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Stadt Hannover Wie Lehrer in Hannover mit den Klimademos umgehen
Aus der Region Stadt Hannover Wie Lehrer in Hannover mit den Klimademos umgehen
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00:19 24.06.2019
„Die Schüler haben gemerkt, dass sie etwas bewegen können“: Annette Borges ist Lehrerin an der IGS Bothfeld und hat mit ihrer Klasse auch mitdemonstriert. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Rund 2000 junge Klimaschützer sind bei der Fridays-for-Future-Demonstration am vergangenen Freitag durch Hannover geradelt, viele von ihnen werden am Freitag auch in Aachen Flagge zeigen. Bei der deutschlandweiten Großdemonstration rechnen die Veranstalter mit rund 20.000 Teilnehmern, die Polizei warnt vor einem Verkehrskollaps. Die seit mehr als einem halben Jahr andauernden Freitagsdemos sind nicht mehr zu übersehen – nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Klassenräumen.

Schüler diskutieren mehr im Unterricht

Dabei geht es nicht nur um leere Schulbänke, weil die Schüler den Unterricht schwänzen, um zu demonstrieren, sondern um eine Jugend, die politisiert ist, sich mehr engagiert, mehr hinterfragt, mehr diskutiert. So zumindest berichten es auch Lehrer aus Hannover.

Annette Borges zum Beispiel war mit ihren Schülern sogar selbst bei einigen Fridays-for-Future-Demonstrationen dabei. Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Bothfeld hat ihren Neunt- und Zehntklässlern erlaubt, an zentralen Großkundgebungen zusammen mit Lehrern teilzunehmen – sozusagen politische Bildung an einem außerschulischen Lernort.

Unterricht auf der Straße: Schüler der IGS Bothfeld bei einer Fridays-for-Future-Kundgebung in Hannover. Quelle: privat

Borges, Leiterin des neunten Jahrgangs, sagt, die Schüler hätten sich als Teil eines größeren Ganzen gefühlt und gemerkt, dass sie etwas bewegen konnten. Einsatz zu zeigen sei wichtig für eine Generation, die sonst viel vorgesetzt bekomme und für kaum etwas kämpfen müsse, findet die Lehrerin. Es gehe ums Geben, nicht ums Nehmen.

Wer nicht demonstriert, geht in Parallelklasse

Oliver Wolfskehl, Oberstufenleiter der IGS Linden, hat ebenfalls eine verstärkte Politisierung der Schüler bemerkt. Das führe dazu, dass die Jugendlichen mehr selbst in die Hand nähmen – auch Themen jenseits des Klimaschutzes, sagt er.

Borges von der IGS Bothfeld betont bei aller Euphorie aber auch: „Keiner darf sich zur Demoteilnahme gezwungen fühlen. Wer nicht demonstrieren wollte, hatte eben Unterricht.“ Weil alle Klassen das Gleiche lernten, sei es auch kein Problem, dem Unterricht in einer Parallelklasse zu folgen.

Wenn die Hälfte der Schüler fehlt

Henning Niehues, Lehrer an der Sophienschule, hat freitags zur üblichen Demo-Zeit Unterricht. „Es fehlten zeitweise circa zehn bis 50 Prozent“, berichtet er, „Die Schülerinnen und Schüler haben hier sehr individuell die Relevanz von Unterricht und Demonstrationen abgewogen und dabei offenkundig ihre eigenen Prioritäten gesetzt. Den versäumten Unterrichtsstoff haben sie nachholen müssen, und die Fehlzeiten werden entsprechend den Vorgaben auf dem Zeugnis vermerkt.“

Da es für ihn selbstverständlich sei, tagesaktuelle Ereignisse in seine Stunden zu integrieren, seien bei ihm natürlich auch die Fridays-for-Future-Demos Thema gewesen, erzählt der Pädagoge. „Eine substanzielle Veränderung meines Unterrichts kann ich nicht bestätigen. Dennoch ist mein Eindruck, dass dieses Thema von vielen Schülerinnen und Schülern mit zum Teil großer Ernsthaftigkeit betrieben und diskutiert wird, was im Rückschluss natürlich auch wieder den Unterricht belebt.“ Niehues meint, dass die Anzahl und die Ausdauer der jungen Umweltschützer einen Beleg für die Glaubwürdigkeit ihres Anliegens sind.

Klimaschutz auch in der Schule leben

Auch konkrete Änderungen gibt es: An der IGS Bothfeld wird jetzt verstärkt auf Mülltrennung und -vermeidung geachtet, initiiert hätten dies zwei junge Lehrerinnen, sagt Borges. Unterstützt werde dies durch eine breite Mehrheit der Schüler und der Schülervertretung. „Die Botschaft ist: Nicht nur kritisieren, sondern auch selbst anfangen, etwas zu tun.“

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