH-Mitarbeiter analysieren ab Montag die Genesungsprotokolle der ehemaligen Covid-19-Patienten. Menschen, die innerhalb von 28 Tagen nach Abklingen der Symptome erst einmal negativ auf das Virus getestet sind, brauchen einen zweiten Test. Den organisiert die MHH. „Wenn die Genesung bereits acht Wochen oder länger zurückliegt, testen wir nicht mehr, sondern messen die Antikörper.“

Sobald die Genehmigung des staatlichen Gewerbeaufsichtsamts vorliegt, würden die Mediziner mit der Entnahme von Plasma starten. Nach Tests auf verschiedene andere Krankheitserreger könnten sie mit der Plasmagabe an die ersten Patienten beginnen. Im Normalfall muss Plasma nach einer Spende vier Monate in Quarantäne lagern, damit Krankheiten beim Spender ausgeschlossen werden können. „Darauf müssen wir jetzt verzichten“, sagt Blasczyk. Gleichzeitig bereiten die Mediziner eine neue Methode vor, die Plasmaspende durch UV-Bestrahlung und chemische Behandlung sicherer zu machen. Das Verfahren ist in den nächsten Wochen einsatzbereit.

Kontakt per Mail oder Telefon

Wer bereits genesen ist und bei der Therapie anderer helfen will, kann sich auf zwei Wegen bei der MHH melden: entweder unter der kostenlosen Telefonnummer (08 00) 5 32 53 25 oder per E-Mail unter RKP-Spende@mh-hannover.de.

 

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Von Bärbel Hilbig

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