Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Kritik an Aha: Plötzlich ist der große Müllsack weg
Aus der Region Stadt Hannover Kritik an Aha: Plötzlich ist der große Müllsack weg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 27.01.2019
Die Tonne wird auch bei den Hausbesitzern im Umland immer beliebter. Quelle: Frank Wilde
Anzeige
Hannover

Da wird Ingo Kailuweit vielen Umlandbürgern aus dem Herzen sprechen. „Die Art und Weise, wie Aha mit den Kunden umgeht“ ist nicht hinnehmbar sagt der vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand gegangene Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover (KKH). Kailuweit gehört zu mehr als einem Drittel der Bürger im Umland, die noch die Sackabfuhr nutzen. Er ärgert sich, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha, die 32,5-Liter-Restmüllsäcke einfach abgeschafft hat, ohne dass er eine Information darüber erhalten hätte.

Mülleimer muss ausgetauscht werden

Stattdessen gibt es nur noch 20-Liter-Säcke, die für den Zwei-Personen-Haushalt der Kailuweits eigentlich viel zu klein seien, berichtet er. Jetzt müsse der Abfallsack im Hausmüll zwei- bis dreimal pro Woche gewechselt werden. Außerdem hatte sich das Ehepaar, wie viele andere Bürger, extra eine passenden Mülleimer für die 32,5-Liter-Säcke gekauft. „Dieser Mülleimer ist jetzt wertlos und wir können uns ein neues Behältnis kaufen“, berichtet er.

Anzeige

Immer mehr nehmen die Tonne

Aha-Sprecherin Helene Herich betont, dass die Regelabfuhr für den Restmüll die Tonne ist, die Abfuhr von Restabfallsäcken beruhe auf einer Ausnahmeregelung. Grundstückseigentümer, die in Umland ziehen oder innerhalb der Region in ein Neubaugebiet ziehen, sind verpflichtet, Tonnen zu nehmen. Auch wer sich einmal für die Tonne entschieden hat, kann nicht mehr zum Sack wechseln.

In den Umlandkommunen nutzen 62,9 der Haushalte die Tonne und und 37, den Sack. Die anteilig meisten Tonnennutzer im Umland gibt es in Laatzen mit einem Anteil von 73,2 Prozent, der höchsten Anteil von Sacknutzern lebt in Wunstorf mit 52,1 Prozent. Nach Angaben von Herich geht Aha davon aus, dass zahlreiche Sacknutzer die Vorteile der Tonnen bei ihren direkten Nachbarn erkennen und wechseln. Zudem werde die Nutzung von Plastiksäcken von immer mehr mehr Menschen kritisch gesehen.

Derzeit sei nicht absehbar, wann es keine Restabfallsäcke im Umland mehr geben wird, meint Herich. Nötig sei hierfür ein politischer Beschluss, davor drückt sich aber nicht nur die CDU sondern auch die SPD.

„Aha richtet sich einfach nicht nach dem Willen seiner Kunden“, beklagt er. Das Verhalten des „Monopolisten“, wie Kailuweit sagt, solle offenbar dazu führen, dass alle Bürger auf die Tonnenabfuhr umstellen. Bei Aha müsse man mit allem rechnen. Es sei zu befürchten, dass es ab dem 1. Januar kommenden Jahres wieder eine neue Sackgröße eingeführt werde oder die Tonnen komplett abgeschafft werden.

Weniger Säcke nachgefragt

Die Nachfrage nach den 32,5-Liter-Säcken sei in der Vergangenheit „stark rückläufig“ gewesen, sagt Unternehmenssprecherin Helene Herich. Daher habe der Abfallwirtschaftsbetrieb am Jahresende immer zahlreiche der größeren Säcke übrig gehabt, die dann vernichtet werden mussten. Durch den Einsatz von nur noch einer Sackgröße müssten weniger Säcke produziert und aufbewahrt werden, erläutert die Sprecherin weiter. „Das vereinfacht das Verfahren und ist dadurch auch kostengünstiger“, betont sie. Zudem seien 20-Liter-Säcke die optimale Größe auch für die Berechnung der jeweiligen Sackmenge pro Haus. Herich betont, dass die Kunden über die Abschaffung des großen Sacks informiert worden seien.

Von Mathias Klein