Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Landesregierung saniert Gästehaus für 1,2 Millionen
Aus der Region Stadt Hannover Landesregierung saniert Gästehaus für 1,2 Millionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 06.02.2017
Von Bärbel Hilbig
Das Esszimmer, in dem Merkel mit Putin speiste, ist von Grund auf saniert. Matthias Woiwode und Carola Woelk sind glücklich mit dem Ergebnis. Quelle: Rainer Droese
Anzeige
Hannover

Chinas Regierungschef Wen Jiabao, Wladimir Putin, Dilma Rousseff, Arnold Schwarzenegger, David Cameron, Donald Tusk, britische Prinzessinnen und Prinzen sind in der schmucken Villa bereits ein und aus gegangen. Doch irgendwie hatten all diese Promis auch ein wenig Pech. Denn jetzt hat die Landesregierung ihr Gästehaus im Zooviertel sanieren lassen. Heller und freundlicher wirken die prächtigen Räume nach den sieben Monaten Bauzeit.

„Der schöne Rahmen für Veranstaltungen der Landesregierung hat uns gefehlt“, sagt Matthias Woiwode, Protokollchef der niedersächsischen Staatskanzlei. Besonders zu großen Messen lädt auch die Bundeskanzlerin gerne Gäste in die 117 Jahre alte Neorenaissance-Villa ein, die Fachleute nun, wo möglich, in den Originalzustand von 1900 zurückversetzt haben.

Anzeige

Die große Flügelschiebetür zum Esszimmer, in dem Angela Merkel gelegentlich mit Staatsgästen tafelt, hat Einsätze aus Glas bekommen, wie es früher schon einmal war. „Natürlich nicht durchsichtig, damit die Vertraulichkeit der Gespräche gewahrt bleibt“, schiebt Woiwode hinterher. Statt Butzenscheiben zieren außerdem bleiverglaste Fenster mit Glasmalerei den Raum. „Wir haben das anhand von Originalfotos rekonstruiert“, erläutert Architektin Carola Woelk vom Büro Woelk Wilkens.

Die Sanierung war dringend notwendig geworden: Hinter der kostbaren Wandbespannung rieselte der Putz, Elektrik und Technik waren veraltet. Bauhistoriker haben akribisch alte Schwarz-Weiß-Fotos der Räume gesichtet, Holzhistoriker mit Skalpell der Originalfarbigkeit von Holzvertäfelungen und Eichenparkett nachgespürt. Die halbhohen Vertäfelungen der Räume aus Eiche, Mahagoni oder Palisander waren bei früheren Sanierungen dunkel überstrichen worden und wirkten einförmig und schwer.

Allein für die Holzrestaurierung waren 14 Spezialisten dann mit Wattebäuschchen zu Werke, entfernten alte Lackschichten, bis die lebhafte Maserung der Hölzer wieder zu Tage trat. Auch eine übertünchte Stuckdecke ist in ihrer Feinheit wieder sichtbar. Besonderen Glanz geben Seidentapeten mit filigranen Rankenmustern den Räumen - das Esszimmer strahlt in Rot und Gold, das Damenzimmer blassrosa, in der Halle überwiegen goldgelbe Töne. „Hinter einer Leiste im Esszimmer haben wir winzige Reste des Originalstoffs entdeckt, im Labor gewaschen und analysiert“, berichtet Carola Woelk. Die Seidenmanufaktur Eschke in Crimmitschau bei Zwickau hat die neue Wandbespannung gefertigt. „Die Mitarbeiter sind wahrscheinlich die einzigen, die das in Deutschland noch können.“

Die Landesregierung war mit ihren wöchentlichen Sitzungen in die Staatskanzlei ausgewichen. Nun tagt sie wieder im Kabinettszimmer im Obergeschoss - hinter einer verbreiterten Tür, denn auch das war bei der 1,2 Millionen Euro teuren Sanierung aufgefallen. Weitere Sanierungsschritte für rund 980.000 Euro folgen ab Sommer.

Doch bis dahin werden sicher etliche Bürger die Villa begutachten können, ist sie doch Schauplatz der Verleihung von Orden und Feuerwehrmedaillen, der Ehrung Ehrenamtlicher und niedersächsischer Ernteköniginnen.

Ein Koch eigens für die Gäste der Landesregierung

Vor rund drei Jahren hat die niedersächsische Landesregierung für die Bewirtung ihrer Gäste einen eigenen Koch eingestellt. Vorher setzte sie von Fall zu Fall auf Caterer. Sören Riedel hat seine Ausbildung im Luisenhof gemacht, dann im Drei-Sterne-Restaurant Aqua in Wolfsburg gearbeitet und war danach auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff im Gourmetbereich beschäftigt. „Es ist wirtschaftlicher, einen eigenen Koch zu beschäftigen“, erklärt der Protokollchef der Staatskanzlei Matthias Woiwode. Außerdem sei so zuverlässig gleichbleibende Qualität garantiert. Für den Service werden weiter je nach Bedarf zusätzliche Mitarbeiter kurzfristig gebucht.

„Unser Koch kennt die Vorlieben der Gäste, kann flexibel auf Wünsche eingehen und weiß, was es schon einmal gab.“ Das ist bei diplomatischen Anlässen ein wichtiges Detail. „Wir wollen schließlich nicht zweimal das Gleiche servieren.“