Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Die Stadt hätte die Markthalle nie verkaufen dürfen
Aus der Region Stadt Hannover Die Stadt hätte die Markthalle nie verkaufen dürfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 05.01.2019
Drinnen leer, aber draußen Warteschlangen: Am Silvestertag haben sich die Mängel des Markthallenmanagements gezeigt. Quelle: Katrin Kutter
Anzeige
Hannover

Es dauert zuweilen, bis Fehler der Vergangenheit sich rächen. Vor genau 22 Jahren hat die Stadt sich ihrer Problem-Markthalle entledigt und sie an eine private Betreibergesellschaft verkauft. Damals hätte sie viel Geld für eine Sanierung aufwenden müssen. Das hat sie erfolgreich auf die neuen Eigentümer abgewälzt – und mit der Verantwortung auch die Gestaltungsmacht für dieses symbolträchtige Objekt verloren. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig, dass jemand die Markthalle gestaltet, statt sie nur zu verwalten.

Attraktiv als „Bauch von Hannover

Es ist immer leicht, auf die Eigentümer solch eines Sonderobjekts zu schimpfen. Man muss vielleicht vorwegschicken: Rechtsanwalt Bernd Wedler und seine Mitgesellschafter haben ab 1997 mit hohen Investitionen dafür gesorgt, dass die Markthalle als „Bauch von Hannover“ attraktiv blieb. Und sie haben auch vor einigen Jahren erneut Geld in die Modernisierung gesteckt. Allein: Wer dort auf Toiletten geht, der sieht (und riecht) schnell, dass noch so einiges im Argen liegt. Und auch die durchweg lieblose Gestaltung des Budenensembles zeugt davon, dass dieser Ort längst in die Jahre gekommen ist. Das ist umso ärgerlicher, als dass viele Großstädte längst den Charme-Wert ihrer Markthallen entdeckt haben – und sie mit neuen Konzepten, pfiffigen Ideen sowie kluger Architektur aufwerten.

Anzeige

Markthalle ist vielen lieb und teuer

Vielen Hannoveranern ist ihre Markthalle lieb und teuer, auch wenn sie bei der Kriegszerstörung den Jugendstilglanz des Vorgängerbaus verloren hat. Vielleicht ist sie gerade deshalb ein bisschen wie Hannover selbst und wie die meisten Hannoveraner: unprätentiös, nicht luxuriös, ehrlich, bodenständig. Das mögen wir. Aber wir mögen es auch, wenn die Sachen instandgehalten werden. Und wir mögen es gar nicht, wenn am Silvestertag viele Menschen reinwollen, aber draußen warten müssen, weil Stadt und Betreiber es ein Jahr lang nicht hinbekommen haben, sich auf ein Sicherheitskonzept für diesen besonderen Tag zu einigen. Mal ehrlich: So etwas darf es einfach nicht geben.

Solch ein Silvestertag darf sich nicht wiederholen

Das Problem liegt aber tiefer als die offenkundige Bockigkeit des Hallenverwalters, sich um das von der Stadt geforderte Konzept zu kümmern. Mit hohen Standmieten und inzwischen nur noch geringen Investitionen ist die Markthalle eine „Cashcow“ für die Betreiber, eine finanzielle Kuh, die seit Jahren gemolken wird. Nun wird es aber Zeit, dass die Betreiber wieder etwas investieren. Hannover hat eine bessere Markthalle verdient. Dafür sollte der Gesellschafterkreis endlich über einen Generationswechsel nachdenken. Vielleicht spült das frisches Geld in die Kasse, sicherlich aber wird es die Bereitschaft erhöhen, mit Investitionen die Qualität des „Bauchs“ wieder zu erhöhen. Und das Gespräch mit der Stadt über ein Brandschutz- und Fluchtkonzept wieder aufzunehmen. Damit es am Jahresende nicht noch einmal vorkommt, dass die Menschen den Silvestermittag vor statt in der Halle verbringen müssen.

Weitere Artikel zum Thema:

Der Frust am Silvestertag

HAZ-Interview mit dem städtischen Eventmanager Ralf Sonnenberg

CDU fordert neue Markthalle für Hannover

Standbetreiber lädt für diesen Sonnabend zum „Silvester-Revival“

Von Conrad von Meding