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Stadt Hannover Flaschenpost und Durstexpress – wer liefert besser in Hannover?
Aus der Region Stadt Hannover Flaschenpost und Durstexpress – wer liefert besser in Hannover?
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10:02 10.07.2019
Neuer Service, zwei Anbieter: Durstexpress und Flaschenpost kämpfen um Hannover. Quelle: Frankenberg
Hannover

Seit gut einem halben Jahr liefern sich die Getränkebringdienste Flaschenpost und Durstexpress eine Marketingschlacht in Hannover. Wasser, Bier und Saft sollen schnell und ohne Liefergebühr an die Wohnungstür gebracht werden. Aber: Funktioniert das? Wer hat den Vorteil, wer das Nachsehen? Zehn Fragen und Antworten zu dem neuen Service.

120 Minuten Lieferzeit – schaffen die das?

Ja, sie schaffen es. Im kleinen, nicht repräsentativen HAZ-Test haben beide Anbieter weniger als zwei Stunden benötigt, bis die Bestellungen angekommen sind, sogar zu Randzeiten bei einer Bestellung nach 19.30 Uhr. Spitzenreiter war Durstexpress: In einem Fall klingelte der Mitarbeiter nach nur 32 Minuten an der Tür. Entsprechend gehetzt, aber trotzdem freundlich war der Fahrer. Vier Kisten Mineralwasser in den Keller gehievt, Unterschrift per Fingernagel auf den Tablet-Computer malen lassen. Kein Trinkgeld parat? „Macht nichts, gerne beim nächsten Mal“, sagt der junge Mann wohlerzogen und ist schon wieder weg.

Mitarbeiter Till Bohmfalk (18) belädt einen Lieferwagen des Getränke-Lieferdienstes Durstexpress. F Quelle: Moritz Frankenberg

Wird auch im Umland ausgeliefert?

Beide Konkurrenten bieten ihren Service im gesamten Stadtgebiet Hannovers an. Bei Durstexpress ist derzeit an den Stadtgrenzen Schluss. Flaschenpost hingegen fährt auch in Teilen von Isernhagen, Langenhagen, Laatzen, Seelze, Burgwedel, Lehrte, Burgdorf, Sehnde, Garbsen und der Wedemark aus. Zu Beginn jeder Bestellung wird der Standort abgefragt – dann klärt sich, ob man beliefert wird oder nicht. Als Lager hat Flaschenpost eine etwa 10.000 Quadratmeter große Halle in Langenhagen angemietet. Durstexpress beliefert von einer „einige Tausend Quadratmeter“ großen Halle in Vahrenwald aus.

Wie sind die Preise?

Die Preise bewegen sich tatsächlich auf dem Niveau der stationären Getränke-Abholmärkte: Manches ist billiger, manches teurer. Das günstigste Mineralwasser kostet knapp 3 Euro pro Kiste, zuweilen gibt es Angebote. Beide Dienste werben mit kostenloser Lieferung. Allerdings gilt ein Mindestbestellwert von 15 Euro, darunter rechnet sich die Lieferung nicht. Das Sortiment umfasst etwa die Palette eines herkömmlichen Getränkemarkts. Flaschenpost-Chef Stephen Weich spricht von „mehr als 1000 Artikeln im Sortiment pro Standort“. Durstexpress gibt die Zahl mit 1050 an.

Wie viele Kunden haben die Lieferdienste in Hannover?

Hannover ist sehr gut angelaufen“, sagt Flaschenpost-Chef Weich. Man bewege sich auf „täglich 1000 Bestellungen“ im Raum Hannover zu. Im Moment seien es durchschnittlich 850, „aber der Sommer katalysiert das ganze Thema“. Damit sei die wirtschaftliche Bilanz noch nicht positiv – in der Herkunftsstadt Münster und einigen weiteren Städten soll Flaschenpost das aber schon erreicht haben. Für Hannover rechnet Weich in etwa einem Jahr damit. Durstexpress gibt keinen Einblick in die Entwicklungen, „da diese wettbewerbsrelevant sind“, wie Manager Maximilian Illers mitteilt.

Mitarbeiter Dominik Kemeny (24) belädt einen Lieferwagen des Getränke-Lieferdienstes Flaschenpost. Quelle: Moritz Frankenberg

Und auf wessen Kosten funktioniert das Geschäft?

Beide Lieferdienste arbeiten ganz überwiegend mit billigsten Arbeitskräften. „Rund 200“ hat Durstexpress nach eigenen Angaben in Hannover, bei Flaschenpost sind es „200 bis 300“. Zwar sind vereinzelt für die Beschäftigung in den Lagerhallen auch sozialversicherungspflichtige Jobs ausgeschrieben, doch die eigentliche Arbeit machen Minijobber.

Wie immer bei derartigen internetbasierten Start-ups wird die prekäre Bezahlung mit viel Wortgeklingel schön geredet. „Sei Teil eines großartigen Teams“, heißt es da wohlklingend. Flaschenpost-Chef Weich dreht die Niedriglohn-Bezahlung ins Positive: Vielfach jobbten Studenten als Fahrer, und „Studenten können meist nicht in Vollzeit arbeiten, für sie sind Minijobs gut geeignet“.

Bei Durstexpress ist von „selbstbestimmbaren Arbeitszeiten“ und „entsprechend individuellen Monatsverdiensten“ die Rede. Der Stundenlohn liege bei 10,50 bis 12,50 Euro, zuzüglich Trinkgeld. Bei Flaschenpost kann man dank einer variablen Zulage etwas mehr verdienen. CEO Weich bemüht sich aber, zu betonen: „Diese richtet sich nach der Auslieferqualität, nicht nach der Liefergeschwindigkeit“, schließlich wolle man nicht, dass die Fahrer die Straßenverkehrsordnung missachteten.

Was ist das Problem mit den Jobs?

Mit den Fahrern in unserem Test haben wir nicht darüber gesprochen – weil alle Touren nachvollziehbar sind, wären kritische Aussagen in der Öffentlichkeit gefährlich für sie. In Internetforen gibt es erstaunlich wenig Kritik von Beschäftigten. Vereinzelt heißt es, um avisierte Maximaleinnahmen von mehr als 14 Euro die Stunde zu erzielen, müssen man Glück haben, dass man überwiegend in Gebieten mit älteren Kunden ausliefere – die gäben mehr Trinkgeld.

Bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sieht Referatsleiter Christoph Schink den Schwund regulärer Arbeitsverträge naturgemäß kritisch. „Wir kennen diese plattformbasierten Unternehmen vom Fahrdienst Uber und den Essenslieferanten wie Foodora, Lieferando und Liveroo“, sagt er. „Vielfach versuchen sie, das unternehmerische Risiko abzuwälzen, indem sie Arbeiten an selbstständige Subunternehmer verlagern oder nur befristete Verträge vergeben.“

Wenn aber Mitarbeiter jahrelang nur befristet eingestellt seien, traue sich niemand, kritische Themen anzusprechen oder sogar Betriebsräte zu gründen. „Unser Anspruch muss sein, normale Arbeitsverhältnisse mit anständigem Lohn und Sozialabgaben zu schaffen, damit man später auch in Rente gehen kann.“ Bei Foodora, die inzwischen in Lieferando aufgegangen sind, habe man inzwischen an fünf Standorten Betriebsräte eingerichtet. Die neuen Getränkelieferdienste aber seien noch zu frisch am Markt: „Wir fangen erst an, uns damit zu befassen.“

Gibt es Alternativen?

Natürlich. Fast jeder Getränkemarkt liefert auch aus, dazu auch zahlreiche Lebensmittelgeschäfte wie Rewe oder Edeka. In der Regel nehmen sie – spätestens ab der zweiten Lieferung – eine Anfahrtspauschale, und auch das radikale Zeitversprechen von zwei Stunden vermag bisher keiner einzuhalten.

Ist ein Lieferservice umweltfreundlich?

Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es noch nicht. Die neuen Anbieter behaupten, es sei ökologischer, wenn ein Fahrzeug nach Computeranalyse optimierte Routen zu vielen Kunden fahre, als wenn jeder Kunde mit dem eigenen Auto zum Getränkemarkt fährt. Flaschenpost-Chef Weich sagt: „Pro Tour beliefern wir sechs bis zwölf Kunden, das ist unter dem Nachhaltigkeitsaspekt sehr gut.“ Allerdings könnte man die Gegenrechnung aufmachen: Wenn Einzelkunden ihre Getränke nicht mit einer eigenen Autofahrt vom Markt abholen, sondern zum Beispiel auf der Rückfahrt von der Arbeit, dann dürfte die Umweltbilanz anders ausfallen.

Warum fahren alle mit Dieseln?

Tatsächlich nutzen sowohl Durstexpress als auch Flaschenpost derzeit ausschließlich Dieselfahrzeuge im Raum Hannover, jeweils fast 100 sollen es pro Unternehmen in der Stadt sein. Beide beteuern, dass sich die Antriebsart irgendwann ändern soll. Flaschenpost hat in Münster testweise einen E-Vito von Mercedes im Einsatz, Durstexpress will „bald“ in Berlin E-Fahrzeuge in Betrieb nehmen.

Wer hatte die Idee?

Die Innovation im Getränkelieferservice ging von dem Münsteraner Start-up Flaschenpost aus. Dort waren es Informatiker, die mit Algorithmen zur Tourenoptimierungen arbeiteten und so das eigentlich biedere Liefergeschäft neu aufrollten. Bei der Oetker/Radeberger-Gruppe witterte man gefährliche Konkurrenz – und versucht seitdem, mit dem eigenen Start-up Durstexpress gegenzuhalten.

Mehr zum Thema:

Neue Getränke-Lieferservices: Da fehlt noch was. Ein Kommentar zum Thema

Durstexpress und Flaschenpost kämpfen um Hannover

Von Conrad von Meding

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