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Stadt Hannover Hannover: Juden und Muslime feiern ESC gemeinsam
Aus der Region Stadt Hannover Hannover: Juden und Muslime feiern ESC gemeinsam
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00:17 21.05.2019
Im Alten Magazin hat jeder einen guten Blick auf die Leinwand, auf der der Eurovision Song Contest gezeigt wird. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Eigentlich, das gesteht Kay Schweigmann-Greve mit schuldbewusster Miene ein, zähle die beim Eurovision Song Contest (ESC) gespielte Musik ja nicht zu seinen Favoriten. Aber viel wichtiger sei an solch einem Abend der völkerverbindende Gedanke, meint der Vorsitzende der hannoverschen Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Wichtiger ist für ihn das Gefühl, dass diesen Sonnabend die „extrem lebenslustige und kreative Stadt Tel Aviv“ in den Schlagzeilen steht, nicht die politischen Debatten um den ewig währenden Konflikt mit den Palästinensern. Und darum hat er gemeinsam mit einigen Partnern zu einem interkulturellen ESC-Abend eingeladen, in das Alte Magazin in der Südstädter Kestnerstraße. Die rund 300 Gäste wohnen einer der politischsten Veranstaltungen anlässlich dieses Festivals bei, bei der etliche Reden gehalten und Interviews geführt werden – wo aber spätestens ab 21 Uhr die Musik, israelisches Bier und Feigen-Bohnensalat oder Kichererbsen-Mus im Mittelpunkt stehen.

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Marc Simon daran, wie sich Israel und Deutschland bei einem früheren Wettbewerb jeweils 12 Punkte zugeschoben haben. Simon ist einer der beiden Vorsitzenden der Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft für türkisch-jüdische Zusammenarbeit, die zu den Mitveranstaltern dieses Abends zählen. Ebenso wie sein Kompagnon Kemal Önel bezeichnet er sich als „passionierten ESC-Fan“.

Wenig Nationalistisches – trotz Länderkonkurrenz

Und Önel hat auch gleich ein wunderbares Beispiel parat, warum dieser Pop- und Schlagerwettbewerb trotz aller Länderkonkurrenzen so wenig Nationalistisches hat: „Unser aus der Türkei stammender Sänger Serhat tritt dieses Jahr für San Marino an.“

Insgesamt nahmen 26 Länder mit ihren Kandidaten am Finale des Eurovision Song Contests 2019 teil. In dieser Bildergalerie finden Sie die Fotos aller Acts und ihre Platzierungen.

Gegen den Boykott

Auch die Sozialistische Jugend Deutschlands, die Falken, sowie die Grünen haben zum Multi-Kulti-Abend im Alten Magazin eingeladen. Sven-Christian Kindler, im Bundestag sitzender Grünenpolitiker, hat ein gespaltenes Verhältnis zur ESC-Musik, findet manches cool und anderes „trashig“. Uneingeschränkt begeistert ist aber von der politischen Bedeutung, die das Festival schon seit vielen Jahren für die Schwulen- und Lesbenszene in Europa hat. Er erinnert an die Transsexuelle Dana International, die 1998 den Wettbewerb gewonnen hat, oder an den Sieger von 2014, Conchita Wurst. Und schließlich ist dem Vizepräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wichtig, mit der gemeinsamen Feier in der Südstadt all denjenigen Gruppen, die den ESC „aus antisemitischen Motiven“ boykottieren wollen, etwas entgegenzusetzen.

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Enttäuschung nach ESC-Wertung bei Public Viewing in Garbsen

Eines wird schnell klar im Alten Magazin: So gefühlvoll, wie die Besucher bei gruseligen Liedchen die Augen verdrehen oder wenig später ihren Favoriten zujubeln, haben sie die Widrigkeiten der Weltpolitik an diesem Abend zuverlässig ausgeblendet.

Von Michael Zgoll

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