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Stadt Hannover Tierquälerei-Vorwürfe: Schlachthof räumt Verstöße ein
Aus der Region Stadt Hannover Tierquälerei-Vorwürfe: Schlachthof räumt Verstöße ein
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00:24 23.11.2018
Der Schlachthof in Gleidingen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Nach schwerwiegenden Vorwürfen der Tierquälerei in Schlachthöfen in Oldenburg und Bad Iburg bei Osnabrück gibt es möglicherweise einen dritten Fall in der Region Hannover. Die Staatsanwaltschaft prüft nach einer Anzeige von Tierschützern Ermittlungen gegen Verantwortliche eines Schweineschlachthofs in Laatzen-Gleidingen. „Die Anzeige ist bei uns eingegangen“, sagte am Dienstag die hannoversche Staatsanwältin Kathrin Söfker. Das Agrarministerium leitete die Anzeige zusätzlich an die Staatsanwaltschaft Oldenburg weiter. Die Oldenburger sind zentral für Landwirtschaftssachen in Niedersachsen zuständig. Das Bildmaterial soll auch von Fachleuten des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) gesichtet werden.

Das Unternehmen des betroffenen Schlachthofs teilte am Abend mit, man bedauere die Verstöße gegen den Tierschutz: „Das mehrfache Einsetzen von Elektrotreibern entspricht in keiner Weise den Tierschutzstandards, die wir vorgeben“, hieß es in einer Mitteilung der Leine-Fleisch GmbH. Die Verstöße seien „von einem über einen Werkvertrag eingesetzten Beschäftigten“ begangen worden. Die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmer werde beendet. Das gesamte Kontrollsystem, vor allem der „Bereich der Betäubung und Tötung“ solle einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

Schmerzenslaute sind zu hören

Heimlich angefertigte Videos sollen zeigen, wie Mitarbeiter des Betriebs Leine-Fleisch Schweine mit Elektroschockern bearbeiten. Angeblich wurden die Bilder vor einigen Wochen gemacht. Jan Peifer, Vorsitzender des umstrittenen Vereins Deutsches Tierschutzbüro, versichert an Eides statt, dass die Aufnahmen aus dem Unternehmen stammen. „Die Videos zeigen, wie eine Vielzahl von Schweinen verbotenerweise bis zu 40-mal mit Elektroschockern malträtiert und gequält werden, während sie keine Möglichkeit zur Bewegung haben.“ Die Aufnahmen liegen der HAZ vor. Darauf sind Schmerzenslaute der Tiere zu hören.

In weiteren Aufnahmen ist zu sehen, wie blutende Schweine zuckend an Haken hängen. Nach Überzeugung des Tierschutzvereins ist das ein Hinweis darauf, dass die Tiere vor dem Töten unzureichend betäubt wurden.

Achtung: Video zeigt schwer erträgliche Szenen

Das Videomaterial soll am Mittwoch bei einer Protestveranstaltung vor dem Schlachthof vorgestellt werden.

 Das Tierschutzbüro hatte zuletzt durch heimliche Filmaufnahmen den Skandal in Oldenburg ins Rollen gebracht. Bei einer Pressekonferenz zu dem Thema sperrten die Aktivisten dann einen Journalisten des Landwirtschaftsverlages aus.

„Wir haben noch keine Unterlagen gesehen“

In dem Laatzener Betrieb werden laut Tierschutzbüro jährlich 500.000 Schweine geschlachtet. Auf seiner Internetseite wirbt der Schlachthof damit, das Tierwohl stehe an erster Stelle. Die Schweine würden aus der näheren Umgebung „stressfrei und schonend zu uns transportiert“.

Eine Regionssprecherin erklärte, man sei erstaunt. Das Veterinäramt werde „allen Vorwürfen nachgehen und sich für eine schnelle und vollständige Aufklärung einsetzen“. Bisher habe es nie Vorwürfe der Tierquälerei gegen den Betrieb gegeben.

Kann eine Initiative zur Kameraüberwachung helfen?

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte kürzlich eine Bundesratsinitiative zur Kameraüberwachung in Schlachtbetrieben angeregt. Damit reagierte sie auf Vorwürfe gegen zwei Schlachthöfe in Bad Iburg und Oldenburg wegen Tierschutzverstößen.

Nach Recherchen des ARD-Magazins „Fakt“ hat der schwedische Möbelkonzern Ikea verdächtige Fleischprodukte aus seinen Einrichtungshäusern entfernt. Ikea könne nicht ausschließen, dass ein Zulieferer Rindfleisch von dem inzwischen geschlossenen Oldenburger Schlachthof bezogen habe. Auch McDonald's habe anderthalb Jahre Rindfleisch aus Oldenburg bekommen und das Geschäftsverhältnis Ende 2017 beendet, berichtete das ARD-Magazin.

Von Karl Doeleke

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