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Stadt Hannover Ehrung für Fritz Beindorff soll bleiben
Aus der Region Stadt Hannover Ehrung für Fritz Beindorff soll bleiben
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14:23 12.11.2018
Ehrung für den Fabrikanten: Fritz-Beindorff-Allee soll ihren Namen behalten. Quelle: Wilde
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Hannover

Die Fritz-Beindorff-Allee in der List soll nicht umbenannt werden. Der Bezirksrat Vahrenwald-List hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, keinen entsprechenden Antrag einzureichen. Zuvor hatte Thomas Bechinie von der SPD eine Erklärung verlesen, deren Inhalt die übrigen Fraktionen zwar zustimmten, das Vorgehen aber scharf kritisierten. „So ein wichtiger Punkt gehört auf die Tagesordnung, wir sind hier überrascht worden“, sagten Klaus Geschwinder (Grüne) und Lars Pohl (CDU).

Bechinie bezog sich bei der Erklärung auf die Empfehlung des Beirats „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten in Hannover“, die Straße in der List wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ des Namensgebers umzubenennen. Eine Studie zum Fabrikanten und Firmengründer der Pelikan AG sollte das Leben und Wirken Beindorffs untersuchen und konkrete Fakten liefern, inwieweit der Unternehmer und die Pelikan AG sich in die nationalsozialistische Herrschaft eingefügt hatten. „Die Autorin der Studie hat zwar einige relevante Aussagen zur persönlichen Haltung von Fritz Beindorff zu Hitler und der NSDAP herausarbeiten können“, so Bechinie. Allerdings gebe es keine Dokumente mehr, die eine aktive Unterstützung im Nationalsozialismus zweifelsfrei belegen könnten. Auch könne oder wolle die Familie Beindorff keine Unterlagen zu der Studie beisteuern.

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Auch die CDU-Fraktion will die Ehrung des Fabrikanten in Form eines Straßennamens nicht zurücknehmen. „Beindorff war kein Mitglied der NSDAP, zudem Gründer der Kestnergesellschaft in Hannover“, sagte Pohl. Monica Plate (Grüne) sieht Beindorff als ambivalente Persönlichkeit, der Arbeitslager geduldet habe, aber auch engen freundschaftlichen Kontakt zu jüdischen Familien gepflegt habe. „Es sind noch viele Fragen offen.“

Das Gremium möchte den Straßennamen Fritz-Beindorff-Allee dennoch belassen, setzt sich aber für eine Gedenktafel für die Zwangsarbeiter der ehemaligen Günther-Wagner-Verpackungswerke (heute Pelikan) ein. Diese soll in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen „Arbeitserziehungslager“, das das Unternehmen 1944 auf dem Gelände des Stammwerks an der Podbielskistraße eingerichtet hatte, aufgestellt werden.

Von Susanna Bauch

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