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Stadt Hannover Die Küche im Hofgeflüster macht Appetit auf mehr
Aus der Region Stadt Hannover Die Küche im Hofgeflüster macht Appetit auf mehr
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00:20 07.01.2019
Könner in der Küche und freundlicher Gastgeber: Sebastian Wego steht im Hofgeflüster zusammen mit Jonas Tanneberger am Herd. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sebastian Wego und Jonas Tanneberger können kochen. Beim Backen haben wir zwar noch so unsere Zweifel, aber kochen können die beiden Küchenchefs des Hofgeflüsters tatsächlich. Das ist ein charmantes Restaurant am Ballhofplatz, das von der Besitzerin Nalan Celik mit Feingefühl eingerichtet wurde. Altehrwürdiges Fachwerk, spannende Beleuchtung, Mix aus modernem und klassischem Mobiliar. Und trotz der bürgerlichen Heimeligkeit lässt sich hier herrschaftlich durchatmen, wahrscheinlich weil die Tische nicht gedrängt wie im Bordbistro stehen. Kurzum, es ist ein Lokal, in dem man sich nach dem Essen noch zurücklehnt und einen Absacker bestellt, weil man nicht will, dass der Abend endet.

Etwas schwieriger ist es, das Profil der Küche zu greifen. Da gibt es viele Klassiker, die klassisch angeboten werden (Rinderfilet, Gans, Bregenwurst), und zwischendrin blitzen kreative Akzente auf, wenn etwa dem in Restaurants inflationär angebotenen Lachstatar (14,50 Euro) ein südländischer Seitenhieb mit Kardamom und Orangenfilets verpasst wird. Das Gericht wurde ohnehin gut zubereitet: Der Lachs hat eine ordentliche Qualität, die kühlen Fischwürfelchen wurden nicht zu dünn geschnitten, was ein schönes Mundgefühl erzeugt. Etwas Limettenabrieb bringt nicht nur eine fein säuerlich ätherische Note ein, sondern hat zudem den Vorteil, dass das Eiweiß im Fischfleisch nicht denaturiert und sich weiß färbt. Tadellos.

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Dieselbe Zuwendung hätten wir uns dann allerdings auch bei unserer köstlichen Rote-Bete-Suppe mit Crème Fraîche (7 Euro) gewünscht, die zwar geschmacklich vollauf überzeugt, aber schon etwas Farbe verloren hat, was bei Gemüsesuppen schnell passiert. Zudem stört uns die leicht körnige Konsistenz. Aufmixen mit Butter, Brühe, Rote-Bete-Pulver und Rote-Bete-Saft schafft Abhilfe. Obendrein bietet die Basis der Suppe unzählige Richtungen in die zusätzlich gearbeitet werden könnte – eine Einlage, Auflage oder Beilage eben, die statt Schlürfens auch ein gelegentliches Kauen abverlangt. Zwischen pfiffigem Lachstatar und solider Rote-Bete-Suppe, in diesem Spannungsfeld bewegt sich also unsere Kostprobe.

Es wirkt ein bisschen, als hätte die Küche noch nicht alle Gerichte bis ins letzte Detail ausgefeilt. Und auch noch nicht ganz ihre Mitte gefunden zwischen Kreativität und Bodenständigkeit, zwischen eigener Handschrift und Gerichten, bei denen man nichts falsch machen kann, zwischen dem perfekten Mix aus Frisch- und Fertigware. Wir essen beispielsweise saftig-festfleischige Garnelen (16 Euro) in ein straffes Gewand aus geröstetem Knoblauch und mediterranen Kräutern geschnürt, die uns in Verbindung mit einer betörend luftigen Aioli einen echten Höhenflug bescheren, aber bekommen im Gegenzug eine dramatisch konturlose Entenbrust (14 Euro) vorgesetzt, die fertig zugekauft wurde.

Wir würden die jungen Küchenchefs gern einmal erleben, wenn sie frei von der Leber weg kochen. Wer im Stande ist, ein Ochsenbäckchen (19 Euro) so saftig und zart zu schmoren, dass die Fleischfasern durch ein Nadelöhr passen, der muss im heiligen Auftrag des Hochgenusses einen Schritt weiter gehen, muss das Fleisch zusätzlich in Jus ansetzen, damit es mehr Tiefe bekommt, muss die dazu gereichten Balsamico-Zwiebeln zu jener Dichte an herzhafter Süße reduzieren, dass der Gast im Zusammenspiel der wuchtvollen Aromen ehrerbietig auf die Knie sinkt. Ja, schon klar, wir übertreiben mal wieder, aber im Hofgeflüster schlummert großes Potenzial, das entfesselt werden will – raus aus der Komfortzone!

Das cremige Käsekuchen-Heidelbeer-Eis (4,50 Euro) ist köstlich. Das Spekulatius-Mousse (5 Euro) zwar eher eine Creme, aber in Verbindung mit Joghurt-Zitronen-Schaum sehr gut. Nur bei dem Baba au Rhum mit Schwarzteecreme (6,50 Euro) müssen wir kapitulieren. Das warme Hefegebäck schmeckt so brandig, dass wir Angst haben, der Schnaps wurde mit Brennspiritus verwechselt. Wir reklamieren, senden das Gericht zurück in die Küche, wo es probiert wird. Und was passiert? Sebastian Wego schickt nicht den Service vor, sondern hat das Rückgrat, persönlich an den Tisch zu kommen. Respekt. Der Küchenchef entschuldigt sich mit gewinnendem Lächeln, da sei das Gebäck wohl mit zu viel Rum getränkt worden. Er fragt, ob er uns eine dezentere Variante zubereiten dürfe. Wir lehnen dankend ab. Wir müssen noch fahren.

Fazit

Charmantes Restaurant, in dem gutes Essen serviert wird. Wobei, wenn uns nicht alles täuscht, wir von den Küchenchefs noch mehr hören werden.

Gesamt 7/10 (Küche 7, Ambiente 8, Service 7)

Kontakt:

Hofgeflüster

Ballhofplatz 1

30159 Hannover

Telefon: 0511-80606630

E-Mail: info@hofgeflüster.com

Internet: www.hofgeflüster.com

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 22 Uhr (in den Wintermonaten Dienstag bis Freitag ab 11.30 Uhr)

Barrierefreiheit: nein

Von Hannes Finkbeiner

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