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Stadt Hannover Ahmad Mansour erhält Lessing-Preis
Aus der Region Stadt Hannover Ahmad Mansour erhält Lessing-Preis
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21:43 09.09.2019
Ausgezeichnet: Mareike Wulf (von links), Ahmad Mansour, Kay Schweigmann-Greve und Ruth Schwake von der DIG. Quelle: Simon Benne
Hannover

Streitbar, pointiert, unterwegs im Dienste der Aufklärung – so war der hannoversche Philosoph Theodor Lessing. All das gilt auch für Ahmad Mansour. Im Regionshaus hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Hannover den Psychologen am Montag mit dem Theodor-Lessing-Preis ausgezeichnet.

„Sie sind ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie es gelingt, dem eigenen Leben eine andere Richtung zu geben“, sagte die Landtagsabgeordnete Mareike Wulf in ihrer Laudatio. Tatsächlich stand Mansour, geboren 1976 als Sohn arabischer Israelis, in seiner Jugend selbst davor, Islamist zu werden. Inzwischen ist der Buchautor, der seit 2004 in Berlin lebt, Sprecher des Muslimischen Forums Deutschland, eines liberalen und humanistischen Verbandes. Er unterstützt Initiativen gegen Radikalisierung und Antisemitismus, kritisiert patriarchalisch-konservative Strukturen im Islam.

Warnung vor Tabus

„Sie wagen sich auf Gebiete, die vielen deutschen Politikern zu heiß umkämpft sind“, sagte Wulf an seine Adresse – etwa wenn Mansour es für unakzeptabel halte, dass muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen oder Jungen der Lehrerin den Handschlag verweigern. Solche Themen dürften nicht aus Angst vor den Rechten tabuisiert werden. „Sie laden uns alle ein zu einer differenzierten Debatte um Integration“, sagte Wulf.

Auch der DIG-Vorsitzende Kay Schweigmann-Greve warnte vor mehr als 200 Besuchern davor, die Augen vor muslimischem Antisemitismus zu verschließen – und plädierte zugleich dafür, den Dialog mit arabischen Jugendlichen in Deutschland zu suchen: „Niemand wird als Antisemit geboren.“

Vom Nahostkonflikt geprägt

In einer sehr persönlichen Rede berichtete Mansour davon, wie er als palästinensisches Kind vom blutigen Nahostkonflikt geprägt wurde. „Ich bin mit einem gewissen Hass groß geworden“, sagte er. Familie und Imam hätten ihm eindimensional nur die palästinensische Sicht der Dinge vermittelt. „Teile meiner Identität infrage zu stellen, war nicht einfach“, sagte er. Die Geschichte sei aber zu komplex, um sie in Schwarz und Weiß einzuteilen. „Alle freiheitsfeindlichen Gruppierungen eint die Vereinfachung der Realität“, sagte er – und mahnte Erziehung zu Demokratie und Mündigkeit an.

Islamismus gehört nicht zu dieser Gesellschaft“, sagte er. Integration von Zuwanderern dürfe sich nicht darin erschöpfen, die Sprache zu lernen und eine Arbeit zu finden. „Integration bedeutet, emotional in dieser Gesellschaft anzukommen.“ Sie sei erst möglich, wenn das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar sei.

Mit dem Theodor-Lessing-Preis ehrt die DIG seit 2004 Persönlichkeiten, die für aufklärerisches Handeln und den Kampf gegen Antisemitismus eintreten.

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Von Simon Benne

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