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Stadt Hannover Disko-Siegel soll gegen Diskriminierung helfen
Aus der Region Stadt Hannover Disko-Siegel soll gegen Diskriminierung helfen
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20:11 08.10.2014
Von Andreas Schinkel
Ein Siegel an der Diskotür soll gewährleisten, dass vor und in den Partyräumen keine Diskriminierung stattfindet. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Zu bekommen ist das Siegel relativ einfach – allerdings kann es Diskotheken dann aberkannt werden, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, dass ein Gast wegen seiner Herkunft abgewiesen wurde. So will die Stadt erstmals transparent machen, welche Betriebe gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen.

Das Siegel namens „Pro AGG“ hat die Stadt zusammen mit dem Branchenverband Dehoga entwickelt. Damit werben können alle Gastronomen, die an einer Schulung teilgenommen haben. In einem eintägigen Unterricht, vom Dehoga organisiert, werden das Gleichbehandlungsgesetz thematisiert sowie das Verhalten von Gästen und Türstehern am Disko-Eingang analysiert. „Die Ausrede, dass Türsteher nicht von einem solchen Gesetz wussten, gilt jetzt nicht mehr“, sagt Sozialdezernent Thomas Walter.

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In der Gastronomieszene sieht man den Vorstoß mit gemischten Gefühlen. „Wir werden mehr Beschwerden von Gästen bekommen, die behaupten, wegen ihrer Herkunft nicht eingelassen zu werden“, sagt der Chef des Zaza, Jürgen Uhlenwinkel. Die Disko-Betreiber werden in Zukunft aufgefordert, eine Broschüre auszulegen, auf der „zulässige und unzulässige Gründe“ für eine Abweisung aufgelistet sind. Zu den zulässigen Argumenten zählen etwa starke Trunkenheit, aggressives Auftreten und verwahrloste Kleidung. Rechtswidrig ist es, wenn Türsteher die Kunden wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Identität zurückweisen. Sollte sich ein Gast diskriminiert fühlen, findet er in der Broschüre Kontaktmöglichkeiten zur Anti-Diskriminierungs-Stelle der Stadt und zum Dehoga.

Eine bloße Beschwerde reicht nicht aus, um einer Disko das Siegel wieder abzuerkennen. Kontrollieren wolle man die Diskotheken aber nicht, sagt der Sozialdezernent. „Letztlich sind es die Gäste, die diese Aufgabe übernehmen.“ Muss ein Etablissement das Logo tatsächlich entfernen, gilt eine Sperrfrist von einem Jahr. Dann kann sich der Gastronom erneut um das Siegel bewerben.

Allerdings ist es äußerst selten, dass es zur Verurteilung eines Disko-Betreibers kommt. Denn die Aussage des Gastes steht meist gegen die Aussage oft mehrerer Türsteher, sodass ein Beweis schwierig zu führen ist. Zuletzt musste das Agostea einem Migranten 1000 Euro zahlen, weil die Türsteher dem türkischstämmigen Mann den Zutritt verwehrten, zeitgleich aber Gäste deutscher Herkunft einließen. Die HAZ hatte im Winter dieses Jahres einen 27-jährigen Deutschen mit dunkler Hautfarbe durch Hannovers Nachtleben begleitet. Er war gut gekleidet und hatte keinen Alkohol getrunken, dennoch wurde ihm in drei Klubs der Eintritt verweigert, während andere Gäste passieren durften.

Die Verpflichtung zur Schulung und zum Siegel unterstützen bereits jetzt acht Diskotheken und Bars, darunter das Agostea, die Dax Bierbörse und das Zaza. „Für die meisten Gastronomen sind die Regeln, für die das Siegel steht, eine Selbstverständlichkeit“, sagt Kirsten Jordan von der Dehoga Hannover. „Unser Ziel ist, dass alle Diskotheken, Bars und Klubs in Hannover das Emblem an ihre Türen heften.“
Zaza-Chef Uhlenwinkel gehört zwar auch zu den Unterstützern, hat aber seine Zweifel. „Das Siegel erschwert unsere Arbeit“, meint er. Viele Gäste, die angetrunken sind, könnten ihren Verweis als Diskriminierung auslegen.     

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