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Stadt Hannover Die Lochis in der analogen Welt
Aus der Region Stadt Hannover Die Lochis in der analogen Welt
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00:16 08.01.2017
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Hannover

Ihre Stars sehen die Fans normalerweise nur auf dem Smartphone-Bildschirm. Denn die Lochis sind in erster Linie für ihre YouTube-Videos bekannt, die sie auf ihrem Kanal hochladen. Doch am Donnerstagabend kann die hannoversche Fangemeinde die Zwillingsbrüder, die im "Real Life" Heiko und Roman Lochmann heißen und aus dem hessischen Riedstadt kommen, einmal analog sehen: Die Lochis spielen ein Konzert im ausverkauften Capitol. Mitgebracht haben sie ihr Album "#zwilling".

Schon zwei Stunden bevor es losgeht stehen die Anhänger der Lochis bei eisigen Temperaturen in einer Schlange auf der Brücke vor dem Capitol. Und auch die Eltern müssen durchhalten: Die meisten Fans sind gerade einmal aus dem Grundschulalter herausgewachsen, ein Konzert dürfen sie nur in Begleitung eines Erwachsenen besuchen. Die Lochis, das ist ein Phänomen der Generation Smartphone: Mehr als zwei Millionen Abonnenten haben die YouTube-Stars und stehen damit auf Platz 17 der meistabonnierten Kanäle Deutschlands.

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Bekannt wurden die Brüder vor allem mit Parodien und Übersetzungen von bekannten Popsongs. Seit 2011 veröffentlichen sie regelmäßig neue Videos, immer schrill, immer lustig. Bei den Kids kommt das an, wenngleich die Eltern wahrscheinlich nicht ganz verstehen können, warum die Clips der Jungs bei ihren Töchtern und Söhnen zu Schnappatmung führen. Und auch das Medium, über das Teenie-Idole heute bekannt werden, hat sich verändert: YouTube und die sozialen Netzwerke ersetzen die "Bravo" und Shows wie "Top of the Pops", die die Stars der Eltern einst groß gemacht haben.

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Bei dem Auftritt der Lochis erinnert dann aber alles wieder an die Zeiten, in denen vor allem klassische Boy- und Rockbands Konzerthallen füllten - Kreischalarm inklusive. Die Fans haben Plakate gemalt und T-Shirts vom Merchandise-Stand an. Die Texte von Songs wie "Wer du wirklich bist", "Lieblingslied" und "Lady" können sie natürlich auswendig mitsingen.

Die Lochis, ganz in Weiß gekleidet, sind keine begnadeten Sänger. Aber ihre selbst geschriebenen Liedern sprechen der Zielgruppe aus der Seele: Es geht ums erste Verliebtsein, um Träume und andere Pubertätsthemen. Dazu gibt es Gute-Laune-Sound und Sprechgesang. "Die Musik ist gut und nicht zu langsam", sagen Elli Rümenapp (11) und Janne Matterne (12). Aber was bei Teenie-Stars vielleicht noch viel wichtiger ist: "Die beiden sind voll süß." Auch in echt. Wobei: Die meisten Fans sehen weite Teile des Konzerts dann doch wieder auf dem Smartphone-Bildschirm - sie machen Fotos und Videos für Snapchat, Instagram und YouTube.

Von Isabell Rollenhagen

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