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Stadt Hannover „Texte, die viele Menschen erreichen“
Aus der Region Stadt Hannover „Texte, die viele Menschen erreichen“
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00:15 07.06.2015
Von Simon Benne
Tournee der Superlative: Mit ihrer Stadiontour „Farbenspiel“ ist Helene Fischer am Sonntag in der HDI-Arena zu Gast. Quelle: Daniel Reinhardt
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Hannover

Prof. Weihe, am Sonntag zeigt Helene Fischer in der HDI-Arena ihre Show. Die Sängerin füllt derzeit große Stadien, räumt massenhaft Preise ab und macht enorme Umsätze. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Kulturphänomens Helene Fischer?
Der Erfolg wäre ohne ihre Persönlichkeit nicht denkbar. Sie singt sehr gut, bietet hochprofessionelles Entertainment, eine Show mit Akrobatik-Einlagen, sieht dabei blendend aus und hat ein tolles Team. Natürlich hat ihre neue Plattenfirma Universal sie mit großem Aufwand zum omnipräsenten Star aufgebaut. Doch vor allem ist sie selbst irre fleißig, handwerklich auf den Punkt - und sie wirkt authentisch. Daher rührt dieser Erfolg, der sich nicht reproduzieren ließe: Eine zweite Helene Fischer wird es nicht geben.

Zur Person

Peter Weihe ist seit 2011 Professor am Institut für Jazz/Rock/Pop der 
 Musikhochschule Hannover. Der Gitarrist, Jahrgang 1955, ist auch ein gefragter Studiomusiker. So arbeitete er unter anderem für Künstler wie Rio Reiser, Chaka Khan, Udo Lindenberg, Clueso, Pur oder Falco.

Herr Professor, das klingt fast, als spräche da ein Fan.
Ich bin kein Schlagerfan. Privat höre ich eher Soul, Funk, Rock, Jazz und auch Klassik. Solche Sachen. Aber ich habe großen Respekt vor Helene Fischer. Ursprünglich wollte sie ja nicht unbedingt Schlager singen. Mit ihrer Intonation, ihrem Timing und ihrer Art zu phrasieren hätte sie auch in anderen Genres Erfolg haben können. Allerdings bin ich persönlich da nicht ganz unbefangen: Als Studiomusiker habe ich die Gitarren für ihre letzten Alben eingespielt. Auch bei „Atemlos“.

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Im Refrain sind das die Akkorde F, C, G und A-Moll. Das ist für einen Musiker das kleine Einmaleins. Ganz ehrlich: Sie haben auch schon Anspruchsvolleres gespielt ...
Komplexeres schon. Aber darauf kommt es in der Popmusik doch gar nicht an. Einige Stücke von Pop-Klassikern wie den Kinks oder Cream haben auch nur ein paar Akkorde. Es kommt immer drauf an, was man aus drei Akkorden macht. Oft sind es gerade einfache Songs, die viele Menschen berühren.

Dennoch hat Helene Fischer auch viele Kritiker. Diese sehen sie als Mainstream mit Zuckerguss, als perfektes Produkt der Popindustrie ...
Das waren Stars aber schon immer. Frank Sinatra, die Beatles - immer schon wurden Künstler auf ein bestimmtes Image getrimmt, auf das dann auch die musikalischen Arrangements abgestimmt waren. Und digital optimiert werden Aufnahmen auch im Klassikbereich.

In Helene Fischers Texten geht es um Liebe, Sehnsucht und Nächte, die nie vergehen sollen. Ist das nicht alles ein bisschen schlicht gestrickt?
Die Texte sind Schlager- und Deutschpoptexte. Intellektuelle merken schnell, dass diese einfach zu verstehen sind. Aber es sind Texte, die viele Menschen erreichen. Jeder Mensch wird eben durch eine andere Sprache emotional berührt. Und niemand sollte arrogant darüber urteilen, was andere Menschen bewegt. Ihr Produzent hat mir erzählt, dass Helene Fischer Wert darauf legt, hinter jedem ihrer Texte persönlich zu stehen. Sie achtet darauf, dass das, was sie singt, auch zu ihr passt.

Viele halten Helene Fischer für die größte Showgranate unter der Sonne. Dabei singt sie „Biene Maja“ ebenso wie Songs der Toten Hosen. In ihrer ZDF-Weihnachtsshow stand sie nacheinander mit Peter Maffay, Take That und dem, was von Queen übrig geblieben ist, auf der Bühne.
Das könnten andere Künstler sich in der Tat gar nicht leisten - es würde bei vielen schnell unpassend wirken. Ganz abgesehen davon, dass jemand schon sehr erfolgreich sein muss, um solche Größen um sich zu versammeln.

Stilistisch ist das alles aber sehr uneindeutig. Erreicht sie deswegen so unterschiedliche Menschen?
Tatsächlich singen Kinder auf dem Spielplatz „Atemlos“, andere summen es im Büro mit, und auch in Discos ist es ein Hit. Bei Helene Fischers Konzerten kommen Menschen zusammen, die man sonst nie gemeinsam auf einer Veranstaltung sehen würde. Sie erreicht ungewöhnlich breite Schichten - und mehrere Generationen. Eigentlich wie sonst nur die Rolling Stones oder AC/DC.

Sie haben auf Helene Fischers Alben Gitarre gespielt. Jetzt mal ganz im Vertrauen: Wie ist sie denn so? Als Mensch?

Ich kenne sie persönlich gar nicht; wir sind uns bei den Aufnahmen leider nie begegnet. Es gibt aber kaum eine Sängerin, über die ihre unmittelbaren Kollegen so positiv sprechen wie über sie - und das in einer Szene, in der die Missgunst mit dem Erfolg eines Künstlers wächst. Über sie kursieren einfach keine üblen Geschichten; sie gilt als äußerst nett und fürsorglich - obwohl der Druck in der Branche immens ist. Ein Freund von mir hat sich als Psychologe in der Raumfahrt mit der Auswahl von Astronauten beschäftigt. Bei diesen zählen Sozialverhalten und Stressresistenz. So gesehen hätte Helene Fischer wohl auch gute Chancen gehabt, Astronautin zu werden!

Ausverkaufte Arena

Tournee der Superlative: Mit ihrer Stadiontour „Farbenspiel“ ist Helene Fischer am Sonntag in der HDI-Arena zu Gast. Das Konzert ist seit Monaten ausverkauft, es kommen rund 40?000 Besucher. Bislang spielten nur zwei Solosängerinnen vor ihr im Stadion: ?Tina Turner und Madonna. Der Bühnenaufbau hat schon begonnen, der Innenraum wird komplett bestuhlt. Insgesamt gibt Fischer in diesen Tagen vor rund 900?000 Besuchern 22 Konzerte in 14 Stadien. Zum Auftakt präsentierte sie ihr zweistündiges Programm am Dienstag in Rostock: Die Show war gespickt mit technischen Tricks, spektakulären Stunts – und „Atemlos“ gab es, wie bei ihren Konzerten in Hallen, als Zugabe.

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