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Stadt Hannover Stadt entwickelt Strategien gegen Lieferwagenstau
Aus der Region Stadt Hannover Stadt entwickelt Strategien gegen Lieferwagenstau
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06:00 02.03.2017
Von Conrad von Meding
Von Haustür zu Haustür: Noch transportiert jeder Logistiker jedes Paket einzeln zu den Haustüren. Das könnte sich bald ändern. Foto: von Ditfurth (Archiv) Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Der zunehmende Internethandel verstopft auf der „letzten Meile“ die Straßen: Transporter reiht sich an Transporter, alle Lieferdienste klingeln einzeln an jeder Haustür, während draußen die Dieselmotoren dieseln und der Kunde die Pakete am Ende doch meist in der Zustellfiliale abholen muss. Mit einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt will Hannover jetzt versuchen, Strategien für eine optimierte City-Logistik zu entwickeln, die später auch auf andere Städte übertragbar sind - zum Beispiel gemeinsame Zustellkonzepte verschiedener Bringdienste. Der Bund hat im ersten Schritt eine Förderung von einer Drittelmillion Euro in Aussicht gestellt, denn Hannover hat mit Großunternehmen wie DHL und VW Nutzfahrzeuge starke Partner an Bord.

Erst Simulation, dann Versuch

„Wir wollen zeigen, wie die City-Logistik der Zukunft funktioniert“, sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann. Drei Hochschulen seien an Bord: neben der Leibniz-Uni und der Hochschule HsH auch die TU Braunschweig, die in Verkehrsfragen als ziemlich versiert gilt. Gemeinsam hat man mit den Partnern eine Kooperation gegründet, die 2016 beim Bundesministerium für Bildung und Forschung beim Projekt „Leitinitiative Zukunftsstadt“ gepunktet hat. Noch ist der Zuschuss für die erste Phase nicht genehmigt. „Aber man hat uns aufgefordert, den Förderantrag zu stellen“, sagt der städtische Verkehrsplaner Tim Gerstenberger, der das Projekt managt: Das komme dem Zuschlag gleich, man sei überzeugt, Mitte des Jahres mit der konkreten Arbeit starten zu können.

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Worum geht es dem Projekt? Zunächst soll in einer Simulation, später in einem „Realversuch“ versucht werden, die Lieferkonzepte in einem Modellraum („Living Lab“) zu verbessern. Verkehrsströme und Transportwege sollen analysiert und optimiert werden, dabei sollen möglichst auch Elektrotransporter zum Einsatz kommen - DHL ist da mit Eigenentwicklungen schon weiter, VWN erhofft sich Impulse von dem Projekt. Ziel könnte sein, dass langfristig verschiedene Lieferdienste eine gemeinsame Verteilstruktur nutzen und so nicht nur Umwelt und die Nerven der Kunden geschont würden, sondern auch die Logistikunternehmen sparen. Doch noch ist man lange nicht so weit, das Forschungsprojekt ist auf zunächst drei Jahre angelegt.

Dicke Bretter zu bohren

Im ersten Schritt steht das Sammeln und Auswerten von Daten. Der Arbeitstitel lautet griffig „Useful“, was übersetzt „nützlich“ heißt, in Wirklichkeit aber „Untersuchungs-, Simulations- und Evaluations-Tool für Urbane Logistik“ abkürzt. Man ahnt, dass dicke Bretter gebohrt werden. 320.000 Euro geben die Projektpartner, die Leitung des Projektteams liegt bei der Stadt. Unter anderem machen auch die Stadtwerke mit, weitere Partner sollen hinzustoßen.

Stadtbaurat Bodemann betonte Vorstellung gestern im Bauausschuss des Rates, dass natürlich jeder Partner auch eigene wirtschaftliche Interessen verfolge, die Zusammenarbeit mit derart starken Firmen aber sei „nicht alltäglich“. Von den Ratspolitikern gab es fraktionsübergreifend Lob. Von einer „sehr zukunftsorientierten Initiative“ sprach Lars Kelich (SPD). Felix Blaschzyk (CDU) hob hervor, dass gerade bei Verkehrs- und Logistikthemen „das Zusammendenken komplexer Themen“ wichtig sei, und Dirk Machentanz (Linke/Piraten) sagte sogar, das Konzeptpapier sei „die beste Drucksache, die ich in letzter Zeit gelesen habe“.