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Stadt Hannover Desimo  kürt seine „Spezialisten“
Aus der Region Stadt Hannover Desimo  kürt seine „Spezialisten“
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06:56 09.02.2018
Ausgezeichnete Musiker und Comedians: Gastgeber Desimo (vorn) mit den Gewinnern Jonas Meyer (von links), Max Kennel, Stefan Danzinger und Markus Barth. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Drei Finger gehen hoch. Die Frage lautete, wer tatsächlich alle 15 Preisverleihungen gesehen hat. Für den Rest im vollen Theater am Aegi erklärt Gastgeber Desimo zu Beginn der „Spezialist“-Show kurz die Regeln: Bei seinen „Mix-Shows“ im Apollo treten Künstler auf, die anschließend vom Publikum bewertet werden. Daraus werden am Jahresende die drei beliebtesten Komödianten ermittelt, die jeweils ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro sowie eine „Bunte Tüte“ erhalten, eine Bronze-Trophäe. Wer diesen Preis am Abend alles erhalten wird, weiß das Publikum anfangs noch nicht. 

Brodowy hält Ladatio

Vor den Siegern kommt Laudator Matthias Brodowy, teilt ein wenig gegen die AfD aus, sucht Gemeinsamkeiten von Martin Schulz und Louis de Funes und kommt zu der Erkenntnis, dass es sich mit Preisen ja wie mit Hämorrhoiden verhalte – irgendwann bekomme sie jeder. Warum der „Spezialist“ eine Besonderheit sei, erklärt er auch, denn hier entscheidet ganz alleine das Publikum.

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Zum Beispiel für Stefan Danziger. Tagsüber führt er Touristen durch Berlin. Abends tourt er auf den Bühnen durch das Land. Es geht um die Berliner Mauer und die Frage, warum die DDR-Führung damals überhaupt eine Mauer gebaut hat. Schließlich gingen die Deutschen bei einer roten Ampel doch nie über die Straße. Das hätte es also auch getan, ist er sich sicher. Trocken erzählt Danziger von den Absurditäten der deutschen Teilung – und seinem persönlichen Einfluss auf die Geschichte: Als seine Familie aus der DDR floh, fiel die kurz danach in sich zusammen. Gleiches passierte der Sowjetunion. Und auch Bielefeld, wo Danziger einige Zeit lebte, existiere ja nicht. Hatte Danziger vielleicht – Superkräfte?

Markus Barth braucht keine. Der Comedian, nicht verwandt mit seinem Namensvetter Mario Barth, betritt die Bühne, und es wird deutlich: Dieser Mann fühlt sich hier richtig wohl. Sein Programm dreht sich um kleine Alltagsanekdoten und Kuriositäten. Barth berichtet von Handytelefonaten in Zügen, bei denen selbst die privatesten Dinge mittlerweile laut diskutiert würden. Er könne sich dann nicht mehr verkneifen zu fragen: „Wie war das im Mittelteil noch mal?“ Lange bleibt er nicht in Hannover, am nächsten Tag geht es nach Köln. Dort lebt Barth nunmehr schon seit fast 20 Jahren, und das anstehende Karnevalswochenende dürfe er nicht verpassen. Karneval in Hannover? „Ist mir ein bisschen zu heftig!“

Dann wird ein zweites Mikro aufgestellt: „Lumpenpack“ betritt die Bühne, ein Musikduo aus der Poetry-Slam-Szene. Im Gegensatz zu den anderen Preisträgern singen Max Kennel und Jonas Meyer fast ausschließlich. In insgesamt drei Liedern nehmen die Komiker Frauke Petry auf die Schippe und outen sich als Fans der „Crocs“-Schuhe. Ihr Programm endet mit bitteren Erkenntnissen des fortschreitenden Alters: Auf einmal gehe es darum, Guacamole aus dem Thermomix zu essen und bloß nicht den falschen Salat zu Partys mitzubringen – ein Großteil des Publikums erkennt sich wieder. Die beiden Musiker weisen charmant die kleinen Macken des Älterwerdens hin, ohne verletzend zu sein.

Das Publikum ist begeistert, es feiert sich ja auch quasi selbst. Die Zuschauer der „Mix-Shows“ hatten auf jeden Fall ein gutes Händchen – nicht nur die drei Dauergäste, die sich im Aegi melden.

Von Maximilian Hett

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