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Stadt Hannover Nach Anwohnerprotest: Zwei von vier Bäumen sollen am Moltkeplatz erhalten werden
Aus der Region Stadt Hannover Nach Anwohnerprotest: Zwei von vier Bäumen sollen am Moltkeplatz erhalten werden
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14:52 08.09.2019
Zwei (die beiden von rechts) von vier gesunden Linden müssen am Moltkeplatz gefällt werden. Grund dafür sind die Wurzeln der Bäume an der Ferdinand-Wallbrecht-Straße, die sich direkt unter und zwischen den Fugen der Pflastersteine befinden. Quelle: Laura Ebeling
List

Eine Liste mit insgesamt rund 1400 Unterschriften zum Erhalt der vier gesunden Linden am Moltkeplatz überreichten zwei Mädchen Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann (SPD). „Wir haben eine Petition gestartet, weil die Anwohner ein besonderes Interesse haben, diese Bäume zu erhalten“, betont eine Anliegerin. Sie würden erheblich zur Luft- und Lebensqualität beitragen, führt sie fort. Rund 40 Befürworter der Bäume waren in die jüngste Sitzung des Bezirksrates Vahrenwald-List gekommen, um die neueste Entwicklung zu verfolgen. Die SPD-Fraktion und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatten einen gemeinsamen Antrag eingereicht, indem sie zunächst den kompletten Erhalt der vier Bäume forderten. Zusätzlich hatte die AfD-Fraktion einen Änderungsantrag eingereicht, mit dem sie noch zusätzlich den Erhalt von Parkplätzen erreichen wollte. Die Anlieger des Moltkeplatzes hatten Ende Juli ein Schreiben bekommen, indem die Stadt unter anderem die Fällung von vier gesunden Linden zwischen den Parkbuchten an der Ferdinand-Wallbrecht-Straße im September mitteilte. Diese müssten für die barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestelle gefällt werden.

Bauarbeiten beschädigen Wurzeln

„Wir haben eng mit der Verwaltung zusammengearbeitet, denn was häufig fehlt ist die Transparenz in diesen langen Prozessen“, meint Walkling-Stehmann (SPD). Daher sei auch Andreas Bode, Chef des Tiefbauamtes, in den Bezirksrat gekommen, um den Sachstand vorzustellen. Mithilfe einer Präsentation und vielen Bildern versuchte er, den Bürgern und Bezirksratsmitgliedern die Entscheidungen der Stadt zu erklären. Die 2017 beschlossene Bürgerbeteiligung enthielt die Planung, die Bushaltestelle barrierefrei auszubauen. „Damals hat aber keiner geschaut, wohin die vier Bäume eigentlich wurzeln“, berichtet Bode. Das Problem: Die Wurzeln der 36 Jahre alten Linden befinden sich direkt unter und teilweise auch zwischen den Fugen der Pflastersteine. „Sowie sie im Bereich der Parkbuchten etwas verändern, beschädigen sie das Wurzelwerk so nachhaltig, dass der Baum gefällt werden muss“, erklärt der Chef des Tiefbauamtes.

Zwei von vier gesunden Linden müssen am Moltkeplatz gefällt werden. Grund dafür sind die Wurzeln der Bäume an der Ferdinand-Wallbrecht-Straße, die sich direkt unter und zwischen den Fugen der Pflastersteine befinden. Quelle: Laura Ebeling

Andere Umstände beachten

Die Bushaltestelle Moltkeplatz für die Linien 121 und 134 soll nach jetziger Planung, anders als ursprünglich gedacht, direkt vor die Kreuzung Ferdinand-Wallbrecht-Straße/Voßstraße verlegt werden. Wiederholt gehen an der alten Stelle Ferdinand-Wallbrecht-Straße/Moltkeplatz aussteigende Schüler vor dem Bus über die Straße und Autos überholen trotz durchgezogener Linie den Bus. „Es wurde für Autofahrer eine Sperrfläche eingerichtet, allerdings wird diese missachtet und es kommt immer wieder zu Gefahrensituationen“, erläutert Bode. Zudem soll die Haltestelle barrierefrei ausgebaut werden, was einen starken Eingriff ins Wurzelwerk und somit die Fällung der Bäume erfordere. Die einzige Alternative um alle vier Bäume zu erhalten, wäre laut Bode, dass die Bushaltestelle nicht barrierefrei und das Gefahrenpotenzial missachtet werde. „Allerdings gibt es eine Vorgabe, dass Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden müssen“, sagt er.

Zwei Bäume sollen nachgepflanzt werden

Sein Vorschlag wäre deswegen, die Bushaltestelle an die Kreuzung Ferdinand-Wallbrecht-Straße/Voßstraße zu versetzten und barrierefrei auszubauen. Dafür müssten dort die ersten zwei Linden gefällt werden. „Es sollen dann neue Bäume, die bereits zwölf Jahre alt sind, in neuen Baumscheiben dort gepflanzt werden“, versichert Bode. Das alte Bushaltestellenhäuschen könne man vorsichtig abbauen, sodass die Wurzeln nicht gefährdend zu Schaden kämen und Fahrradbügel dort errichten, ergänzte er. „Die Bushaltestelle wird so barrierefrei und die Verkehrssicherheit erhöht.“ Eine Möglichkeit alle vier Linden zu erhalten, die Bushaltestelle an einen anderen Punkt zu versetzen oder eine Mittelinsel auf der Ferdinand-Wallbrecht-Straße in Höhe der jetzigen Bushaltestellen zu errichten, gebe es laut Bode nicht. Nach zahlreichen Fragen von Bezirksratspolitikern und Anwohnern unterbrach die Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann (SPD) die Sitzung des Gremiums für fünf Minuten, um allen Parteien eine Beratungspause einzuräumen.

„Glas halb voll“

„Wir wollen die Bäume erhalten, aber wir müssen schauen, was geht und was nicht“, findet Fraktionsvorsitzender Thomas Bechinie (SPD). „Wenn Baum drei und vier erhalten bleiben, ist an dieser Stelle das Glas halb voll.“ Daher änderte die SPD und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – sogar in Absprache mit der CDU – ihren Antrag ein wenig ab. „Es müssen bei der Entscheidung drei Faktoren berücksichtigt werden. Das ist die Barrierefreiheit, die Verkehrssicherheit und der Erhalt der Bäume“, erklärte Fraktionsvorsitzender Klaus Geschwinder (Bündnis 90/Die Grünen). Daher forderten sie jetzt nur noch in ihrem Antrag möglichst viele der vorhandenen Bäume, allerdings mindestens zwei, beizubehalten und die anderen beiden durch neue Bäume zu ersetzten. Außerdem sollen Fahrradbügel im Bereich des alten Bushaltestellenhäuschens angebracht werden. „Wir sind eigentlich immer für den Erhalt von Parkplätzen stimmen dem Antrag aber zu“, sagt Sebastian Marski (CDU) und lobte den Einsatz der Bürger. „Ihr Engagement hat dazu geführt, dass die Verwaltung einen guten Alternativvorschlag gebracht hat.“ Mit 16 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen wurde der Antrag angenommen. Die ersten zwei Linden sollen bis zum 29. Februar 2020 gefällt werden, im Herbst 2020 sollen dann die neuen Bäume gepflanzt werden, versichert Bode.

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Von Laura Ebeling

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