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Stadt Hannover Professor erforscht Geschichte der Schloss-Oper
Aus der Region Stadt Hannover Professor erforscht Geschichte der Schloss-Oper
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00:15 08.05.2019
„Hier war das Opernhaus“: Lajos Rovatkay vor dem Plenarsaal des heutigen Landtages. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Sein Blick schweift an der Fassade des Landtags entlang - und vor seinem geistigen Auge ersteht eine Welt, die es längst nicht mehr gibt. „Genau hier war das Opernhaus, es reichte fast bis an die Leine heran“, sagt Lajos Rovatkay und zeigt auf den heutigen Plenarsaal des Gebäudes. In der Hand hält er alte Fotos und Baupläne: „Das ist ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte“, sagt er.

Der umtriebige Musikprofessor, geboren 1933 in Budapest, hat sich intensiv mit der Geschichte des barocken Opernhauses beschäftigt, das Herzog Ernst August vor mehr als 300 Jahren ans Leineschloss anbauen ließ. „Er hatte es damals sehr eilig“, sagt Rovatkay. Das damals berühmteste Bauwerk der Welfenresidenz diente nämlich auch der Prachtdemonstration des ehrgeizigen Ernst August, der unbedingt zum Kurfürsten avancieren wollte.

Kunstwerk für die Welfen

Am 30. Januar 1689 wurde die Oper eröffnet – mit der Aufführung des Stückes Henrico Leone, komponiert von Agostino Steffani. Der illustre Musiker, Diplomat und spätere Bischof war vermutlich auf Vermittlung von Leibniz persönlich Hofkapellmeister in Hannover geworden. Sein Henrico Leone feierte die sagenhaften Taten von Heinrich dem Löwen. „Das Gebäude, der Opernstoff, die Musik – das alles war ein einziges Gesamtkunstwerk zur Verklärung der Welfen“, sagt Rovatkay.

Der Musikprofessor will ein Stück Kultur aus jener Zeit neu zum Leben erwecken: Bereits 1989 hat er in Hannover den Henrico Leone wieder auf die Bühne gebracht; im Juni will der Steffani-Experte die Oper im Galeriegebäude Herrenhausen nun erneut präsentieren.

Henrico Leone erklingt bei Festwoche

Agostino Steffanis Oper Henrico Leone steht im Mittelpunkt der 4. Festwoche, die das Forum Agostino Steffani vom 13. bis 15. Juni veranstaltet. Die Festoper wird von der Hannoverschen Hofkapelle unter der Leitung von Lajos Rovatkay im Galeriegebäude Herrenhausen am 13. sowie am 15. Juni jeweils um 19.30 Uhr aufgeführt. Am 14. Juni gibt es um 10 Uhr und um 11.30 Uhr eine Fassung für Schulklassen. Karten gibt es beim HAZ-Ticketshop und unter (05 11) 12 12 33 33.

Das Schlossopernhaus, in dem Henrico Leone 1689 uraufgeführt wurde, faszinierte die Zeitgenossen: „Das Theater ist von sehr edler Bauart“, schwärmte Gräfin Maria Aurora von Königsmarck in einem Brief an die schwedische Königin. Begeistert schilderte sie die goldglänzenden Skulpturen, die Wandbekleidungen aus „feuerrotem Sammet“ und „gestreiftem Goldstoff“. Das Haus verfügte nicht nur über aufwendige Kulissentechnik, sondern auch über vier Galerien und insgesamt etwa 1300 Sitzplätze.

Oper für Adel und Volk

„Die Angehörigen des Hofes konnten direkt vom Schloss aus in ihre Logen gehen“, sagt Rovatkay, „für das Volk lag der Eingang an der Leinstraße.“ Einerseits waren die Opern dort Höhepunkte glanzvoller höfischer Feste – doch andererseits war das Opernhaus nach venezianischem Vorbild errichtet. Ernst August reiste oft zum Karneval nach Venedig, und dort waren Opern populäre Karnevalsspektakel, die nicht nur exklusiven Fürstenkreisen vorbehalten waren: „Die Gondolieri pfiffen die Ohrwürmer aus den Opern nach“, sagt Rovatkay.

Die Eröffnung von Hannovers Schlossoper sei daher „eine Sternstunde der Kulturgeschichte“ gewesen, sagt der Musikprofessor: Wie in Steffanis Musik vermischten sich auch in dem Opernhaus selbst französischer Adelspomp und venezianische Bürgerkunst. „So etwas war nur auf neutralem Boden möglich, wie eben in Hannover“, sagt Rovatkay.

Steffani komponierte bis 1695 acht Opern für das Schlossopernhaus. Dieses wurde jedoch nur wenige Jahre bespielt. Der Welfenhof zog 1714 nach London, die Oper versank im Dornröschenschlaf. Als Baumeister Laves sich anschickte, das heutige Opernhaus zu bauen, ließ er die Oper am Schloss 1854 kurzerhand abreißen.

Von Simon Benne

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