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Stadt Hannover Kein Kompromiss im Fensterstreit
Aus der Region Stadt Hannover Kein Kompromiss im Fensterstreit
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00:17 14.01.2019
Altkanzler Gerhard Schröder hat der Marktkirche ein Kirchenfenster von Markus Lüpertz spendiert. Quelle: Riemann/Montage
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Hannover

Der Versuch, im Streit um das neue Buntglasfenster für die Marktkirche zu einer gütlichen Einigung zu kommen, ist gescheitert. Wie Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann der HAZ bestätigte, ist ein Mediationsverfahren zwischen der Gemeinde und Georg Bissen, dem Stiefsohn und Urheberrechtserben des Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen, ergebnislos geblieben. Die frühere Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz hatte sich bereiterklärt, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Eine Einigung mit dem in Japan lebenden Rechtsanwalt Bissen, der den Fensterentwurf des Künstlers Markus Lüpertz weiterhin ablehnt, sei jedoch nicht zustande gekommen.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder möchte der Gemeinde ein Fenster schenken, das die Reformation thematisiert. Der Entwurf hat für kontroverse Debatten gesorgt; er zeigt neben einer großen, weißgekleideten Luther-Figur fünf gewaltige Fliegen.

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Wie die Gemeinde nach dem Scheitern der Mediation nun weiter vorgehen wird, ist unklar; die Sitzung des Kirchenvorstands am Donnerstag brachte kein eindeutiges Ergebnis. Das weitere Vorgehen sei „intensiv diskutiert worden“, sagt Pastorin Kreisel-Liebermann. „Wir brauchen aber noch weitere Beratungen und müssen Kosten und Risiken abwägen.“

Ob Georg Bissen den Einbau des Fensters verhindern darf, ist juristisch unklar. Die Gemeinde könnte dies in einer Feststellungsklage entscheiden lassen – oder sie könnte mit dem Einbau des Fensters vollendete Tatsachen schaffen und abwarten, ob Bissen seinerseits klagt. Grundsätzlich will Kreisel-Liebermann jedoch an den Plänen für das Fenster festhalten: „Es wäre eine Bereicherung für die Kirche und die ganze Stadt.“

Unterdessen wurde bekannt, dass das Fenster wohl teurer wird als von der Gemeinde ursprünglich kommuniziert. Anfangs war von rund 100 000 Euro die Rede gewesen. Nun hat die Glaskunstmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein ein Angebot über 150 000 Euro vorgelegt; dazu kämen gegebenenfalls noch Gerichtskosten. Altkanzler Schröder habe jedoch eine Übernahme der Kosten von bis zu 150 000 Euro zugesichert, sagt Kreisel-Liebermann.

Von Simon Benne