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Stadt Hannover Homosexuelle Ampelmännchen kommen gut an
Aus der Region Stadt Hannover Homosexuelle Ampelmännchen kommen gut an
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15:26 08.10.2019
In Wien und München leuchteten während des Christopher Street Days schon schwule Ampelmännchen. In Hannover soll das nächstes Frühjahr soweit sein. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Die Idee von SPD, Grünen und FDP, beim nächsten Christopher Street Day (CSD) im Mai 2020 temporär dieFußgängerampeln mit gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen und -frauen zu versehen, stößt in der Schwulen- und Lesbenszene auf Beifall, aber auch auf Skepsis. „Ich finde das gut“, sagt Eventmanager und Gastronom Lutz Rädecker. „Damit setzt man ein Zeichen.“ Ob Ampelmännchen auf Zeit, CSD am Pfingstwochenende, ein queeres Oktoberfest oder ein Gaypeoplezelt beim Schützenfest – es sei wichtig, immer wieder Sichtbarkeit herzustellen, sagt er. Denn es gebe immer noch Diskriminierung im Alltag.

Beim CSD 2019 hatteSPD-Oberbürgermeisterkandidat Marc Hansmann erstmals gesagt, dass er sich homosexuelle Ampelmännchen durchaus vorstellen könne. Maxi Clar, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, sagt, dass ihre Partei den Antrag bereits im Juni dem Ampelbündnis vorgestellt habe. Es gehe darum, dass Thema auch im normalen Alltagsleben sichtbar zu machen: „Hannover ist bunt, und das leben wir auch, queere Menschen sind hier willkommen.“ Wenn in der Vorweihnachtszeit Rentiere auf den Ampeln erscheinen könnten, müsse es auch gleichgeschlechtliche Ampelmännchen geben. Von der Stadtverwaltung gibt es zu dem Thema noch keine Stellungnahme. Der Antrag befinde sich erstmal in der politischen Beratung, heißt es.

Nur eine nette Idee?

Florian Kusche vom Verein Gaymeinsam für Hannover meint: „Gleichgeschlechtliche Ampelmännchen sind ein Symbol. Ein Symbol für Vielfalt, Offenheit und Akzeptanz. Das sind Werte, die sich unsere Stadt schon lange auf die Fahnen geschrieben hat und für die jeder Bürger einstehen sollte.“ Von daher befürworte er die gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen ausdrücklich.

„Ich persönlich finde die Ampelmännchen ja eine nette Idee“, sagt Jürgen Maaß von der Hannöverschen Aidshilfe. „Letztendlich sind sie aber nur ein schwaches Signal, zumal die offenbar nur auf Zeit genutzt werden sollen. Um die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und trans- sowie intergeschlechtlichen Lebensweisen in Hannover zu erhöhen, bedarf es stärkerer Signale seitens der Stadt.“ So ein starkes Signal wäre es, wenn die Kommune eine breit angelegte Kampagne für Vielfalt – etwa unter der Überschrift „Hannover ist bunt“ – machen würde. Gleichgeschlechtliche Ampelmännchen könnten ein Bestandteil sein. Die Stadtverwaltung sei schon sehr offen, das müsse nun auf die breite Bevölkerung ausstrahlen.

„Kleines, aber begrüßenswertes Signal“

Das Team der Schwulen Sau weist darauf hin, dass viele Städte in den letzten Jahren individuelle Ampelmännchen installiert haben. So habe Emden die Ottifanten, Hameln den Rattenfänger, Trier den dort geborenen Karl Marx, und Hannover solle nun wie Wien homosexuelle Ampelmännchen bekommen. Wo andernorts regionale Identifikationsfiguren zum Einsatz kommen, setze Hannover eher auf ein politisches Zeichen und wolle sich als tolerante, queerfreundliche Landeshauptstadt präsentieren. „Wir finden, dass dies in Zeiten komplexerer Lebenswirklichkeiten ein zwar kleines, aber begrüßenswertes Signal für die Liebe und gegen Homophobie und Hass ist“, teilt das Team der Schwulen Sau mit.

Und dann ist da noch die alltägliche Diskriminierung

Corinna Weiler vom Verein Andersraum nennt die gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen ein gutes Signal, weil es zeige, dass die Landeshauptstadt Toleranz lebe. Das sei ein Symbol, daneben gebe es aber auch die konkreten politischen Forderungen wie besserer Schutz für queere Geflüchtete, also für Flüchtlinge, deren sexuelle Orientierung von der heterosexuellen Norm abweicht, mehr Beratung und Bildung in den Schulen und „Erfassung von Hasskriminalität“. Symbole wie das Hissen von Regenbogenfahnen während des CSD seien genauso wichtig wie die Umsetzung dieser politischen Forderungen, sagt Weiler: „Das eine ist nicht weniger oder mehr wert als das andere.“ Diskriminierung sei für viele Schwule und Lesben immer noch eine Alltagserfahrung. Es gibt Studien, wonach etwa ein Drittel der Deutschen Ekel und Abscheu empfindet, wenn sich gleichgeschlechtliche Paare in der Öffentlichkeit zeigen.

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