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Stadt Hannover Wird Schach ein reguläres Unterrichtsfach?
Aus der Region Stadt Hannover Wird Schach ein reguläres Unterrichtsfach?
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00:15 10.01.2019
„Die Dame - wen sonst?“ An der Grundschule Wasserkampstraße haben die Erstklässler regelmäßig Schachunterricht bei Michael May (li, im Hintergrund). Quelle: Samantha Franson
Hannover

Mittwoch, 11.05 Uhr, die Klasse 1 c an der Grundschule Wasserkampstraße in Kirchrode hat jetzt Schach. Eine reguläre Schulstunde. Schach steht als Fach auf dem Stundenplan wie auch Mathematik oder Deutsch. Die erste Frage von Schachlehrer Michael May (58) kommt prompt: „Was unterscheidet den Bauern von den anderen Figuren im Schach?“ Die Antwort kommt genauso prompt: „Er darf nicht rückwärts ziehen.“ In Mays Stunde geht es auch um Theorie, nicht nur um das praktische Spielen. Die Kinder sind in beidem mit Eifer dabei.

Toni (6) hatte schon im Kindergarten Schachunterricht bei Michael May, und freut sich, dass sie an der Grundschülerin dies fortsetzen kann. „Ich kenne alle Regeln“, sagt sie stolz. Fida (6) hat eine klare Favoritin unter den Figuren auf dem Schachbrett: „Die Königin, wen sonst?“

Seit fünf Jahren haben alle ersten Klassen eine Stunde Schach pro Woche, im zweiten Jahrgang steht Schach dann alle 14 Tage auf dem Stundenplan. Für die Dritt- und Viertklässler gibt es Schach als Arbeitsgemeinschaft. In der Großen Pause können die Grundschüler in der „Bauernstube“, einem Klassenzimmer, in dem sich alles um Schach dreht, unter Mays Anleitung oder allein Schach spielen.

Eine Schule im Schachfieber

„Es ist erstaunlich, was die Kinder schon nach drei Monaten Unterricht alles können“, sagt May. Der pädagogische Mitarbeiter, zertifizierter Schachlehrer, hat das Spiel an die Kirchröder Grundschule gebracht, nachdem er zuvor schon ist die Schach-AG an der Bemeroder Grundschule geleitet hatte. Er ist ein Botschafter in Sachen Schach, die Begeisterung für das Königsspiel schwingt immer in seinen Worten mit. Seit gut zehn Jahren ist er vom Schachfieber erfasst.

Wird Schach in Niedersachsen reguläres Unterrichtsfach?

Schach als reguläres Schulfach einzuführen ist eine Forderung, die seit Jahren erhoben wird. In Bremen war im November 2018 ein Modellversuch gestartet, bei dem 73 Klassen an 18 Schulen einmal pro Woche eine Stunde Schachunterricht haben. Ähneliche Projekte gibt es auch in anderen Bundesländern wie Thüringen. Der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow hatte schon 2012 versucht, den damaligen niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU), heute Wirtschaftsminister, für die Idee zu gewinnen. Als Rot-Grün 2013 an die Macht kam, war das Projekt erstmal auf Eis gelegt worden. Andere Kultusprojekte, etwa Bildungsgerechtigkeit und Werte und Normen als Modellfach an Grundschulen, waren wichtiger. Aus dem Kultusministerium heißt es jetzt, Schachaktivitäten in Arbeitsgemeinschaften oder Wettbewerben unterstütze man ausdrücklich. Denn das Spiel fördere das vorausschauende strategische Denken und die Konzentrationsfähigkeit. dö

Der 58-Jährige organisiert Schachturniere mit diversen Grundschulen, hat das Schachzentrum Bemerode vor vier Jahren ins Leben gerufen, reist mit Schülern zu Deutschen Meisterschaft. Zwei seiner ehemaligen Schüler haben sogar im vergangenen Jahr bei der Schach-Weltmeisterschaft in der Gruppe der bis Zehnjährigen teilgenommen. 2016 ist May von der Deutschen Schachjugend für sein Engagement ausgezeichnet worden. Bei einer Schachwoche in der Schule gab es Kunstaktion zum Schach, es wurden Schachkekse gebacken und in der Turnhalle Laufschach gespielt. „Sport und Schach schließen sich keineswegs aus.“

Auch Theorieunterricht gehört dazu. Quelle: Samantha Franson

Bald auch Elternkurse?

Jonas (6) setzt an, die Dame seines Gegnerin zu schlagen: „Schach“. Marlene (6) hält dagegen: „Denkste“. Viele Erstklässler erzählen, dass sie zuhause mit ihren Vätern Schach spielen. Es scheint kein Hobby von Müttern zu sein. May will demnächst auch Kurse für Eltern anbieten. Nachfragen habe es dazu schon gegeben, sagt er.

Was bringt Schach für die Schule? „Eine ganze Menge“, findet der Schachlehrer im karierten Hemd. Wer Schach spiele, verbessere sein logisches Denken, man lerne Strategie und Konzentration, selbst die Rechtschreibung werde besser, sagt May. Auch Lehrerin Anja Hohmann, die auch Konrektorin ist, weiß von den positiven Lerneffekten des Spiels zu berichten. „Es schult das Hirn, und es macht den Kindern auch noch richtig Spaß“.

Kaum hat die Stunde gefühlt begonnen, ist sie auch schon wieder vorbei. May scharrt die Erstklässler im Kreis um sich, alle springen in die Luft und rufen: „Wir sind Schachspieler“. „Bis nächste Woche“, sagt May. Die meisten Schüler wird er vermutlich eher sehen, einige bleiben gleich noch die Pause in der Bauernstube. Sie sind im Schachfieber.

Von Saskia Döhner

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