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Stadt Hannover Tatkräftiger Einsatz: Generalstaatsanwalt überwältigt Handydieb
Aus der Region Stadt Hannover Tatkräftiger Einsatz: Generalstaatsanwalt überwältigt Handydieb
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17:11 13.02.2020
Stellte den Täter in Steintornähe: Generalstaatsanwalt Frank Lüttig. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Gewöhnlich schwebt ein Generalstaatsanwalt in den höheren Sphären der Gerichtsbarkeit, tritt als Vorgesetzter von Staatsanwälten in Erscheinung und kümmert sich um Staatsschutzsachen. Im vergangenen Oktober aber, es war ein Donnerstagabend gegen 18.40 Uhr, tauchte der Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig in die Niederungen der Straßenkriminalität hinab und nahm das Recht in die eigenen Hände. Gemeinsam mit einem anderen Passanten überwältigte der 59-Jährige in Steintornähe einen Dieb, der einem Studenten sein Mobiltelefon geraubt und das Opfer während einer Verfolgungsjagd mehrfach mit Pfefferspray attackiert hatte. Am Donnerstag sagte der hochrangige Jurist nun am Amtsgericht als Zeuge aus.

Versuchte vergeblich, mit dem geraubten Handy zu fliehen: Amavie F. Quelle: Michael Zgoll

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Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe

Vor einem Jugendschöffengericht musste sich dort Amavie F. (21) verantworten. Der Angeklagte aus der Elfenbeinküste hatte als Jugendlicher bei bürgerkriegsähnlichen Wirren seine Eltern verloren und sich anschließend in verschiedenen afrikanischen und europäischen Ländern durchgeschlagen, bevor er 2016 nach Deutschland kam. Hier schaffte es der großgewachsene Mann, binnen drei Jahren drei Straftaten zu begehen: Körperverletzungen sowie Raub- und Diebstahlsdelikte, für die er bereits ein Jahr Jugendstrafe verbüßen musste. Am Donnerstag verurteilte ihn die Kammer unter Vorsitz von Maria Kleimann wegen schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung zu einer weiteren Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren. Dabei billigte das Schöffengericht dem drogenabhängigen Mann zur Tatzeit verminderte Schuldfähigkeit zu, da er unter dem Einfluss von Alkohol, Cannabis und Medikamenten stand.

Täter zertritt Verfolger die Brille

Die dramatische Situation, an der Lüttig beteiligt war, hatte an dem betreffenden Abend an der Ecke von Schmiedestraße und Am Marstall begonnen. Eine 22-jährige Studentin und ein 26 Jahre alter Student gingen nebeneinander her, der junge Mann benutzte sein Mobiltelefon. Plötzlich stürmte F. heran, sprühte dem Paar eine Dosis Reizgas ins Gesicht, griff sich das Handy und rannte weg. Doch weil der Besitzer des Telefons Brillenträger ist, verfehlte das Spray bei ihm seine Wirkung. Der Student nahm die Verfolgung des Räubers auf – die U-Bahn-Station Steintor hinunter und wieder hinauf –, dabei drehte sich F. mehrmals um und sprühte dem 26-Jährigen erneut Reizgas ins Gesicht. Doch erst, als der Räuber seinem Opfer die Brille von der Nase riss und diese zertrat, wurde der Verfolger außer Gefecht gesetzt.

Auf dem Weg zu einem parlamentarischen Abend

Dessen Rufe „Haltet den Dieb“ verhallten aber nicht ungehört. An der Ecke von Georgstraße und Nordmannpassage stürzten sich ein 34-jähriger Passant und das Opfer gemeinsam auf den Räuber – und der Generalstaatsanwalt stand ihnen zur Seite. „Ich war auf dem Weg von der Nordstadt zu einem parlamentarischen Abend im Landtag“, berichtete Lüttig vor Gericht. Amavie F. wehrte sich, doch die drei Männer konnten ihn bis zum Eintreffen der Polizei auf dem Boden fixieren. „Verletzt wurde ich nicht“, sagte der Jurist im Zeugenstand aus. Er habe dem Täter lediglich das Pfefferspray entwunden – und sich später mit der kontaminierten Hand ins Gesicht gefasst. „Das hat ein wenig gebrannt.“

Etwas Besonderes sei seine Intervention nicht gewesen, meinte Lüttig nach Verhandlungsende. Er hoffe nur, dass andere Menschen ebenso in das Geschehen eingreifen und helfen würden, sollte er selbst einmal Opfer einer solchen Straftat werden.

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Von Michael Zgoll

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