Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover „So hat man sich noch nie gesehen“
Aus der Region Stadt Hannover „So hat man sich noch nie gesehen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 28.02.2015
Von Rüdiger Meise
Fans vom Kleinen: Eduard Pontius (von links), Sabine Schäfer und Tim Jagla. Quelle: Michael Thomas
Anzeige
Hannover

Trotzdem findet die echte Sabine Schäfer die kleine Figur, die sie im Nanos-Laden von Tim Sven Jagla abholt, auf Anhieb super. „So hat man sich noch nie gesehen“, sagt die Friseurin. Im November hat sich Jagla mit der Idee selbstständig gemacht, per 3-D-Drucker lebensechte Miniaturen von Menschen herzustellen. Inzwischen hat er in seinem kleinen Laden in der Marienstraße gut zu tun. Der Andrang der Kunden ist so groß, dass die Wartezeit auf eine Figur gut zwei Wochen beträgt. Der rund 60.000 Euro teure „Projet 660 Pro“-Drucker des Ladens arbeitet auf Hochtouren.

Viele der Menschen, die sich bei Nanos ausdrucken lassen, wollen die Figur verschenken - beispielsweise an ihre Kinder oder an ihre Eltern. Bei Sabine Schäfer liegt der Fall etwas anders. Ihr Chef vom Friseurladen Terminal H in der Eckerstraße lässt seine gesamte Belegschaft ausdrucken. „Wir wollen auf unserer Internetseite mit den Figuren spielen und sie im Schaufenster des Ladens zeigen“, verrät Eduard Pontius. „Für uns war wichtig, zu zeigen, dass wir Neuem, Kreativem gegenüber offen sind.“

Anzeige

Kreativ ist auch Jagla. Der ehemalige Linienpilot ist eigentlich Handelsvertreter für Transformatorkerne. 2013 hatte er die Idee, sich selbst einscannen und die Datei dreidimensional ausdrucken zu lassen. Das Experiment klappte. „Es war überwältigend, eine Figur von mir in den Händen zu halten“, erzählt er. Sofort hatte er die Vision vor Augen, wie es sein muss, als alter Mann auf vier Figuren von sich selbst zu blicken: Bei der Einschulung, in der Universität, als Familiengründer, als glücklicher Rentner. „Die Figur habe ich hundert Leuten gezeigt - und alle haben mich ermuntert, eine Geschäftsidee daraus zu machen.“ Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, bis Jagla den Produktionsprozess so optimiert hatte, dass er zufrieden war. Zwar gibt es bereits einige andere Firmen, die ähnliche Konzepte haben - aber natürlich hält er seine Figuren für die besten.

Nicht bei allen Menschen kommt seine Geschäftsidee an. „Manchen ist der Gedanke unheimlich, dass es eine Nachbildung von ihnen gibt“, sagt Jagla. Einige mögen gar an Voodoo-Zauber denken. „Es ist eine neue Technologie“, gibt Sabine Schäfer zu bedenken: „Als die Fotografie erfunden wurde, gab es auch Vorbehalte.“

Tatsächlich ist es für jeden ein ungeahntes Erlebnis, eine dreidimensionale Figur von sich selbst in Händen zu halten. Ein mit Jagla befreundeter Psychologe ist bereits auf die Idee gekommen, die Figuren zur Therapie bei Essstörungen einzusetzen. Vielleicht ließe sich so die fatale Wahrnehmungsstörung überlisten, die bei vielen Kranken Anorexie befördert, meint er.

Natürlich könnte man bei der Anfertigung der Figuren mogeln und sie attraktiver erscheinen lassen, als ihre Vorbilder es sind. Interessanterweise verlangt das aber bislang kein Kunde von Jagla. „Die Leute witzeln beim Scannen darüber und ziehen den Bauch ein. Aber bislang wollte niemand, dass ich die Figur manipuliere - obwohl das natürlich problemlos möglich wäre.“ Schließlich wird jede Figur vor dem Ausdruck am Computer mehrere Stunden nachbearbeitet. Denn das dreidimensionale Bild, das der Scanner liefert, ist immer lückenhaft - beispielsweise durch Faltenwurf in der Kleidung oder in der Achselhöhle.

Einen kleinen Wunsch allerdings hört Jagla tatsächlich häufiger: „Können Sie meine Falten wegmachen?“ Dann kann er seine Kunden beruhigen: Die sind bei der Miniaturfigur sowieso nicht zu sehen.

Stadt Hannover Interview mit MHH Kinderarzt Baumann - Eltern sind bei Masern in der Pflicht
25.02.2015
25.02.2015
28.02.2015