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Stadt Hannover So will Hannover den Verkehr für Kinder sicherer machen
Aus der Region Stadt Hannover So will Hannover den Verkehr für Kinder sicherer machen
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17:53 26.06.2019
Dr. Norbert Bonk von der Landesunfallkasse Niedersachsen erklärt Jonne Karlshaus (10) den toten Winkel bei der „Gib mir Acht“-Aktion vor dem Rathaus. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

 Yasmin ist aus dem Führerhaus des fast vier Meter hohen Lkw nicht mehr zu sehen. Und das nur, weil sie zwei Schritte nach vorne gegangen ist. Eine Mitschülerin sitzt derweil im Lkw und blickt durch die Frontscheibe – keine Spur von der Elfjährigen. Als die beiden ihre Position tauschen wieder Verwunderung: „Es ist krass, dass ich meine Freundin durch die Scheibe nicht sehen kann“, sagt Yasmin. Die Übung soll Schulkinder sensibilisieren, wo Gefahren im Straßenverkehr lauern – und welchen eingeschränkten Blick Lkw-Fahrer auf die Straße haben.

Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer

Mehr als 1000 Schüler kommen an drei Tagen in dieser Woche zum Rathausplatz, um an der Aktion „Gib mir Acht“ der Stadt Hannover und ihren Kooperationspartnern ADAC, Polizei und weiteren teilzunehmen. Ein Fahrradparcours, Verkehrsschildertraining und Übungen mit dem Toten Winkel sollen den Kindern helfen, sich sicherer im Verkehr zu bewegen. Mit der Kampagne verfolgt das Rathaus seit neun Jahren den Plan, Unfälle mit Kindesbeteiligung zu vermeiden. Schließlich sind die Jüngsten im Verkehr am gefährdetsten.

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Trotz schlimmer Unfälle: Zahl an verunglückten Kindern sinkt

Erst im April wurde in Hannover ein Elfjähriger von einem Lastwagen überrollt. Auch in der Region kam es Ende 2018 und Anfang 2019 zu zwei tödlichen Unfällen mit Lkw- und Kindesbeteiligung. Laut Polizei Hannover geht die Zahl an verunglückten Kindern im Straßenverkehr seit 2016 allerdings kontinuierlich zurück. Auch die Zahl der Schulwegunfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizei Hannover sei im vergangenen Jahr von 120 auf 95 gesunken. Besonders gefährlich bleibt allerdings der Schulweg auf dem Fahrrad. Auf der rechten Seite eines Lkw sei der tote Winkel besonders groß und die Unfallgefahr enorm, sagt Dr. Norbert Bonk von der Landesunfallkasse Niedersachsen.

Kontaktbeamtin Judith Häring von der Polizeiinspektion West erklärt Kindern die Verkehrsregeln bei der „Gib mir Acht“-Aktion vor dem Rathaus. Quelle: Christian Behrens

Stadt will weiter gegen „Elterntaxis“ vorgehen

Es sei wichtig, gerade die Viert- und Fünftklässler anzusprechen, denn für sie werde der Schulweg zu den weiterführenden Schulen weiter, sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann. Aber nicht nur die Kinder sollen lernen, vor allem auch die Eltern. Die Stadt will sich weiter auf das Problem „Elterntaxis“ konzentrieren und die Gefahren beim Bringen und Abholen der Kinder verringern. 

Nachdem an der Albert-Schweitzer-Schule in Limmer bei einem Pilotprojekt die Straße gesperrt worden war, untersucht die Stadt aktuell alle Grundschulen im Stadtgebiet. Spätestens im Herbst soll laut Bodemann feststehen, an welchen Schulen etwas getan werden soll. Zu konkreten Handlungen hält er sich noch bedeckt. So einfach wie im Pilotprojekt wird es jedenfalls nicht werden – die Schule liegt in einer Sackgasse und der Weg konnte leicht gesperrt werden.

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Von Sebastian Stein