Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Debatte um Genderstern wird zum Problem für Hansmann
Aus der Region Stadt Hannover Debatte um Genderstern wird zum Problem für Hansmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 27.06.2019
„Das wirkte nicht so sympathisch“: Marc Hansmann, OB-Kandidat der SPD. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Marc Hansmann müsste eigentlich ein entspanntes Verhältnis zur sogenannten queeren Community in Hannover haben, also zu Lesben und Schwulen sowie den bi- und transsexuellen Menschen in der Stadt. Der Oberbürgermeisterkandidat der SPD geht offen auf sie zu, will Hannover gar zur „Gay City des Nordens“ machen und wirbt für das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren.

Eklat auf offener Bühne

Man könnte meinen, damit könnte der Enercity-Finanzvorstand im Feld von Grünen und Linken trumpfen. Doch das Leben ist kompliziert. Denn die queere Gemeinschaft nimmt Hansmann eines übel: dass er kürzlich im Interview mit der HAZ den Genderstern abgelehnt hat.

Anzeige

Beim Christopher Street Day in Hannover kam es darüber sogar zum Eklat auf offener Bühne. Manch einer in seiner Partei schüttelt den Kopf über den Auftritt. Die unabhängige Kandidatin Iyabo Kaczmarek, ebenfalls Rednerin auf dem CSD, meint, Hansmann hätte mehr Humor zeigen müssen. „Das war hochgradig unprofessionell.“

„Bitchfight live on Stage“

Was war passiert? Hansmann sollte wie Belit Onay von den Grünen und Kaczmarek eine Rede auf dem CSD halten. Schon in der Anmoderation des SPD-Kandidaten kritisierte die Moderatorin Jacky-Oh Weinhaus Hansmann für seine Haltung zum Genderstern: „Was haben Sie sich dabei gedacht?“

Während seiner Rede unterbrach die Travestie-Künstlerin Hansmann mehrfach, bis ihm der Kragen platzte: Er bedankte sich in ironischem Ton für die „freundliche Moderation“, fragte Weinhaus, ob sie eine Grüne sei, was Weinhaus bejahte. Das habe er sich gedacht, erwiderte Hansmann und beschwerte sich, dass Weinhaus ihm vorher das Du verweigert habe und dass er „nicht besonders nett behandelt“ werde. Weinhaus hat den Auftritt später unter dem Titel „Bitchfight live on Stage“ bei Youtube veröffentlicht (ab Minute 3:45).

 

Nach seinem Auftritt, so berichten es Zeugen, soll Hansmann dann hinter der Bühne seinen grünen Konkurrenten Belit Onay angegangen sein. Hansmann warf Onay vor, die Veranstaltung sei von den Grünen so arrangiert worden, um ihm zu schaden.

Onay widerspricht dem: „Der Vorwurf ist quatsch. Das weiß Marc Hansmann auch.“ Hansmann räumt inzwischen selbst ein, dass er auf dem Podium keine gute Figur abgegeben hat. „Das wirkte nicht so sympathisch.“

Hansmann fühlt sich dennoch ungerecht behandelt: „Ich bin schon schlecht anmoderiert worden. Außerdem war verabredet, dass ich eine Rede halte – da unterbricht man nicht. Wenn ich unfair behandelt werde, kann ich sauer werden. Ich bin fair und möchte auch fair behandelt werden.“ Onay jedenfalls sei besser behandelt worden.

„Schwule Ampelmännchen und Regenbogen-Zebrastreifen“

Dabei war Hansmann offen auf die Szene zugegangen. Er sprach sich neben dem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare für „schwule Ampelmännchen“ vor dem Rathaus und Zebrastreifen in Regenbogenfarben aus. Das solle ein Symbol dafür sein, dass Hannover eine Stadt sei, in der Schwule und Lesben offen leben können.

Corinna Weiler vom Andersraum e. V., der Veranstalter des CSD, wollte den Vorfall nicht öffentlich bewerten. Man habe Hansmann zu einem Gespräch eingeladen, um darüber zu reden. Ampeln und Zebrastreifen seien starke Symbole – „und Symbole wirken“, sagte sie lediglich. Gleichzeitig seien sie keine Forderungen des CSD. Andere aus der queeren Szene sehen die Debatte um Hansmanns Auftritt eher politisch motiviert. Bei Schwulen und Lesben werde das Ganze nicht so dramatisch gesehen, sagt einer.

Scholz offen für den Genderstern

Eckhardt Scholz, der Kandidat der CDU, hat nicht beim CSD gesprochen. Seine Haltung zum Genderstern wäre ihm jedenfalls nicht auf die Füße gefallen. „Wir sollten offen dafür sein“, sagte Scholz im HAZ-Interview. Dafür könnte er Schwierigkeiten in der CDU bekommen. Es ist kompliziert.

Von Karl Doeleke