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Stadt Hannover Inklusion, Gymnasien, Waschbecken: Hannover setzt bei Schulen die falschen Prioritäten
Aus der Region Stadt Hannover Inklusion, Gymnasien, Waschbecken: Hannover setzt bei Schulen die falschen Prioritäten
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00:15 26.02.2019
Hannovers Integrierte Gesamtschulen und Grundschulen können die Belastungen durch die Inklusion nicht mehr stemmen. Quelle: picture alliance / Uwe Anspach
Hannover

Nordrhein-Westfalen will ihn schon wieder abschaffen: den freien Elternwillen. Dabei hatte die damalige rot-grüne Landesregierung ihn dort erst 2011 eingeführt. Seither können Eltern beim Übergang von der vierten in die fünfte Klasse die Schulform ihres Kindes frei wählen. Seitdem steigt die Zahl gymnasialer Schulabbrecher. Von knapp 2190 kletterte sie bis zum Jahr 2016 auf rund 2770. Fast 3000-mal mussten zuletzt andere Schulen die Kinder auffangen, die an Gymnasien gescheitert waren.

Schattenseiten des freien Elternwillens

Auch in Hannover kann man derzeit die Schattenseiten des freien Elternwillens erleben. Gleich bei zwei Entscheidungen berufen sich Schulträger und Landesschulbehörde ausschließlich auf ihn. Erstens: Weil sehr viele Eltern Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf die Integrierte Gesamtschule schicken, findet Inklusion derzeit fast nur an dieser Schulform statt. Die IGS-Schulleiter haben deshalb einen Brandbrief geschrieben. Zweitens: Weil sehr viele andere Eltern sich Gymnasien für angehende Fünftklässler wünschen, plant die Stadt den Bau eines weiteren Gymnasiums.

Das könnte dazu führen, dass die Gymnasiasten Hannovers in höheren Klassen künftig durch Fluchten leerer Klassenräume wandeln. Viele Kinder, die hier starten, sind dann nicht mehr da. 120 Kinder mussten im vergangenen Schuljahr auf dem Gymnasium die fünfte Klasse wiederholen, 300 Kinder gingen ab.

Inklusion leidet

Aufgenommen werden sie vor allem von Gesamtschulen, bei denen zudem noch viele Förderkinder in den Unterricht eingegliedert werden. Eine Belastung, gegen die sich die Gesamtschulen im Prinzip nicht einmal sträuben: „Wir sind die Schulform, die am meisten Erfahrung mit zieldifferentem Unterricht hat“, sagt Schulformsprecher Michael Bax. Doch Unterstützung für diese Haltung haben die IGSen bislang nicht bekommen. Doch sie brauchen sie – und zwar jetzt.

Wie schlecht Hannover bei der Inklusion aufgestellt ist, macht auch der Protest der Grundschulen deutlich. Besonders besorgniserregend ist: Eine der vormals feinsten inklusiven Adressen Hannovers, die Gebrüder-Körting-Schule, ist federführend dabei. Eltern ehemaliger und jetziger Schüler schwärmen vom früheren inklusiven Unterricht dort immer noch in höchsten Tönen. Und sie zeigen sich entsetzt, wie schlecht die jetzigen Bedingungen sind. Allein das Beispiel dieser Schule zeigt, wie schlecht die vielen Millionen Euro, die der Staat für Inklusion ausgibt, in der Realität eingesetzt sind. Und im Rathaus debattieren sie über Waschbecken.

Brandbrief ist ein Stoppsignal

Zugleich wird über die Einrichtung eines neuen Gymnasiums diskutiert. Die Stadt wähnt sich in der Pflicht. Alle Kinder haben das Recht, an der gewünschten Schulform aufgenommen zu werden, mehr als die Hälfte der Eltern melden sie am Gymnasium an. Aber wäre ihrem Recht nicht auch mit Gymnasien genüge getan, die sich zusammentun, um in den unteren Klassen Platz für volle Jahrgänge zu schaffen, notfalls in Containern?

Der Brandbrief der Gesamtschulen ist ein Stoppsignal. Er zeigt, dass es in den über Gebühr belasteten Schulen Hannovers so nicht mehr weitergeht. Die Politik muss zuallererst sicherstellen, dass guter Unterricht auch dort weiter möglich ist. Das ist wichtiger als die Einrichtung eines weiteren Gymnasiums. Und als Waschbecken.

Von Jutta Rinas

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