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Stadt Hannover Diese Truppe feiert Karneval in Venedig
Aus der Region Stadt Hannover Diese Truppe feiert Karneval in Venedig
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00:16 11.02.2017
So werden die Hannoveraner in Venedig zum Hingucker: Im Kostüm der Schneekönigin steckt Michaela Morr (v. l.), den Mohren gibt Michael Lindemann, Susanne Wahl ist die Haremsdame, WOK-Chef Carl-Werner Möller trägt das Kostüm des Sultans, und Erik Wonneburg geht als Erpel.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Den Turban setzt Carl-Werner Möller als letztes auf - er wiegt stolze 1,5 Kilogramm, und je kürzer er das Kunstwerk aus Pappmaché, Seide und prunkvollen Steinchen auf dem Kopf balancieren muss, desto besser.Es ist die Generalprobe für die lange vorbereitete Reise zum Karneval nach Venedig. Alle drei Jahre wird Möller, der sonst das Küchenmuseum World of Kitchen (WOK) in der List führt, zum Karnevalisten. In diesem Jahr reisen er und seine vier Begleiter in reich behängten Gewändern aus „Tausendundeiner Nacht“ nach Italien.

Jedes Kostüm kostet 500 Euro

Das glitzernde Federkostüm der Schneekönigin, das orientalische Gewand des Mohren, das schillerde Kleid der Haremsdame und das reich bestickte Gewand des stolzen Sultans - alle sind selbst genäht. Knapp 500 Euro kostet ein Kostüm. Den Arbeitsaufwand rechnet Möller gar nicht mit. „Seit Weihnachten sitzen wir fast ununterbrochen an der Nähmaschine“, sagt er und zaubert aus den Falten seines Umhangs goldglänzende Flügel hervor. „Ich freue mich, wenn meine Wohnung wieder wie eine Wohnung und nicht mehr wie eine Nähstube aussieht.“

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Am 21. Februar bringt sie der Nachtzug in die Ursprungsstadt des farbenfrohen Straßenkarnevals - nach Venedig. Zum Glück gibt es einen Zug, im Flugzeug wäre die Reise mit den zahlreichen Koffern, Tüten und Transportschachteln noch komplizierter.

Kein Vergleich zu Köln, Düsseldorf und Mainz

Vor 20 Jahren stürzte sich Möller zum ersten Mal in das karnevalistische Getümmel in Venedig, das so gar nichts gemein hat mit den Umzügen und Feiern in den deutschen Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz. Seitdem ist er immer wieder zurückgekommen. Knapp eine Woche lang wird die bunte Truppe aus Hannover von morgens bis abends durch die Straßen Venedigs flanieren - immer der Sonne nach. Mehr müssen sie gar nicht tun. „Dann kommen die Fotografen von allein und stürzen sich auf uns“, sagt Möller. Vor drei Jahren waren sie als Teufel verkleidet und inszenierten ihre Kostüme in nebelverhangenen Kirchen. Selbst zum Essen und Einkaufen werden die pompösen Gewänder nicht abgelegt. Und abends werfen sie sich in ihre selbst genähte orientalischen Abendgarderobe.

Möller freut sich schon auf das bunte Treiben, denn mittlerweile kennt er schon viele der anderen Karnevalisten und Fotografen. „Die Stimmung ist gut. Jeder der kostümiert ist, grüßt, und am Rosenmontag sind 10.000 Kostümierte zu Besuch in der Stadt.“ Die Gruppe aus Hannover fällt auf: Vor drei Jahren wählte der venezianische Tourismusverband ihre Gewänder unter die zehn besten Kostüme. Auf diese Auszeichnung hoffen die Hannoveraner auch in diesem Jahr. Und bevor die teuren Kunstwerke nach dem Karneval im Schrank verschwinden, werden sie noch ein paar Mal in Hannover ausgeführt: zum Schützenausmarsch und zur Nacht der Museen.

Von Linda Tonn

08.02.2017