Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Großes Interesse an Ökodorf in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Großes Interesse an Ökodorf in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:19 24.01.2019
Vor vollem Haus: Mitinitiator Hans Mönninghoff skizziert die ersten Ideen und den Projektablauf. Quelle: Irving Villegas
Anzeige
Hannover

Der Andrang überraschte sogar die Organisatoren. Mehr als 300 Interessierte sind zum Auftakttreffen für eine mögliche Ökosiedlung in Hannover erschienen, und obwohl der Treffpunkt bereits in den Pavillon verlegt war, standen die Gäste bis auf die Flure. Mitten darunter: Einige Kleingartenaktivisten, die um die Zerstörung ihrer Kolonien im Stadtteil Burg fürchten und Protest anmeldeten.

Mönninghoff: „Lasst uns etwas Neues probieren“

Die Idee der Initiatoren: Auf einem etwa 110.000 Quadratmeter großen Areal am Vinnhorster Weg, das laut Ratsbeschluss langfristig für Wohnungsbau vorgesehen ist, könne statt der üblichen, hochpreisigen Neubauwohnungen eine Siedlung entstehen, in der Genügsamkeit gelebt wird, neudeutsch Suffizienz. Ecovillage Burg ist der vorläufige Titel, und von der größten Tiny-House-Siedlung Europas ist die Rede, benannt nach den amerikanischen Minihäuschen, die in Übersee derzeit trendy sind und Wohnen auf wenigen Quadratmetern ermöglichen. Hannover sei in den letzten zehn Jahren um 30.000 Menschen gewachsen, sagte Mitinitiator Hans Mönninghoff, der ehemalige Umwelt- und Wirtschaftsdezernent der Stadt. Neubaugebiete seien nötig, aber es müssten nicht immer die Standardwohnungen sein: „Lasst uns etwas Neues probieren.“

Anzeige

Ein fertiges Konzept allerdings gebe es noch nicht, sagte Thomas Köhler von der Initiative Transition Town, von der die Ursprungsidee stammt. Das solle mit allen Interessenten gemeinsam entwickelt werden – Zeit sei bis zum Kulturhauptstadtjahr 2025, dann sollen die ersten Häuschen stehen. Mönninghoff stellte klar, dass die Offenheit auch für den Standort gelte – der sei ein Vorschlag, aber es könne nach Alternativen gesucht werden.

Kleingärtner: „Dreist und unanständig“

Das gab Applaus bei den Kleingärtnern – und auch von einigen anderen im Raum. Zuvor hatte Kleingartenaktivist Carsten Hanisch es „dreist und unanständig“ genannt, eine Ökosiedlung auf Kleingartenflächen zu planen. Man habe sich darauf verlassen, dass die Stadt eine Wohnbebauung nicht mehr forciere. Wobei Transition-Town-Sprecher Köhler betonte, dass die Stadt die Bebauung nur zurückgestellt habe, weil das Bauamt überlastet sei. Da es dem Projekt aber ohnehin um „maximalen Erhalt von Grünflächen bei minimalem Wohnflächenverbrauch“ gehe, könnten die Kleingärten beim Ecovillage-Vorhaben vielleicht einfach bleiben, nur anders genutzt: „Dafür wollen wir Ideen sammeln.“

Am Ende bildeten sich zehn Gruppen, die an einzelnen Themen arbeiten wollen. Es geht etwa um die Frage der Quartiersentwicklung, mögliche Konzepte zum Zusammenleben, der Gebäudegestaltung („gestapelte Tiny-Houses“) und ganz konkret um die Vorbereitung der nächsten Schritte. Die Arbeitsgruppen treffen sich Mitte Februar in der Zukunftswerkstatt im Ihme-Zentrum, für das Frühjahr ist ein Kongress geplant.

Kontakt zur Ecovillage Burg über Newsletter

Auf der Internetseite der Initiative kann man sich für einen Newsletter eintragen lassen.

Von Conrad von Meding