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Stadt Hannover Die City ohne Bernd Voorhamme
Aus der Region Stadt Hannover Die City ohne Bernd Voorhamme
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00:16 03.03.2014
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Hannover

Was die Innenstadt angeht, gibt es nicht mehr viele Themen, worüber sich Bernd Voorhamme erzürnen kann. Außer einem. Die D-Linie. Da spricht er von einer künstlichen Hürde, von Geldverschwendung, von einem zweiten Berlin, von einer „unerträglichen Ignoranz der Regionspolitik, die damit nur Macht demonstrieren will“. Solche klaren Worte hat man vom Vorsitzenden der City-Gemeinschaft zuletzt selten gehört. Das überließ er lieber deren Geschäftsführer Martin Prenzler. Voorhamme hatte sich schon in den vergangenen Jahren bei der Lobbyarbeit zurückgezogen. Jetzt verabschiedet sich der 68-Jährige ganz aus dem Vorstand der Händlervertretung. Bei der Jahresversammlung der Mitglieder am kommenden Montag will er nicht mehr kandidieren. „Ich habe keine Ambition, als ältester Vorsitzender eines Handelsverbandes in die Geschichte einzugehen.“ Eigentlich wollte er schon vor fünf Jahren abtreten, doch es galt, den neuen Geschäftsführer einzuarbeiten.

Fast 20 Jahre lang stand der Inhaber des Klavierhauses Döll an der Spitze der City-Gemeinschaft. Eine ähnlich lange Zeit hatte sich der Geschäftsmann bereits für deren Vorläufer - die Werbegemeinschaft Einkaufsstadt Hannover - engagiert. Voorhamme kennt den Innenstadthandel wie kein zweiter. In den Anfängen habe sich das gemeinsame Marketing allerdings auf die Einschaltung der Weihnachtsbeleuchtung beschränkt, sagt er. 1995 präsentierte Voorhamme ein neues Konzept - mit neuem Namen, neuem Logo und neuen Inhalten. Politik und Verwaltung sollten die City-Gemeinschaft als Partner ansehen. Die Händler sollten mehr Gewicht bei Planungen zu Straßenbau, Sicherheit und Sauberkeit erhalten. Geschaffen wurde auch die Position eines hauptamtlichen Geschäftsführers, die erstmals der hannoversche Textilhändler Dirk Aigner übernahm. Für all die Neuerungen musste der Etat des Vereins verdreifacht werden, Kontakte zu Ämtern und der Stadtspitze mussten belebt werden. Heute ist Voorhamme überzeugt: „Wir haben eine Pilotfunktion geschaffen. Das mittlerweile hohe Vertrauensverhältnis gibt es kaum in einer anderen Stadt.“

Voorhamme sitzt im Schauraum seines Klavierhauses in der Schmiedestraße, um ihn herum schwarzglänzende Tastenträume von Steinway. Alle nicht ganz billig. Um solche Klaviere und Flügel verkaufen zu können, braucht es ein passendes Ambiente - auch außerhalb des Geschäfts. Voorhamme, der mit seiner 22 Jahre jüngeren Prokuristin Ariane Jablonka verheiratet ist, empfindet Hannover als eine der schönsten Städte Deutschlands. Er will, dass das auch andere finden. Er will, dass möglichst viele Menschen nach Hannover kommen und etwas kaufen. Er will, dass Manager, die nach Hannover versetzt werden, sich von der Attraktivität der Stadt überzeugen lassen. Und er will, dass sie ihre Kinder zum Musikunterricht schicken, damit die sich ein Klavier wünschen.

Mit dem, was die City-Gemeinschaft bisher erreicht hat, ist er zufrieden. Voorhamme hat die ganze Klaviatur gespielt. Da gab es den Konsens in der Straßenplanung, die auch der wichtigen Umlandkäuferschaft den Weg erleichterte. Da gab es die von der City-Gemeinschaft initiierte Gründung der Hannover Marketing Gesellschaft. Die Eröffnung der ECE-Galerie neben dem Bahnhof - nachdem es zunächst Pläne gab, diese auf der grünen Wiese zu bauen. Da gab es ein neues Straßenreinigungskonzept, eine Ordnungsgruppe und all die Veranstaltungen, die in der City über die Bühne gingen. Seinem Nachfolger wünscht Voorhamme, dass der „mit offenen Augen und Ohren durch die Innenstadt geht“. Und viel Biss, wenn die D-Linie kommt.

Bernd Haase 28.02.2014
Michael Zgoll 28.02.2014
Michael Zgoll 28.02.2014