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Stadt Hannover Gymnasien halten am Klassenfahrtenboykott fest
Aus der Region Stadt Hannover Gymnasien halten am Klassenfahrtenboykott fest
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00:18 26.04.2015
Foto: Anlass für den Konflikt ist, dass das Land von allen Gymnasiallehrern eine Stunde Mehrarbeit verlangt und zudem die versprochene Stundenermäßigung für Lehrer über 55 Jahre nicht einführt.
Anlass für den Konflikt ist, dass das Land von allen Gymnasiallehrern eine Stunde Mehrarbeit verlangt und zudem die versprochene Stundenermäßigung für Lehrer über 55 Jahre nicht einführt. Quelle: dpa/Symbolfoto
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Hannover

Es sieht nicht danach aus, als ob der Klassenfahrtenboykott an den hannoverschen Gymnasien in absehbarer Zeit gelockert wird. „Die Kolleginnen und Kollegen fast aller hannoverschen Gymnasien haben Schulfahrten deutlich eingeschränkt“, sagt Stefan Weiser, Sprecher der Schulpersonalräte der hannoverschen Gymnasien. Eine Umfrage der HAZ an den Schulen in Stadt und Umland hat ergeben, dass es bei den Lehrern derzeit wenig Bestrebungen gibt, ihren Protest gegen die Landesregierung aufzugeben.

Anlass für den Konflikt ist, dass das Land von allen Gymnasiallehrern eine Stunde Mehrarbeit verlangt und zudem die versprochene Stundenermäßigung für Lehrer über 55 Jahre nicht einführt. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat jetzt als Kompromiss eine höhere Kostenerstattung und mehr Ausgleichstunden für Klassenfahrten angeboten. Den hannoverschen Lehrern aber reicht das nicht. „Das Kernproblem sind die Arbeitszeiten“, sagt Weiser. Solange es dort kein Entgegenkommen gebe, blieben Klassenfahrten vorerst gestrichen.

Gymnasien in der Stadt

Klassenfahrten bleiben gestrichen: Auf die HAZ-Umfrage haben nur acht von 16 Gymnasien im Stadtgebiet geantwortet. An allen acht bieten die Lehrer weiterhin keine Klassenfahrten an. An der Goetheschule ist demnächst ein Runder Tisch geplant, um über einen Kompromiss zu diskutieren. Trotzdem sind nicht an allen Schulen alle Fahrten gestrichen. Mehrere führen zumindest Schüleraustausche und Fahrten ins schuleigene Landheim durch, dafür sind teils andere freiwillige Schulleistungen wie etwa Abi-Vorbereitungen gestrichen.

„Die höhere Kostenerstattung ist dringend notwendig gewesen, wird aber nicht zu mehr Klassenfahrten führen“, sagt Beate Günther, Leiterin der Schillerschule und Sprecherin der hannoverschen Gymnasialleiter. Schließlich bekämen Lehrer die Kosten vom Schuletat erstattet – von dessen Erhöhung sei aber bisher nicht die Rede gewesen, moniert Günther.

Inzwischen stehen die Schulen aber vermehrt unter Druck von Eltern und Schülern. An der KGS Hemmingen beispielsweise fordert der städtische Bildungsausschuss mehr Tempo bei einer Kompromissfindung. Und die neue Landesschülersprecherin, Daniela Rump aus Pattensen, hat kürzlich in der HAZ angekündigt, „mit Demonstrationen, Sitzblockaden, Petitionen oder sonst was“ gegen den Klassenfahrtenboykott kämpfen zu wollen.

Gymnasien im Umland

Fahrten fast überall gestrichen: An der HAZ-Umfrage haben sich 15 der 17 Gymnasien im Umland Hannovers beteiligt. An 13 von ihnen gibt es weiterhin keine Klassenfahrten. Nur am Gymnasium Uetze werden so viele Klassenfahrten wie sonst durchgeführt,  am Otto-Hahn-Gymnasium (Springe) findet immerhin noch ein Teil der Klassenfahrten statt.  Einige weitere Schulen im Umland Hannovers bieten ihren Schülern trotz Klassenfahrt­stopps allerdings weiterhin Skifreizeiten und Schüleraustausche an.

„Der Streit darf nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden – den Lehrern kann man den schwarzen Peter aber auch nicht einfach zuschieben“, findet Rainer Gnauck. Zu den aktuellen Geschehnissen kann sich der erste Vorsitzende des Stadtelternrates allerdings noch nicht äußern. „Das sind neue Vorschläge, da muss man erst einmal drüber diskutieren“, sagt er. Der Arbeitskreis Gymnasium des Stadtelternrats trifft sich Freitag und wird das Thema besprechen.

Zu Klassenfahrten  zwingen kann die Lehrer niemand. Es handele sich um eine freiwillige Leistung, daher stelle es kein dienstrechtliches Vergehen da, sie nicht mehr anzubieten, sagt Schulpersonalratsprecher Weiser. „Unsere Arbeitszeiten werden ignoriert, also müssen wir das irgendwie anders hinbekommen.“ Keine Klassenfahrten bedeutet allerdings nicht, dass die Schüler gar keine Ausflüge unternehmen. An einigen Gymnasien wie beispielsweise der Sophien-, Leibniz- oder Lutherschule, Wilhelm-Raabe- oder Ricarda-Huch-Schule werden weiterhin Schüleraustausche oder Landschulheimfahrten angeboten.

Von Sarah Franke

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