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Stadt Hannover Gedenkort für Tugce A. wird geräumt
Aus der Region Stadt Hannover Gedenkort für Tugce A. wird geräumt
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21:15 05.01.2015
Von Bernd Haase
„Dem Gedenken an die junge Frau tut dies keinerlei Abbruch“: Der Platz, an dem Tugce A. gedacht wurde, wird in den kommenden Tagen gereinigt. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Das Schicksal der Studentin Tugce A. aus Offenbach hat im November vergangenen Jahres Menschen in ganz Deutschland berührt; auch in Hannover. Sichtbarer Ausdruck dessen ist eine kleine Gedenkstätte vor einer Brüstungsmauer am Übergang zwischen Ernst-August-Platz und Bahnhofstraße.

Inzwischen jedoch strahlt sie wenig Würde aus: Ein an die Mauer geklebtes Plakat hat Risse. Davor liegen mehrere Dutzend Trauerkerzen durcheinander; Blumensträuße, die Trauernde dort einst abgelegt hatten, sind zerfleddert und verwelkt. Die Stadt will das Ensemble an zentraler Stelle nun in den nächsten Tagen wegräumen lassen. „Dem Gedenken an die junge Frau tut dies keinerlei Abbruch“, sagt Rathaussprecher Udo Möller.

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Tugce A. war zum Opfer geworden, als sie Zivilcourage gezeigt hatte. Sie stand zwei minderjährigen Mädchen bei, die vor einem Fast-Food-Restaurant in Offenbach von jungen Männern belästigt wurden. Später griff einer der Täter die Studentin an und schlug sie zu Boden. Dabei erlitt sie schwerste Kopfverletzungen, die sie nicht überlebte. Weil der gesamte Vorfall vor dem Schnellrestaurant von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde, konnte die Polizei einen 18-Jährigen als dringend tatverdächtig ermitteln. Bisher hat dieser allerdings zu den Vorwürfen geschwiegen.

Mahnwache in der City

Nachdem der Tod der jungen Frau gemeldet wurde, versammelten sich am ersten Dezembersonntag nachmittags rund 350 Menschen auf dem Ernst-August-Platz und hielten eine Mahnwache ab. Seitdem befindet sich dort die kleine Gedenkstätte. „Eine Zeit lang wurde diese gepflegt, ein schnelles Abräumen verbietet sich auch aus Pietät“, sagt Möller. Außerdem dürften insbesondere die Verkehrssicherheit und die öffentliche Ordnung nicht beeinträchtigt werden. Da sich nun offensichtlich niemand mehr für das Arrangement an der Bahnhofstraße verantwortlich fühlt, hat die Stadt den für die Stadtreinigung verantwortlichen Abfallbetrieb Aha gebeten, in den nächsten Tagen die Stelle zu reinigen.

Silvestermüll vielfach schon weg: Beim großen Aufräumen nach den Silvesterfeierlichkeiten hatten Kehrmaschinen und Reinigungskräfte noch einen Bogen um Kerzen- und Blumenreste des Tugce-Gedenkorts gemacht. Eigentlich genießen zentrale Plätze Priorität, und mittlerweile sind große Plätze sowie die meisten Hauptstraßen von Überbleibseln des Feuerwerks gereinigt. Das gilt auch für den Maschsee. Haufenweise Raketenreste, treibende Flaschen und Papier, die am Nordufer zusammengetrieben waren, wurden gestern aus dem Wasser gefischt. Bis alle Nebenstraßen sauber sind, dürften noch etwa zehn Tage vergehen.

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