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Stadt Hannover Im Annabad bleiben die Besucher aus
Aus der Region Stadt Hannover Im Annabad bleiben die Besucher aus
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07:40 02.06.2015
Von Mathias Klein
Im Annabad bleiben die Besucher aus. „Im Mai kamen nur halb so viele Gäste wie sonst“, sagt Thomas Olenik, technischer Betriebsleiter des Bads. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Hannover stöhnt. Es ist zu kalt, die Sonne fehlt. Der Mai in Hannover war tatsächlich ein mieser Monat, nicht nur aus Sicht von Schwimmbadbetreibern und Gastwirten. Auch die Meteorologen ordnen den vergangenen Monat als zu kalt, zu dunkel und zu trocken ein – 12,1 Grad Durchschnittstemperatur. Das ist zwar nicht Welten, aber immerhin 1,3 Grad kühler als der langjährige Mittelwert. Jetzt ist aber Besserung in Sicht, auch wenn der Montag – übrigens der meteorologische Sommeranfang – noch nicht so richtig sommerlich war.

Manche lassen sich aber den Spaß nicht verderben. Zum Beispiel im Annabad. Das Wasser aus der Dusche spritzt, Hannah und Freundin Nicole kreischen. „Es ist so kalt!“, rufen die beiden 13-jährigen Mädchen. An der Wassertemperatur liegt das nicht, aber draußen sind nur 16 Grad – und im Bikini fühlt sich das ganz schön kühl an.

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Besuchereinbruch im Annabad

Im vergangenen Monat war das beinahe jeden Tag so. Der Mai war kalt, die Besucher blieben aus. „Letztes Jahr im Mai hatten wir rund 27.200 Besucher, diesen Mai fast nur die Hälfte, 14.300“, sagt Betriebsleiter Horst Schröder. Allein das warme Pfingstwochenende 2014 hatte 15.000 Besucher ins Annabad gelockt, so viele wie im ganzen vergangenen Monat nicht.

Die Aussicht auf viele Besucher ist damit aber noch nicht begraben. „Es ist ja die Gesamtsaison, die zählt“, betont Schröder. Doch der kühle Monat habe hohe Heizkosten für das Becken verursacht, außerdem fielen alle Frühlingsfeiertage wie Pfingsten und Himmelfahrt in den Mai. Die Hoffnung auf viele Gäste, die nicht zu einer Urlaubsreise, sondern einfach ins Freibad aufbrechen, ist nur vorerst vergebens. „Die Wiesenkundschaft kommt erst, wenn die Sonne scheint. Also ab Donnerstag, hoffentlich“, sagt der technische Leiter des Annabads, Thomas Olenik.

Auch die Gastronomen in Hannover hatten mit Einbußen zu kämpfen. Janina Brauer vom „Schöne Aussichten 360 Grad“ in der Röselerstraße erzählt, dass sie wegen des schlechten Wetters häufig erst später aufmachen konnten, oder aufgrund der Kälte abends früher schließen mussten. „Die Gäste sind nicht wie sonst für ein Bier oder einen Cocktail gekommen, sondern eher für Latte macchiato und Tee.“ Statt die Sonne zu genießen, musste man sich vor dem Wind schützen. „An schlechten Tagen hatten wir vier Besucher – nicht 700, wie an Sommertagen üblich.“

In Wülfel dagegen war man vorbereitet. Im Wülfeler Biergarten gibt es viele überdachte Plätze und Heizpilze, sodass die Gäste trotz Regen ihr Bier an der frischen Luft genießen konnten. „Der Mai war für uns nur halb so schlimm“, sagt Leiterin Dana Loschonc. „Wir hatten keine großen Einbußen. Es sind vielleicht 25 Prozent weniger Besucher als üblich da gewesen.“ Dafür seien die Kunden gezielt in den Wülfeler Biergarten gefahren, weil sie wussten, dass sie dort trocken und warm sitzen konnten.

Biergartenbetreiber können Heizpilze abbauen

Der Mai war in Hannover deutlich zu kühl, stellt Meteorologe Kent Heinemann vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation fest. Dass die Durchschnittstemperatur mit 12,1 Grad mehr als ein Grad unter dem langjährigen Mittelwert für diesen Monat blieb, ist nur ein Aspekt. Außerdem war es insgesamt deutlich zu wolkig. Die Sonne ließ sich den ganzen Monat über zusammengerechnet gerade einmal 180 Stunden blicken. Im besonders sommerlichen Mai 2008 waren es dagegen immerhin 320 Stunden.

Ungewöhnlich war der Mai auch aus Sicht von Kleingärtnern und Landwirten: Im vergangenen Monat fielen in Hannover gerade einmal 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist nur ein Drittel der durchschnittlichen Menge im Mai.
Die kühlen und wechselhaften Wetterlagen hätten vom Atlantik und von der Nordsee zwar immer wieder Regen und Regenschauer übers Land getrieben, berichtet Heinemann. Aber im südlichen Niedersachsen sei nur noch wenig Niederschlag angekommen.

Aber die Biergartenbetreiber können jetzt erst einmal die Heizpilze abbauen, und die Schwimmbadbetreiber sollten sich auf einen ersten Andrang einrichten. Denn das Tiefdruckgebiet, das für das wechselhafte Wetter der vergangenen Tage verantwortlich war, zieht sich Richtung Norwegen zurück.

Von den Azoren rückt ein Hochdruckgebiet langsam auf den Süden Deutschlands zu, gleichzeitig fließt an dessen Nordseite warme Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns. „Es wird nach und nach sommerlicher“, verspricht Meteorologe Heinemann. Schon am Dienstag könnte die Temperatur in Hannover die 20-Grad-Marke knacken. Für Donnerstag erwarten die Wetterexperten dann den ganzen Tag Sonnenschein. Einige Wetterfrösche sagen jetzt bereits für das Wochenende in Hannover Temperaturen von bis zu 30 Grad voraus. Meteorologe Heinemann ist sich nicht sicher, ob es wirklich so heiß wird. Aber schönes Wetter werde es sicherlich, meint er.

Von Sabrina Mazzola, Susanne Kolbeck und Mathias Klein

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