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Stadt Hannover Streit um Obdachlosen: „Nehmen Sie ihn mit nach Hause“
Aus der Region Stadt Hannover Streit um Obdachlosen: „Nehmen Sie ihn mit nach Hause“
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00:16 23.02.2019
Obdachloser aus der Oststadt. Quelle: Sylvia Petersen
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Hannover

Der Konflikt um einen obdachlosen Mann in der Oststadt hat sich am Dienstag fortgesetzt. Einige Nachbarn unterstützten den 59-Jährigen lange Zeit mit Lebensmitteln und Kleidung, ehe Mitarbeiter der Stadt ihm untersagten, weiter am Königinnendenkmal zu campieren. Anwohner begrüßten jetzt, dass Ordnungsamt und Polizei eingegriffen haben.

Zu ihnen gehört Alexander Ritter, der gleichzeitig diejenigen scharf kritisierte, die Hilfe leisten. „Die unmittelbaren Anwohner sind wütend über die Personen, die quasi eine Patenschaft für den Obdachlosen übernommen haben. Die negativen Folgen dieser Wegelagerei müssen nicht die selbst ernannten Samariter übernehmen, sondern nur die direkten Anwohner.“

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„Übernehmen Sie die Kosten“ für Obdachlosen

Ritter berichtet, der Obdachlose sei Alkoholiker, verdreckt, brülle meist in den Morgenstunden herum und wecke die Anwohner. In der nahen Yorckstraße erleichtere sich der Mann in den Rinnstein, Kinder würden einen Bogen um ihn machen. Ritter fürchtet, Obdachlose könnten Gefallen daran finden, mit nachbarlicher Unterstützung in Eilenriede und Wohnvierteln zu lagern. „Ich habe einen Vorschlag für alle, die diesen Obdachlosen pflegen“, sagte Ritter: „Nehmen Sie ihn mit nach Hause, und übernehmen Sie die Kosten, die aus seinem Verhalten entstehen.“

Der Obdachlose, der nur Englisch spricht und nach eigener Auskunft aus Israel kommt, lagert inzwischen wieder am Denkmal. Es ist unklar, wie die Stadt darauf reagiert. Campieren im öffentlichen Raum ist verboten, andererseits lehnt der Mann Hilfsangebote ab, in Notunterkünften will er nicht leben. Stadtsprecher Udo Möller sagte am Dienstag, man werde ihn erneut auffordern, den Platz zu verlassen, wenn er dort lagere und Flächen grob verunreinige: „Wir sind bestrebt, die Balance zwischen Hilfe für den Betroffenen und Durchsetzung der öffentlichen Ordnung zu gewährleisten.“

„Leute disqualifizieren sich selbst“

Einer der helfenden Anwohner ist Ferdinand Becker-Rose. Er wies die Kritik aus der Nachbarschaft ebenso scharf zurück, wie sie gemeint war. „Diese Leute disqualifizieren sich menschlich und moralisch selbst. Piekfeine Leute aus der Yorckstraße stellen ihr Privileg über die Würde eines Menschen.“ Man werde sich weiterhin um den Mann am Denkmal kümmern, aber darauf achten, dass keine „Müllinseln“ (Möller) entstünden. Becker-Rose sagte, Wasser sei wichtig, sonst drohe Gefahr, dass Obdachlose dehydrierten. „Und irgendwo muss der Mann sich ja aufhalten.“

So begann der Streit um den obdachlosen Mann in der Oststadt:

Von Gunnar Menkens