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Stadt Hannover So kann man kostenlos Bus und Bahn fahren
Aus der Region Stadt Hannover So kann man kostenlos Bus und Bahn fahren
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00:40 23.03.2018
Mit einer Monatskarte könnte dieser Kunde abends und an Wochenendtagenweitere Fahrgäste mitnehmen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Unter dem Begriff „Ticket teilen“ haben Aktivisten eine Kampagne gestartet, deren Vorbild aus Berlin stammt. „Wir wollen Solidarität im Alltag ermöglichen und erfahrbar machen, denn trotz Sozialticket können sich viele Menschen Bus- und Bahnfahren nur selten leisten. Das gilt auch für Geflüchtete“, erklären sie. Mit dieser Argumentation war „Ticket teilen“, inszeniert durch die örtlichen Naturfreunde, vor vier Jahren auch in der Bundeshauptstadt ins Leben gerufen worden und besteht seitdem. 

Ansatzpunkt ist die sogenannte Mitnahmeregelung, die in unterschiedlichen Formen fast in jedem Nahverkehrsverbund besteht. Im Großraum Verkehr Hannover (GVH) bezieht sie sich auf Monatskarten mit Ausnahme derjenigen für Schüler und Auszubildende. Alle anderen Besitzer dürfen werktags von 19 Uhr an bis 5 Uhr des Folgetages sowie an Sonnabenden, Sonn- und ein Feiertagen ganztägig bis zu vier Personen kostenlos mitnehmen – einen Erwachsenen und drei Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 

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Die Aktivisten wollen diese Möglichkeit stärker bekannt machen und Nutzer werben. Wer andere gemäß der Beförderungsbedingungen legal und gleichzeitig kostenlos mitnehmen will, soll dies durch einen pinkfarbenen Button – in Berlin ist er gelb – mit der Aufschrift „Ticket teilen“ kenntlich machen und somit ansprechbar sein. Bei Veranstaltungen sowie mit mehrsprachigen Flyern, Plakaten und Aufklebern wollen die Initiatoren, unter ihnen hauptsächlich Studenten, für das Konzept werben.

Um dieses Programm finanzieren zu können, braucht die Gruppe einen Gesamtbetrag von rund 2000 Euro als Stadtbudget. „Einige Zusagen haben wir schon, für den Rest sammeln wir“, teilt sie mit. Unterstützung kommt vom Bürgerbüro Stadtentwicklung, das seine Internetplattform www.hannovermachen.de für eine seit Wochenbeginn laufende Crowdfunding-Aktion zur Verfügung gestellt hat. „Wir halten das für eine gute Idee und sind gespannt, ob es klappt“, sagt Geschäftsführer Oliver Kuklinski.

Weniger begeistert ist man beim GVH, für den der Fahrscheinverkauf die bei weitem wichtigste Einnahmequelle ist. „Wir schreien nicht Hurra“, erklärt Sprecher Tolga Otkun. Die Mitnahmeregelung sei in erster Linie für Freunde und Familienmitglieder der Karteninhaber gedacht und nicht für spontane Zusammenschlüsse. „Juristisch können wir das aber nicht unterbinden“, erläutert Otkun. Bedingung sei, dass sich die Fahrgemeinschaft vor Fahrtantritt zusammenfindet und nicht erst auf Zuruf in der Bahn oder im Bus. Außerdem müsse eine Gruppe während der Fahrt beisammen bleiben.

ÖPNV-Kampagne läuft ins Leere

Mit einem „Neubürgerservice Mobilität“ wollte die Region Hannover mehr Kunden für umweltfreundliche Verkehrsmittel begeistern, vor allem für Busse und Bahnen. Das Angebot ist aus mehreren Gründen gescheitert und wird eingestellt, teilte die Verwaltung kürzlich mit. Wer in den Raum Hannover umgezogen war, sollte bei der Anmeldung in einem der Bürgerbüros ein sogenanntes Begrüßungscouvert erhalten, das unter anderem die Möglichkeit eröffnete, mit einer Schnupperkarte an zehn aufeinanderfolgenden Tagen kostenlos den Nahverkehr zu nutzen.

Nur fünf der 21 Städte und Gemeinden in der Region machten überhaupt bei der Aktion mit, auch Hannover hatte gepasst. Weil die Couverts aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht per Post versendet werden durften, bekamen sie im sechs Monate währenden Aktionszeitraum nur gut 1500 von mehr als 3000 Neubürgern in die Hände. Zwar habe ein hohes Interesse an Informationen zum Nahverkehr und an den Schnupperkarten bestanden, aber letztlich seien nur 14 Abonnements verkauft worden. „Das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen ist nicht optimal“, lautet das Fazit der Region.

Von Bernd Haase