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Stadt Hannover Ex-Chefredakteur Ulrich Neufert verabschiedet
Aus der Region Stadt Hannover Ex-Chefredakteur Ulrich Neufert verabschiedet
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22:22 12.05.2017
Von Simon Benne
„Ein kraftvoller Dampfmacher“: Madsack-Chef Thomas Düffert (r.) und der frühere Vorsitzende der Madsack-Geschäftsführung Friedhelm Haak (l.) mit dem scheidenden Ulrich Neufert (oben). Zum Abschied bekam der frühere Chefredakteur eine eigens für ihn produzierte Zeitung.   Fotos: Schaarschmidt (3)
„Ein kraftvoller Dampfmacher“: Madsack-Chef Thomas Düffert (r.) und der frühere Vorsitzende der Madsack-Geschäftsführung Friedhelm Haak (l.) mit dem scheidenden Ulrich Neufert (oben). Zum Abschied bekam der frühere Chefredakteur eine eigens für ihn produzierte Zeitung. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Es war das Ende einer Ära - und zum Abschied kamen mehr als 100 Freunde und Weggefährten ins Pressehaus, um den langjährigen HAZ-Chefredakteur Ulrich Neufert nach 36 Jahren bei Madsack in den Ruhestand zu verabschieden. Der frühere OB Herbert Schmalstieg stieß bei dem lockeren Grillfest ebenso auf Neufert an wie Ex-Kulturdezernent Harald Böhlmann und Galerist Robert Simon. Im Mittelpunkt der Feier stand „ein journalistisches Schwergewicht“, wie Thomas Düffert, Vorsitzender der Madsack-Geschäftsführung, Neufert nannte: „Er ist ein Charakter, ein kraftvoller Dampfmacher.“ Dem stimmte auch Friedhelm Haak, langjähriger Madsack-Chef, zu.

Bei der Abschiedsparty, die das Christian von der Osten Trio mit Jazzklängen umflorte, bekam der passionierte Fußballfan Neufert eine Jahreskarte für Hannover 96 - und eine eigens für ihn produzierte Zeitungsausgabe, in der Kollegen launig Rückschau halten. Insgesamt 24 Jahre lang hat Neufert in Madsack-Chefredaktionen gewirkt; da kommt ein stattliches Repertoire an Anekdoten zusammen.

Der frühere Staatssekretär Gerd Andres erinnerte an seine Abende mit Neufert in Bonn - und daran, dass der Lehrter schonungslose Urteile fällen konnte: „Uli kann klasse schreiben - und ein harter Kritiker sein“, sagte er mit hintergründigem Lächeln. Da widersprach niemand.

Als einer von wenigen Journalisten war Neufert gleich mit zwei der wichtigsten Medienpreise überhaupt geehrt worden. Im Jahr 1986 erhielt er den Wächterpreis der deutschen Tagespresse. Er hatte den Skandal ums „Celler Loch“ aufgedeckt, den vom Verfassungsschutz fingierten Sprengstoffanschlag, der heute als eine der größten Affären in Niedersachsens Geschichte gilt. Und 1992 bekam er den Theodor-Wolff-Preis. Später erhielt er noch den Niedersächsischen Verdienstorden: Als Chef des Expo-Journals hatte er geholfen, die Weltausstellung bundesweit zum Thema zu machen. Anschließend wurde er Chef der „Neuen Presse“, danach stand er von 2005 bis 2011 an der Spitze der HAZ, um später als Chef des digitalen Magazins „sonntag“ Akzente zu setzen. Überall sei er „einer der Besten“ gewesen, sagte Düffert.

„Ich habe mich bei Madsack unendlich gut aufgenommen gefühlt“, dankte Neufert - um dann noch einmal eine Lanze für journalistische Unabhängigkeit zu brechen: „Ich habe gelernt, dass der Platz zwischen den Stühlen ganz gut ist.“