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Stadt Hannover Das erste Weihnachten der jungen Pastorin
Aus der Region Stadt Hannover Das erste Weihnachten der jungen Pastorin
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00:16 25.12.2018
„Wenn etwas nicht klappt, wird später eine lustige Anekdote draus“: Meret Köhne in ihrer Kirche in Garbsen-Horst. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

In der Sakristei blickt Luther aus seinem Bilderrahmen. Unter seinen strengen Augen wirft sich Meret Köhne vor dem Gottesdienst den Talar über, dann rückt sie das Beffchen zurecht. Es sieht schon ziemlich routiniert aus. An den Manuskripten ihrer Predigten feilt die junge Pastorin meist noch lange. „Doch inzwischen überrasche ich mich manchmal selbst, wenn ich mich dann im Gottesdienst davon löse und frei spreche“, sagt die Theologin, die aus Oberricklingen stammt.

Vor wenigen Monaten wurde sie ordiniert; seit Februar arbeitet die 30-Jährige mit einer halben Stelle in Garbsen-Horst. Ihre erste Pfarrstelle. Eine eher ländliche Gemeinde, rund 3200 Seelen, viele Neubaugebiete. „Wir werden jünger; im vergangenen Jahr habe ich getauft wie ein Weltmeister“, sagt sie lachend. Auch gepredigt hat sie schon oft. „Ich denke dann viel darüber nach, was ich sagen will“, sagt sie, „so eine Predigt arbeitet in mir.“ Das ist eins der Probleme an Weihnachten. Da arbeiten nämlich mehrere Predigten gleichzeitig in einer jungen Pastorin, die an einem Heiligabend zum ersten Mal auf der anderen Seite der Krippe steht.

Manager des Mysteriums

Die „Manager des Mysteriums“ hat man Pastoren genannt, und Weihnachten ist für sie stramm durchgetaktet. „Heiligabend haben wir von 14 Uhr an eigentlich stündlich Gottesdienste“, sagt Meret Köhne. An den Fingern zählt sie auf: das Krippenspiel der Konfirmanden, das Krippenspiel der Viertklässler, das alternative Krippenspiel der Jugendlichen. Um 18.30 Uhr dann die Christvesper, in der sie zum ersten Mal über den vielleicht meistzitierten Text der Weltliteratur predigen wird – das Lukas-Evangelium mit dem Gebot vom Kaiser Augustus, dem Statthalter Quirinius und den Hirten auf dem Felde.

„Es ist schon totaler Stress, und ein bisschen Lampenfieber ist auch dabei“, sagt sie, aber sie sagt es mit einem Lachen. Die Pastorin ist eine fröhliche, handfeste Frau, die nicht wirkt, als würde sie sich schnell aus dem Konzept bringen lassen. Und doch kann sie vom vorweihnachtlichen Druck erzählen, den sie spürt; vom Versuch, alles kontrollieren und den Überblick behalten zu müssen.

„Die Organistin muss die Lieder wissen, und die Proben für die Krippenspiele wollen koordiniert werden“, sagt sie. Die Küsterin ist krank; deshalb musste die Pastorin sich noch rasch erklären lassen, wie man den Adventskranz in der Kirche runterkurbelt, um die Kerzen anzuzünden. „Lauter Kleinigkeiten, die mir im Halbschlaf dann einfallen –und die alle schiefgehen können.“ Da braucht man schon eine Portion Gottvertrauen: „Irgendwann muss man alles loslassen“, sagt sie. „So wie es wird, wird es eben – und wenn etwas nicht klappt, wird später eine lustige Anekdote draus.“

Weihnachten ist der Ernstfall der Verkündigung. Volksnah, aber überraschend soll eine Predigt da sein. Kurzweilig, aber tiefsinnig. Doch wie berührt man Menschen? Wie vermittelt man denen, die nur einmal im Jahr kommen, etwas von der christlichen Botschaft? Etwas, das über nostalgische Heimeligkeit hinausgeht? Meret Köhne überlegt kurz. „Die Predigt ist nicht alles“, sagt sie dann. Es komme auch auf die Liedauswahl an: „Da darf ein Klassiker wie ,O du fröhliche’ nicht fehlen.“ Und viele Kerzen sollen für die rechte Stimmung sorgen.

„Die Erwartungen sind groß“

Ein älterer Kollege hat ihr einmal einen Rat gegeben: „Wenn du etwas Neues ausprobieren willst, dann nicht zu Weihnachten. Heiligabend keine Experimente!“ Daran will sie sich halten. „Die Erwartungen der Gemeinde sind Weihnachten groß“, sagt Meret Köhne, „und oft liegt die Erwartung darin, dass alles so sein soll wie in den anderen Jahren auch.“

Es ist paradox. Weihnachten ist eigentlich ein Fest, das den Neubeginn feiert: der Aufbruch nach Bethlehem, Gottes neuer Anfang mit den Menschen, die Geburt des Krippenkindes. Niemand hat ja so viel Zukunft wie ein Neugeborenes. Doch zugleich soll Weihnachten alles sein wie immer. Vermutlich ist bei den meisten Familien kein Tag so sehr von Traditionen und Ritualen durchzogen wie dieser: Baumschmücken, Bescherung, Kirchgang. Der Gottesdienst ist Teil eines Bündels von Gewohnheiten. „Und wenn es den Leuten nicht gefällt, suchen sie sich schnell andere Traditionen“, sagt Meret Köhne.

Für ihre Predigt hat sie sich ein Ziel gesetzt: „Ich will nicht langweilen.“ Zur Christvesper wird sie Karten in den Bänken auslegen, mit einem Foto von einem Neugeborenen in einem OP. Kein anheimelndes Weihnachtsmotiv. „Es geht um die Geburt als unfassbares Ereignis“, sagt die Pastorin. Sie will auch jene erreichen, die nicht darin trainiert sind, lange Predigten zu hören. Da ist es gut, etwas Visuelles wie diese Karte in der Hand zu haben.

Dass ein Weihnachtsgottesdienst das Leben der Besucher umkrempeln muss, glaubt sie nicht. „Der Anspruch wäre mir zu hoch“, sagt sie. „Aber wenn die Menschen etwas mitnehmen, das sie beim anschließenden Festessen noch in ihren Gedanken bewegen – dann bin ich zufrieden.“

Zu hohe Ansprüche an die eigene Perfektion befrachten das Fest der Feste oft mit einem Druck, der am Ende alles verdirbt. Nicht nur bei Pastoren. „Man kann nun mal nicht alles bis ins Detail vorbereiten“, sagt Meret Köhne. Das war im alten Bethlehem nicht anders als im Garbsen von heute.

Von Simon Benne

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