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Stadt Hannover Hannoveraner erinnern sich an Begegnungen mit „Jacko“
Aus der Region Stadt Hannover Hannoveraner erinnern sich an Begegnungen mit „Jacko“
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09:22 27.06.2009
Von Jutta Rinas
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Wolfgang Besemer, Chef von Hannover Concerts Quelle: Martin Steiner
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Die Betroffenheit über den plötzlichen Tod von Michael Jackson ist ihm auch am nächsten Tag noch anzumerken. „Ich hatte die Nachricht schon um Mitternacht auf NTV gehört“, sagt Wolfgang Besemer (56), Geschäftsführer von Hannover Concerts: „Ich war sehr erschrocken.“ Er nennt den „King of Pop“ einen der „größten Entertainer der letzten Jahrzehnte“, einen, der seine Auftritte immer perfekt inszenierte. Besemer muss es wissen: Er hat den einzigen Auftritt von Jackson in Hannover – am 2. September 1988 im alten Niedersachsenstadion – organisiert. Ein grandioser Abend mit 60 000 Fans sei das gewesen, sagt Besemer. Sehr abgeschirmt von einer großen Gruppe von Bodyguards habe er Jacko nur aus der Distanz erlebt. Eintrittskarten hat Besemer noch von jenem Konzert. Und dass der Weltstar damals den hannoverschen Zoo besuchen wollte, weiß er noch. Jetzt, 21 Jahre später, gibt es dort allerdings niemanden mehr, der eine Stippvisite des Weltstars bestätigen kann.

Im Maritim-Grand-Hotel am Friedrichswall dagegen erinnern sich langjährige Mitarbeiter noch gut an den Besuch des extravaganten Künstlers. Und das wohl auch wegen einiger, ebenso extravaganter Wünsche. Jackson habe sich in die 180 Quadratmeter große und mit echten Biedermeiermöbeln bestückte Präsidentensuite im damaligen „Interconti“ extra eine etwa 20 Quadratmeter große Tanzfläche einbauen lassen, erzählt Oliver Risse (41), heutiger Direktor des Maritim-Grand-Hotel. Seine Mitarbeiter erinnern sich auch, dass Jackson sich in die 1200 Mark teure Suite für eine Nacht eine Küchenzeile einbauen ließ und einen eigenen Koch mitbrachte. Der soll dem Weltstar nach dem Konzert etwas ganz Einfaches serviert haben, sagt Risse: „Nudeln oder Spaghetti.“

Klaus Ritgen (54), Chef des hannoverschen Konzertveranstalters Show Tops, organisierte 1992 für Jackson auf einer Tour drei Konzerte in Norddeutschland: in Hamburg, Bremen – und im Hamelner Weserberglandstadion. Dass Jackson sich die niedersächsische Stadt damals aussuchte, weil Mama Jackson ihm die Rattenfänger-Geschichte als Kind vorgelesen habe, kann er nicht bestätigen. Aber passen würde es zu diesem Mann, den er als „sehr emotional, sehr weich, liebenswert und irgendwie auch ungebrochen kindlich“ erlebte, sagt Ritgen, der zurzeit in Tokio die Band Fair Warning promotet. Der 54-Jährige war „wirklich traurig“, als er gestern Morgen von Jacksons Tod erfuhr: „Er war als Mensch nicht ohne Macken, aber ein großer Künstler, über dessen Tod man sehr traurig sein kann.“

Als „totalen Schock“ bezeichnete Kristof Hinz (33), Leiter des hannoverschen Popinstituts an der Musikhochschule, gestern die Nachricht vom Tod Jacksons. Der Musiker komme in den Seminaren seines Institutes allerorten vor: als Komponist, als Produzent, als einer, der mit vielen Innovationen Musikgeschichte geschrieben habe.

Musikproduzent und Mastermixer Mousse T. (42) meldete sich dagegen gestern nicht zu Wort. Dabei ist er in Hannover derjenige, der mit Jacko künstlerisch am intensivsten verbunden war. Nachdem der damals 30-Jährige im Peppermint Park schon mit Stars wie Simply Red und den Backstreet Boys gearbeitet hatte, bekam er 1997 den ganz großen Auftrag. Ein Manager von Sony aus New York rief ihn an und bat ihn, einen Remix von Jacksons Hit „Ghost“ zu machen. Jackson sei begeistert von der Arbeit des hannoverschen Musikers gewesen, hieß es später. Der „King of Pop“ lud den Hannoveraner sogar nach London ein, um ihm die Hand zu schütteln und Danke zu sagen. Der vielbeschäftige Mousse T. aber sagte ab: „Ich hätte Jackson ja gerne mal kennengelernt“, sagte er damals. „Aber ich habe einfach keine Zeit.“

Conrad von Meding 27.06.2009
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