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Stadt Hannover Fall Lehner beschäftigt auch die Uni
Aus der Region Stadt Hannover Fall Lehner beschäftigt auch die Uni
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08:04 30.12.2011
Von Bernd Haase
Foto: Außer der Üstra beschäftigt sich auch die Leibniz Universität mit der Vergangenheit von Friedrich Lehner.
Außer der Üstra beschäftigt sich auch die Leibniz Universität mit der Vergangenheit von Friedrich Lehner. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

 „Hochschulleitung und Freundeskreis sind darüber informiert worden und prüfen die Angaben“, sagte Sprecherin Andrea Wiese. Über mögliche Konsequenzen wolle man nicht spekulieren.

Für die Leibniz Universität besitzt der Fall aus zwei Gründen Relevanz. Zum einen hat sie Lehner 1966 den Titel eines „Doktor-Ingenieur Ehrenhalber“ verliehen. Zum anderen vergibt der Freundeskreis der Hochschule gemeinsam mit der Friedrich-Lehner-Stiftung den gleichnamigen Preis, mit dem im Zwei-Jahres-Turnus Verkehrswissenschaftler ausgezeichnet werden. Die nächste Vergabe ist für das kommende Frühjahr anberaumt.

Lehner war von 1954 an für elf Jahre Üstra-Vorstand, hat die hannoversche U-Bahn mitkonzipiert und sich einen Ruf als Experte für Wechselbeziehungen zwischen Städtebau und Verkehr erworben. Deshalb würdigte ihn nicht nur die Universität, sondern auch die Üstra: Auf ihren Vorschlag hin wurde der Weg, der zum Betriebshof Glocksee führt, 1994 nach dem Wissenschaftler benannt.

Durch ein Gutachten, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe von einem Historiker anfertigen lassen haben, gerät nun erstmals Lehners Rolle während der Nazi-Diktatur in den Fokus. Der war demnach in der ostdeutschen Stadt nicht nur Chef der Verkehrsbetriebe, sondern auch aktives Mitglied der NSDAP. Aus Unterlagen gehe hervor, dass er von 1941 an als Blockwart fungierte. Bei den Verkehrsbetrieben wiederum habe er dafür gesorgt, das Juden drangsaliert wurden. „Nach den gültigen Kriterien hätte Lehner nicht entnazifiziert werden dürfen“, heißt es in dem Gutachten.

Wegen dieser Angaben rückt die Üstra nun von Lehner ab. Sie hat bei der Stadt beantragt, den Weg zum Betriebshof wieder umzubenennen. Der Namenspatron könne nicht mehr als Vorbild herausgestellt werden.

Sonja Fröhlich 29.12.2011