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Stadt Hannover Ermittlungen wegen Polizeigewalt eingestellt
Aus der Region Stadt Hannover Ermittlungen wegen Polizeigewalt eingestellt
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00:25 30.01.2015
Von Jörn Kießler
Quelle: Symbolbild / dpa
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung gegen sechs Polizisten der Inspektion Mitte eingestellt. Sie wurden verdächtigt, am Marathon-Sonntag im vergangenen Jahr mit übermäßiger Brutalität gegen einen Discobesucher vorgegangen zu sein, nachdem dieser sich geweigert hatte, seinen Ausweis zu zeigen. Der 28-Jährige erlitt damals einen Nasenbeinbruch und eine Schädelfraktur. „Dennoch bestand auch nach der Befragung von zahlreichen Zeugen kein hinreichender Tatverdacht“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge.

Demnach hatte der Polsterer die Nacht vom 26. auf den 27. April im Technoclub „Underground“ an der Georgstraße durchgefeiert. Als er die Disco gegen 12.30 Uhr verließ, wurde der 28-Jährige von mehreren Beamten angesprochen und gebeten, seinen Ausweis zu zeigen. Als dieser sich weigerte, eskalierte die Situation. Mehrere Polizisten überwältigten ihn und fixierten ihn am Boden. Dabei gingen sie offenbar nicht zimperlich vor, was die schweren Verletzungen des Mannes zeigen. Darüber, warum es jedoch überhaupt zu der Festnahme kam, gingen die Meinungen bisher auseinander.

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Das mutmaßliche Opfer behauptete, dass einer der Beamten ihn unvermittelt geschlagen habe, weil er nicht sofort seinen Ausweis aus der Tasche holte. „Die Ermittlungen haben jedoch ergeben, dass der stark alkoholisierte Mann einfach wegging, als die Polizisten ihn ansprachen“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. „Als sie ihn daraufhin festhielten, begann er, um sich zu schlagen und wehrte sich sogar noch, als er bereits am Boden lag.“ Selbst die Begleiter des 28-Jährigen versuchten ihren Freund zu beruhigen. „Eine Bekannte erzählte uns, dass sie sich zeitweise auf seine Beine setzte, um zu verhindern, dass er weiter nach den Polizisten tritt“, sagt Klinge.

Publik wurde der Fall dadurch, dass mehrere Passanten auf die Festnahme aufmerksam wurden und sogar ein Video davon ins Internet stellten. Daraufhin erstattete eine Person bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Beamten. Es habe sich aber herausgestellt, dass sie und auch weitere Passanten erst dazukamen, als die Polizisten den Mann am Boden fixierten und somit nicht die Entwicklung der Situation mitbekommen hätten, sagt Klinge, der durchaus Verständnis für die Zeugen hat.

Passanten nahmen die Szene auf und stellten das Video ins Internet. Auf den unscharfen Bildern sind die strittigen Szenen jedoch nicht zu erkennen. Quelle: Youtube / Screenshot

„Da sich der junge Mann so vehement gegen die Polizei wehrte, blieben den Beamten nur zwei Möglichkeiten“, sagt Klinge: Nämlich den Discobesucher zu überwältigen oder ihn nicht zu kontrollieren. „Zweiteres war dabei keine Option“, sagt Klinge. „Unsere Aufgabe war es zu prüfen, ob bei Ersterem eine strafrechtliche Grenze von den Beamten überschritten wurde.“ Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen. So sehen das offenbar auch das mutmaßliche Opfer und sein Anwalt. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft ließen sie sich nicht auf die Vorwürfe ein und stellten auch keinen Strafantrag.

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