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Stadt Hannover Fischer wollen Leinewelle verhindern
Aus der Region Stadt Hannover Fischer wollen Leinewelle verhindern
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06:00 10.09.2018
Umstritten: So soll die stehende Welle auf der Leine in Höhe Flohmarktparkplatz aussehen. Quelle: Leinewelle
Hannover

Kippt das geplante Freizeitprojekt einer Surfwelle in der Flohmarkt-Leine? Über ihre Rechtsanwälte erheben Fischereiverein und Landesanglerverband Einspruch gegen die Anlage, die ein ehrenamtlicher Verein gegenüber vom Aresto errichten will. Die Anwälte führen auf insgesamt mehr als 40 Seiten aus, warum das Vorhaben aus naturschutz- und eigentumsrechtlichen Gründen „nicht zulassungsfähig“ ist.

Nach Vorbild des Münchener Eisbachs wollen Surffans um den Unternehmer Heiko Heybey an der Leinebrücke Schlossstraße ein variables Hindernis in den Fluss bauen, mit dem das Wasser so aufgestaut werden kann, dass dahinter eine sogenannte stehende Welle wächst. In diesem Strom können Surfer ihre Kunststücke vorführen. Die Anlage soll nur bei Anwesenheit von Aufsichtspersonen in Betrieb genommen werden dürfen. Damit Fische weiterhin an dem Bauwerk vorbeiziehen können, plant der Verein einen sogenannten Fischpass, eine Art Tunnel, auf der Altstadtseite des Flusses. Umfangreiche Gutachten haben nach Angaben des Vereinsvorstands ergeben, dass es kaum negative Auswirkungen auf die Flusslebewesen gibt.

Das sehen die Angellobbyisten anders. Fischereiverein und Anglerverband sind anerkannte Naturschutzverbände und kümmern sich unter anderem um die Wiederansiedlung bedrohter Arten, gesetzlich sind sie zur Pflege der Gewässer verpflichtet. Sie werfen in zwei Stellungnahmen den Gutachtern „zahlreiche methodische und inhaltliche Mängel in der Bewertung des naturschutzfachlichen und gewässerökologischen Zustands der Leine“ vor.

Im Bereich des geplanten Bauwerks gebe es etliche bedrohte oder geschützte Fischarten wie die Koppe oder Flussneunauge, zudem überproportional viele Äschen und Barben, Aal, Döbel, Flussbarsch, Hasel oder Ukelei. Für das streng geschützte Flussneunauge sei der Gewässerabschnitt ein Laichhabitat, bekannt sei auch, dass Meerforelle, Quappe und Steinbeißer in dem Flussbereich leben oder durchziehen. Mit dem Einbau massiver Fundamente in den Flussgrund und dem Aufbau der Anlagentechnik würden Laichgebiete zerstört und die Flusstruktur auch in folgenden Gewässerabschnitten stark verändert. Die Einschätzung der Leinewellen-Gutachter, die keine Naturschutzprobleme sehen, müsse „in wesentlichen Punkten als objektiv falsch angesehen werden“. Beantragt seien zudem Betriebszeiten, die teils nach Sonnenuntergang lägen, was dem Fledermausschutz in diesem Bereich widerspreche.

Zudem sei in den Antragsunterlagen des Trägervereins völlig ungeklärt, wie mit den Eigentumsrechten in dem Flussabschnitt umgegangen werden soll. Der Fischereiverein hat dort seit Jahrzehnten Angelrechte, die nicht mehr ausgeübt werden könnten, auch verschlechtere sich das Angelgebiet im weiteren Verlauf der Leine.

Der Fischereiverein, der aktuell etwa 4400 Mitglieder in Hannover zählt, hatte einen Kompromiss angeboten: Wenn im Zuge der Genehmigung der Leinewelle aus Ausgleich für die ökologische Verschlechterung des Gewässerzustands endlich ein Fischpass an das etwa 300 Meter flussaufwärts gelegene Wehr am Landtag eingebaut werde, sodass wandernde Fische das alte Wehr passieren können, dann könne man den Widerstand gegen die Leinewelle aufgeben. Davon sei aber in den Antragsunterlagen keine Rede, sagt Vereinschef Heinz Pyka: „Für solch ein Projekt gäbe es Fördergeld aus Europa, ich verstehe nicht, warum sich darum niemand kümmert.“

Nicht nur die beiden Verbände haben kritische Stellungnahmen eingelegt, sondern nach Informationen der HAZ mindestens auch das staatliche Institut Laves und die Fischereigenossenschaft Leine. Die Region bestätigt den Eingang der Widersprüche. Sie seien dem Antragsteller zugeleitet worden. „Es sieht so aus, als könnte das Verfahren in diesem Jahr abgeschlossen werden“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.

Von Conrad von Meding

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