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Stadt Hannover Ahlemer Holz: Sinti und Roma verlassen das Containerdorf
Aus der Region Stadt Hannover Ahlemer Holz: Sinti und Roma verlassen das Containerdorf
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14:53 11.09.2019
Bürger beschweren sich immer wieder über die Zustände im Containerdorf am Ahlemer Holz. Jetzt will die Stadt handeln. Quelle: Foto: Nele Schröder
Ahlem

Lärmbelästigung, Müll, Streitigkeiten: Der Ärger um das Containerdorf am Ahlemer Holz reißt nicht ab. In der jüngsten Bezirksratssitzung traten erneut mehrere Bürger auf und verlangten ein schnelles Handeln von der Stadt – und tatsächlich gibt es Bewegung bei dem Thema. Die dort lebenden Familien würden bald aus dem Dorf ausziehen, kündigte Kerstin Klebe-Politze, Vorsitzende der SPD-Fraktion, an. Bereits in wenigen Wochen sollen sie in andere Unterkünfte umquartiert werden, bestätigte die Stadt auf Anfrage. In der Anlage wohnen seit einigen Jahren sowohl Sinti- und Roma-Familien als auch Obdachlose.

Neue Kapazitäten für Unterbringung von Familien

„Die Verwaltung plant, die Familien aus der Unterkunft Am Ahlemer Holz in andere Obdachlosenunterkünfte für Familien umzusetzen“, erklärte Michaela Steigerwald, Pressesprecherin der Stadt. Dies sei möglich, weil die Landeshauptstadt über neue Kapazitäten für die Unterbringung von Familien verfüge – durch die Inbetriebnahme der neuen Obdachlosenunterkunft in der Alten Peiner Heerstraße Mitte September und die Umnutzung der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft Am Bahndamm zu einer Obdachlosenunterkunft. Der Umzug der 13 Familien, die derzeit am Ahlemer Holz leben, solle Ende September oder Anfang Oktober stattfinden.

Aber auch das Quartier am Ahlemer Holz werde weiterhin genutzt, sagt Steigerwald. „In der Unterkunft sollen weitere obdachlose Männer untergebracht werden.“ Mit Blick auf den anstehenden Winter bestehe ein Bedarf an zusätzlichen Plätzen für die Unterbringung der Männer.

Unmut von Bürgern über das Containerdorf

In der Sitzung des Bezirksrats hatte es zunächst erneut großen Unmut über die Zustände in der Unterkunft gegeben. Ein Anwohner aus der Zuckmayerstraße wandte sich an Bezirksbürgermeister Rainer Göbel (SPD). Er vertrete die neu gegründete Interessengruppe Runder Tisch, die sich aus Anwohnern des Bereichs rund um das Containerlager zusammensetze, erläuterte er. Die Gruppe habe eine Liste erstellt, in der alle Probleme mit den Bewohnern des Dorfes zusammengefasst würden.

Die Nachbarschaft werde „langsam unerträglich“, sagte der Anwohner, der die Liste an den Bezirksbürgermeister überreichte. Er berichtete von Kindergeschrei und nächtlichen Ruhestörungen am Standort an der Petit-Couronne-Straße. Ein anderer Bürger pflichtete ihm bei. Er wohne am Ahlemer Holz, direkt am Wald. Die Lebensumstände in der Nachbarschaft seien kaum mehr tragbar. „Wir wollen wissen, wann das Containerdorf endlich aufgelöst wird!“, rief er – und wurde mit Applaus aus den Reihen der Zuhörer unterstützt. Das Problem besteht schon länger: Bereits im April 2018 traten zahlreiche Bürger vor den Bezirksrat und forderten von der Stadt eine Änderung der Zustände in dem Containerdorf.

Wie geht es am Standort weiter? Das ehemalige Schulzentrum Ahlem soll abgerissen werden, doch das wird wohl noch Jahre dauern.
Nele Schröder
Abriss des Schulzentrums noch nicht in Sicht

Der Standort an der Petit-Couronne-Straße stellt den Bezirksrat immer wieder vor Probleme. Nicht nur das Containerdorf ist ein Brennpunkt in Ahlem, auch das daneben liegende ehemalige Schulzentrum steht seit Jahren leer. Ursprünglich sollte es zugunsten von Wohnungsbau abgerissen werden. Die SPD-Ratsfraktion stellte daher jetzt eine Anfrage zum Planungsstand des Vorhabens. Kerstin Klebe-Politze fragte die Verwaltung, wann mit dem Abriss der Gebäude begonnen werde.

„Das ehemalige Schulzentrum wird derzeit als Reserveunterkunft für die Unterbringung vorgehalten“, antwortete Bezirksplaner Philipp Graen. Perspektivisch solle diese Reservekapazität jedoch in einem anderen Gebäude geschaffen werden – dafür müsse allerdings erst Baurecht beantragt werden. „Ein konkretes Datum steht noch nicht fest. Gegenwärtig ist davon auszugehen, dass es noch einige Jahre dauern könnte“, fügte Graen hinzu.

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Von Nele Schröder

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