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Stadt Hannover Darum heißen Hannovers Straßen wie sie heißen
Aus der Region Stadt Hannover Darum heißen Hannovers Straßen wie sie heißen
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00:15 08.01.2017
Die Schmiedestraße gehört zu den ältesten Straßen der Stadt - auch wenn sie nicht so aussieht. Quelle: Felix Peschke
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Hannover

Christian Hanke tritt in große Fußstapfen. Denn das Standardwerk zu diesem Thema hat Helmut Zimmermann 1992 veröffentlicht: „Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover“. An die Akribie und Recherchelust von Zimmermann reicht Hanke nicht heran - und er bedient sich eines deutlich flapsigeren, anekdotischeren Tons. So schreibt beispielsweise Zimmermann über den Ackerweg im Nordosten der Stadt:

„Ackerweg: Isernhagen-Süd, südlich des Kahlendamms; 1957 angelegt und wegen der Lage zwischen den Äckern so benannt.“

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Bei Hanke hört sich das so an:

„Ackerweg (1957), liegt immer noch zwischen Äckern.“

Zur Person

Gebürtig stammt der Journalist und Autor Christian Hanke aus Hamburg. Nach einer Ausbildung im Buchhandel studierte der 64-Jährige Geografie, Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Über die Hansestadt publizierte der promovierte Historiker einige Stadtteilbücher. Er widmet sich allerdings auch der Landeshauptstadt Niedersachsens: Im Jahr 2014 erschien die zweite Auflage seines Buches „Hannovers Straßennamen erzählen Geschichte“ im Medien-Verlag Schubert. Darin zu finden sind Erklärungen der rund 3800 hannoverschen Straßennamen, Fotos und Stadtteilrundgänge. Das Buch kostet 16,80 Euro.

Allerdings hat Hanke einen klaren Vorteil: Sein Buch ist neu. Schließlich sind seit 1992 zahlreiche Baugebiete entstanden (etwa die Kronsberg-Siedlung, das Gilde-Carree oder das Quartier Lister Blick) - und damit auch viele neue Straßen. Zimmermanns Buch ist Hankes Grundlage. Alle Straßen, die nach Zimmermann erschienen sind, konnte er mithilfe von Akten, die ihm die Stadt Hannover zur Verfügung gestellt hat, recherchieren. Der Hamburger ist kreuz und quer durch die Stadt gefahren, hat sich vieles angeschaut und Fotos für sein Buch geschossen.

Im Interview erzählt Hanke, wie die Recherche in der Landeshauptstadt seine Meinung von Hannover verändert hat und warum seine liebste Straße Charlys Brücke ist.

Herr Hanke, Sie haben die Herkunft von rund 3800 hannoverschen Straßennamen recherchiert. Ihr Buch trägt den Titel „Hannovers Straßennamen erzählen Geschichte“. Welche Geschichte denn?
Straßennamen erzählen viel von der Geschichte einer Stadt. Das ist nicht nur in Hannover, sondern überall so. Viele Straßen sind nach historischen Personen und historischen Orten benannt. Sie repräsentieren die offizielle Stadtgeschichte, aber manchmal auch die persönlichen Geschichten von Stadtteilen und den Menschen, die dort gelebt haben. In Hannover beispielsweise erinnern einige Straßennamen an ihre Zeit als Residenzstadt der Welfen.

Welche Straßen zählen zu den ältesten der Stadt Hannover?
Das sind die Wege um den alten Marktplatz herum. Allerdings gibt es nur wenige Quellen aus dieser Zeit. Die Zahlenangaben bei den alten Straßen beziehen sich immer nur auf die früheste Erwähnung. Ob die Straßen in diesem Jahr tatsächlich angelegt worden sind, ist fraglich. Sehr alt sind beispielsweise die Kramerstraße und die Schmiedestraße, die früher Smedestrate hieß. Beide Straßen wurden bereits im 14. Jahrhundert erwähnt.

Seit wann gibt es überhaupt offiziell Straßennamen?
In Hannover benannte der Magistrat die Straßen ab dem Jahr 1845. In den meisten Städten bekamen Straßen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Namen.

Warum genau zu dieser Zeit?
Für Hannover weiß ich das nicht. In meiner Heimatstadt Hamburg wollte der Senat damals die Armen registrieren. Erst erfand er dafür ein Nummernsystem, das sich als zu kompliziert erwies. Schließlich machte man die Straßennamen offiziell, die es im Volksmund schon gab. So konnte man Orte praktisch benennen und sich einfacher orientieren.

Sie haben bereits einige Bücher über Hamburgs Geschichte und Straßennamen veröffentlicht. Was interessiert Sie an Hannover?
Mein Verleger schlug mir vor, ein Buch über hannoversche Straßennamen zu publizieren. Ich kannte die Stadt vorher kaum, hatte nur die im Krieg zerstörte und neu aufgebaute Innenstadt kennengelernt und Hannover als hässliche Stadt abgehakt.

Und trotzdem haben Sie zugesagt?
Ganz so schlimm war es ja nicht. Mir war klar, dass es mehr gibt als nur die Innenstadt. Ich wollte mich darauf einlassen und gucken, was Hannover noch so bietet. Es war ein überraschend erfreuliches Erlebnis.

Warum?
Ich habe nun einen ganz neuen Eindruck von Hannover. Bei der Recherche vor Ort stellte ich fest, wie schön die Stadt ist. Es gibt noch jede Menge Altbausubstanz in den Stadtteilen rund um das Zentrum. Die Stadtteile am Rand wie Wülferode, Marienwerder oder Davenstedt dagegen sind noch recht dörflich. Außerdem ist Hannover sehr grün mit dem Stadtwald Eilenriede und dem Maschsee. Beeindruckend fand ich das Portal des Stöckener Friedhofs und den Lichtenbergplatz in Linden. Ich schätze die Stadt mittlerweile sehr.

Welche hannoverschen Straßennamen sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Charlys Brücke (lacht). Das ist eine ganz kleine Holzbrücke, die Limmer und Davenstedt verbindet. Sie wurde nach dem verstorbenen Kommunalpolitiker Friedhard Friedrich August Grote benannt, dessen Spitzname Charly war. Die Brücke hieß auch vorher im Volksmund schon so, weil sich Grote jahrelang für ihren Bau eingesetzt hatte. Auch, dass der Kröpcke nach dem Pächter Wilhelm Kröpcke und dessen Café benannt wurde, finde ich sehr schön. Das habe noch nirgendwo anders gesehen.

Was ist typisch für die Benennung in Hannover?
In Hannover gibt es sehr viele Viertel, die nach norddeutschen Städten aus der Heide oder dem Harz benannt sind. Ein Viertel mit Straßennamen aus dem Harz wurde im Stadtteil Burg angelegt. Im Vergleich zu Hamburg sind in Hannover mehr Straßen nach Landschaftsgebieten, Flüssen und Gebirgszügen benannt.

Das Interview führte Sarah Franke