Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Kommt heute Post?
Aus der Region Stadt Hannover Kommt heute Post?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 22.06.2015
Ist die Postzustellung in der Region „dicht“ oder nicht? Fest steht: Wie in dieser hannoverschen Postagentur bleiben vielerorts Sendungen liegen. Quelle: Hagemann
Anzeige
Hannover

Die Pressestellen der Deutschen Post, sowohl regional als auch bundesweit, hielten sich auf Nachfragen der HAZ zum Thema Sonntagszustellung zurück. "Zahlen über tatsächliche Auslieferungen am Sonntag seien frühstens am Montag zu erwarten", sagte die Pressesprecherin Christina Neuffer.

Klar ist, das der Niederlassungsleiter der Post für Hannover, Hildesheim, Hameln und Peine, in einer Nachricht über den Smartphone-Messengerdienst Whatsapp dazu aufrief, jede Niederlassung solle „ungeachtet irgendwelcher juristischer Vorbehalte“ mindestens 200 Freiwillige für die Paketzustellung anwerben. Das könnten auch Familienangehörige sein, so Eisenträger. Die Helfer bekämen neben Sonderzuschlägen auch einen Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro „zum Beispiel von Amazon oder Zalando“.

Anzeige

Verdi hat in Hannover beinahe die gesamte Brief- und Paketzustellung lahmgelegt. Das Briefzentrum in Pattensen und das Paketzentrum in Anderten seien stillgelegt, außerdem gebe es keine Brief- und Paketzustellung mehr. Etwa 40 Prozent der Beschäftigten streiken.

"Kein Verstoß gegen Briefgeheimnis"

Postsprecher Jens-Uwe Hogardt bestätigt die Existenz einer solchen Mitteilung. „Das war aber als Nachricht an einige wenige Führungskräfte gedacht“, sagt er. „Das hat wohl jemand missverstanden und meinte, er müsste das weiterleiten. Eine Motivation von Mitarbeitern finde ich außerdem nicht verwerflich.“

Juristische Hürden sieht der Göttinger Juraprofessor Werner Heun nicht. Freiwilligen sei es durchaus erlaubt, Pakete auszutragen, sagt er. „Seitdem die Post kein Staatsunternehmen mehr ist, ist sie auch nicht mehr an die Grundrechte wie das Post- und Briefgeheimnis gebunden. Es müsste nur eine Unterweisung geben, dass sie die Post nicht öffnen dürfen.“

Der Aufruf belegt jedoch, wie stark der Streik das Unternehmen in Bedrängnis bringt. Laut Verdi-Sprecher Hans-Uwe Behrens streiken in der Region Hannover derzeit 800 von 3600 Beschäftigten. „Dabei sind 40 Prozent der Gesamtbelegschaft Beamte – ein großer Teil der nicht verbeamteten Kollegen streikt also.“ Verdi hat eigenen Angaben zufolge in Hannover zahlreiche Postbetriebe lahm gelegt: „Das Briefzentrum in Pattensen, das für Hannover zuständig ist, und die Brief- und Paketzustellung in der Region sind komplett dicht“, sagt Behrens. Seit Donnerstag sei auch der Betrieb im Paketzentrum Anderten eingestellt – die Zustellung von Briefen und Paketen sei somit bis auf einige Briefzusteller im Stadtgebiet komplett eingestellt worden. Postsprecher Jens-Uwe Hogardt bestreitet das jedoch: „Rund 80 Prozent der Briefe und Pakete werden zeitgerecht ausgeliefert“, sagt er.

Pakete hängen im Paketzentrum fest

Zahlreiche Rechtsanwaltskanzleien und Kleinbetriebe, die auf eine pünktliche Post- und Paketzustellung angewiesen sind, widersprechen. „Bei uns steht die Produktion seit einer Woche still. Unsere Teile kommen per Post, und wenn die nicht da sind, können wir nicht fertigen“, sagt ein Mitarbeiter des Musikelektronikherstellers Keyboard Partner in Burgdorf. Man warte auf Ware, die laut DHL-Sendungsverfolgung seit dem 10. Juni in einem Paketzentrum der Post fest hänge. „Unsere Kunden ärgert das sehr.“

Rechtsanwaltskanzleien, deren Schriftsätze fristgerecht bei Gericht vorliegen müssen, sind besonders vom Streik betroffen. „Wir hatten schon mehrfach Nachfragen vom Gericht, wann die Schriftsätze kommen“, heißt es bei der Rechtsanwaltskanzlei Brandi in der Podbielskistraße. „Zweimal mussten wir schon einen Boten losschicken, damit alles rechtzeitig ankommt.“

Auch die Postagenturen, die Geld mit der Annahme und Abgabe von Paketen verdienen, klagen über Einbußen. „Die Leute kommen erst gar nicht. Die gehen zu anderen Versendern“, sagt etwa Postagentur-Betreiber Andreas Schneider in der Knochenhauerstraße. „Im Monat werden bei mir sonst 100 Pakete verschickt, jetzt sind es nicht mal 40“, sagt er. Beim Logistik-Dienstleister Arvato am Kronsberg gibt es derweil keine Beeinträchtigung der Warenauslieferung. „Wir bieten unseren Kunden bei der Bestellung an, für den Versand alternative Anbieter auszuwählen, somit kommt es bei uns nicht zu Problemen“, sagt ein Arvato-Sprecher. 

Von Sabrina Mazzola

Stadt Hannover Mann wollte Haus in die Luft sprengen - Bombenbastler soll sieben Jahre in Haft
Tobias Morchner 19.06.2015
Mathias Klein 22.06.2015