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Stadt Hannover Flüchtlingsunterkunft wird aufgelöst
Aus der Region Stadt Hannover Flüchtlingsunterkunft wird aufgelöst
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00:27 29.10.2015
Auf dem Gelände der Zentralen Polizeidirektion wird das für die Versorgung von Flüchtlingen genutzte Zelt abgebaut. Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die Polizei registrierte in diesem Zeitraum aber auch zwei Vorfälle in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften mit offenbar fremdenfeindlichem Hintergrund.

Rund um die Sporthalle der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) auf dem Gelände an der Tannenbergallee herrschte am Montag hektischer Betrieb. Beamte und Mitarbeiter der Johanniter, die die Flüchtlinge betreuten, bauten Zelt, Betten und Trennwände ab, die vor Wochen zur Herrichtung der Sporthalle als Notunterkunft aufgestellt worden waren. Seit Anfang September hatten dort rund 200 Flüchtlinge gewohnt. Das hatte auch Auswirkungen auf die Abläufe auf dem Gelände der ZPD. Unter anderem fielen dadurch die Fortbildungseinheiten für die Bereitschaftspolizei und alle Angebote des Polizeisportvereins aus.

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„Der ,Parallelbetrieb’ von Polizei und Flüchtlingsunterbringung und -betreuung erfordert einen sehr hohen personellen und organisatorischen Aufwand“, sagt Matthias Eichler aus dem Innenministerium. „Um die Polizeikräfte an anderer Stelle unter anderem auch für die Sicherheit der Asylbewerber einsetzen zu können, wurden die Flüchtlinge in eine Notunterkunft nach Oldenburg verteilt.“

Unterdessen hat die Region eine weitere Großunterkunft gefunden, um die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes zu entlasten: Das Unternehmen Sennheiser stellt ein derzeit leer stehendes Gebäude in Burgdorf-Hülptingsen als Notunterkunft zur Verfügung. Bis Mitte Januar sollen in dem 2500 Quadratmeter großen Gebäude rund 300 Asylbewerber Platz finden. Anschließend sollen die Flüchtlinge in einer Logistikhalle in Garbsen untergebracht werden. Regionspräsident Hauke Jagau dankte dem Unternehmen: „Das Engagement der Firma Sennheiser ist vorbildlich und verdient höchste Anerkennung.“

Rechtsradikale Parolen

Derweil sucht die Polizei nach den Insassen eines grünen Mercedes mit hannoverschem Kennzeichen, die am Sonntagmorgen fremdenfeindliche Parolen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Uetze gerufen haben sollen. Der Sicherheitsdienst hatte gegen 3 Uhr die Beamten alarmiert, nachdem der Wagen mehrfach an dem Gebäude in der Nordmannstraße vorbeigefahren war und die diffamierenden Äußerungen gefallen waren. Die Polizei wollte auch auf Nachfrage nicht mitteilen, welche Parolen die Täter gerufen hatten. In der Nacht zu Montag vernahm der Sicherheitsdienst einen lauten Knall in unmittelbarer Nähe der Unterkunft. Ein bislang unbekannter Mann konnte zu Fuß flüchten. Zeitgleich war der grüne Mercedes erneut auf der Nordmannstraße unterwegs. In Garbsen waren am Wochenende fremdenfeindliche Schmierereien aufgetaucht. Die Polizei entdeckte sowohl unter anderem auf der Bundesstraße 6 in Richtung Hannover die Schmiererei. Nach HAZ-Informationen sollen die Täter die Worte „Invasion stoppen“ mit weißer Farbe auf den Asphalt geschrieben haben.

Falsche Facebook-Nachricht

In Wennigsen versucht die Gruppierung Gemeinschaft Freier Wähler unterdessen, Stimmung gegen Asylbewerber zu machen. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite verbreitet Axel Görke, Geschäftsführer der Gemeinschaft Freie Wähler der Region Hannover, die Nachricht über eine angebliche Vergewaltigung einer Zwölfjährigen durch einen Flüchtling. Ort und Zeitpunkt der Tat bleibt der Text schuldig. Görke versah seine Mitteilung mit dem Hinweis: „Die ansässigen Medien verschweigen es. Aber wir sollten es teilen.“ Die Polizei hingegen sagt auf HAZ-Anfrage, sie wisse nichts von einem derartigen Vorfall. „Uns ist nichts bekannt“, sagt ein Behördensprecher. Auch Axel Görke kann zu dem angeblichen Verbrechen keine Quelle angeben. „Ich habe das so gesehen und weiterverbreitet, damit sich mal jemand drum kümmert“, sagte er der HAZ. Torsten Jung, Fraktionsvorsitzender der Gemeinschaft Freie Wähler der Region Hannover, zeigte sich schockiert von dem Verhalten seines Geschäftsführers. „Damit werden bewusst Ängste geschürt, das können und wollen wir nicht tolerieren.“

Von Tobias Morchner 
und Jörn Kießler

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