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Stadt Hannover So informieren andere Städte über Einbrüche
Aus der Region Stadt Hannover So informieren andere Städte über Einbrüche
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00:41 23.03.2018
Ab sofort können Bürger im Internet sehen, ob und wie häufig in ihrem Stadtbezirk oder Kommune eingebrochen wurde. Quelle: dpa
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Hannover

 Am Montag hat die Polizei Hannover ihr sogenanntes Einbruchsradar für Stadt und Region Hannover gestartet. Ab sofort können Bürger im Internet sehen, ob und wie häufig in ihrem Stadtbezirk oder Kommune eingebrochen wurde. In Nordrhein-Westfalen und Bremen läuft diese Maßnahme bereits seit knapp zwei Jahren: Die Polizei in Bremen arbeitet mit einer interaktiven Karte, auf der Delikte in bestimmten Bereichen farblich markiert sind – je dunkler der Bereich, desto häufiger wurde eingebrochen. 

Bei jeder neuen Veröffentlichung werden die alten Delikte durch aktuelle Zahlen ersetzt. Wer also wissen möchte, wie häufig in seiner Nachbarschaft in den letzten Wochen oder Monaten eingebrochen wurde, muss regelmäßig selbst zählen. „Uns geht es in erster Linie darum, die Bürger für Einbruchsdelikte zu sensibilisieren“, sagt Nils Mattiesen, Behördensprecher der Polizei Bremen. „Wir analysieren die Einbruchszahlen ständig und schauen, ob sich Hot-Spots erkennen lassen. Dort hängen wir Warnplakate auf und fahren regelmäßig Streife.“

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 Auch bei der Polizei in Bielefeld soll der Radar eine Präventionswirkung haben: „Die Zahlen werden von der Bevölkerung wahrgenommen. Es geht darum, Einbrüche in Zukunft weiter zu verhindern“, sagt Behördensprecher Achim Ridder.

Ungenaue Verortungen von Einbruchsorten und eine unübersichtliche Zählweise  –Thomas Feltes, Kriminologe an der Ruhr Universität Bochum hält nicht viel vom Einbruchsradar: „Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen den rückläufigen Einbruchszahlen in Nordrhein-Westfalen und der Einführung des Radars“, sagt der Universitätsprofessor. Die Messung sei eingeführt worden, als sich die Einbruchszahlen auf einem Hoch befunden haben, „um symbolisch zu zeigen, dass etwas unternommen wird“, sagt Feltes. „Das Radar ist eine schöne PR-Maßnahme.“

So sieht das Einbruchsradar der Polizei Bielefeld aus. Quelle: Polizei Bielefeld

Die Polizei könne durch die Kartierung zwar nachträglich Einbruchsserien erkennen, für die Bevölkerung bringe das Radar wenig: „Die Bürger können damit wenig anfangen. Es ist weder eine Bestärkung der Sicherheit noch eine Verunsicherung“, sagt Feltes

Der Kriminologe sieht das Problem an anderer Stelle: „Bei etwa der Hälfte aller Einbrüche kommen die Täter aus der Nachbarschaft der Opfer. Sie wissen, wo es was zu holen gibt. Ein Wohnungseinbruch ist die einfachste Möglichkeit, um an Geld oder Wertsachen zu kommen –Tankstellen, Banken und Geschäfte sind meist zu gut gesichert.“ Außerdem gäbe es verschiedene Gruppen von Einbrechern: „Das geht von Junkies, über mittellose Jugendliche bis zu deutschen Profi-Einbrechern und osteuropäischen Banden.“ 

Von Manuel Behrens