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Stadt Hannover Drei Brände – Einsatzreiches Wochenende für die Feuerwehr
Aus der Region Stadt Hannover Drei Brände – Einsatzreiches Wochenende für die Feuerwehr
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00:19 19.12.2018
Die Feuerwehr musste am Wochenende drei Großeinsätze bewältigen – darunter diesen Brand in einem riesigen Wohnkomplex in Ahlem. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Die Bilanz ist verheerend: Drei große Wohnungsbrände seit Freitagmorgen mit acht Verletzten, Dutzenden zurzeit obdachlosen Menschen und einem Sachschaden von mehr als 1,2 Millionen Euro. In der Oststadt, in Ahlem und in Linden-Süd wüteten die Flammen, die Feuerwehr war bei den ersten beiden Bränden jeweils mehrere Stunden im Einsatz. Fest steht bereits: Die Feuer an der Wunstorfer Landstraße und Hengstmannstraße wurden vorsätzlich gelegt, die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Ein Verdächtiger konnte bereits festgenommen werden, die Täter aus Linden-Süd sind noch nicht identifiziert.

Wohnungsbrand in Gebäude an der Wunstorfer Landstraße in Hannover-Ahlem.

„Das Wochenende war ganz schön anstrengend“, sagte Feuerwehrsprecher Clemens Hoppe am Sonntagnachmittag. Die vorausgegangene Nacht war die erste seit zwei Tagen, in denen es ruhig geblieben ist. Neben den drei Großeinsätzen gab es noch eine Brandstiftung in einer Gartenkolonie am Mühlenberg und diverse Brandmeldeanlagen, die ausgelöst hatten. „Das Einsatzaufkommen war wirklich nicht alltäglich“, so Hoppe.

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Allein am Sonnabendmorgen waren fast 110 Rettungskräfte in Ahlem vor Ort und kämpften stundenlang gegen die Flammen im dritten Obergeschoss eines riesigen Wohnkomplexes mit rund 180 Appartments. Das Feuer war gegen 7.40 Uhr ausgebrochen und zerstörte die über zwei Etagen gehende Wohnung sowie Teile des Dachstuhls des Mehrfamilienhauses. Erst gegen 10.55 Uhr war das Feuer aus, der Schaden beträgt 750.000 Euro. Sieben Mieter wurden verletzt, fünf von ihnen schwer – die meisten hatten Rauchgas eingeatmet. Ein Feuerwehrmann erlitt zudem einen Kreislaufkollaps.

Ahlem: Mieter legte den Brand

Alle Bewohner mussten das Gebäude während des Einsatzes verlassen, die Polizei unterstützte die Feuerwehr dabei mit zahlreichen Beamten. Nach Angaben der Retter waren einige Mieter „verständlicherweise erregt und verunsichert“. Der Rettungsdienst versorgte viele der Betroffenen in der benachbarten Netto-Filiale, der Leiter des Discounters versorgte die Mieter zudem mit kostenlosen Getränken. Noch während der Löscharbeiten nahm die Polizei den 30-jährigen Bewohner der Brandwohnung fest, er soll das Feuer absichtlich gelegt haben. „Er räumte die Tat noch vor Ort ein“, sagt Behördensprecher André Puiu. Der Mann wird zurzeit von einem Psychologen untersucht.

Laut Ermittlern sind in dem Ahlemer Haus zurzeit 37 der 110 geräumten Wohnungen nicht bewohnbar. Die meisten Mieter kamen aber bei Verwandten und Freunden unter – so wie Marcel Schau. Der 36-Jährige hatte bei Brandausbruch zuerst gedacht, jemand würde ausziehen und deshalb so poltern. „Beim Nachsehen entdeckte ich dann die Feuerwehrleute mit ihren Atemschutzgeräten“, sagt er. Schau musste sofort raus, er wohnt nun vorübergehend bei seiner Freundin. Für 15 Mieter musste das Wohnungsamt Notquartiere finden. „Vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit ist es für die Betroffenen sehr belastend“, sagt Feuerwehrsprecher Hoppe.

Lauter Knall um fünf Uhr früh

Bereits am Tag zuvor, nach dem Brand an der Kronenstraße (Oststadt), waren die städtischen Mitarbeiter gefragt. Auch dort war in den frühen Freitagmorgen ein Feuer im dritten Stock des Mehrfamilienhauses ausgebrochen. Die 24 Mieter blieben unverletzt, wurden aber obdachlos.

Das Gebäude ist momentan nicht bewohnbar, der Schaden wird auf 500.000 Euro geschätzt. Nachbarn berichten, unmittelbar vor Brandausbruch gegen 5 Uhr habe es einen lauten Knall gegeben. Die Feuerwehr benötigte fast acht Stunden, um alle Glutnester zu löschen. Die Ursache für das Feuer ist bislang nicht geklärt.

Brennende Kinderwagen

Ganz anders in Linden-Süd: Dort ermittelt die Polizei wie schon in Ahlem wegen Brandstiftung. Nur etwa fünf Stunden nach dem Großeinsatz an der Wunstorfer Straße musste die die Feuerwehr einen Treppenhausbrand an der Hengstmannstraße löschen, zwei Kinderwagen und ein Dreirad standen gegen 15.45 Uhr in Flammen. Vier Menschen wurden über die Drehleiter gerettet, weil das Treppenhaus zu stark verraucht war. Nach dem Löschen brachte die Feuerwehr vier weitere Mieter unter Brandfluchthauben ins Freie. Wegen des völlig verrußten Treppenhauses ist das vierstöckige Gebäude momentan ebenfalls nicht bewohnbar. „Die Wände sind komplett schwarz“, sagt Feuerwehrsprecher Hoppe. Alle obdachlosen Mieter kamen bei Freunden und Verwandten unter.

Wer das Feuer gelegt hat, ist momentan noch offen. Die Polizei sucht nach den möglichen Tätern wegen vorsätzlicher Brandstiftung und hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon (0511) 109 55 55 beim Kriminaldauerdienst zu melden.

Von Peer Hellerling

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