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Stadt Hannover Hannovers Facebook-Fahndung macht Schule
Aus der Region Stadt Hannover Hannovers Facebook-Fahndung macht Schule
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21:44 29.12.2011
Im Netz der Ermittler: Die Facebook-Fahndungsseite aus Hannover hat 80 000 Fans.
Im Netz der Ermittler: Die Facebook-Fahndungsseite aus Hannover hat 80 000 Fans. Quelle: dpa
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Hannover

Inzwischen hat die Seite mehr als 80 000 Fans. In acht von 60 Fällen haben bislang auf diese Art erhaltene Hinweise zur Aufklärung von Verbrechen geführt. Die Polizeidirektion Hannover ist mit dieser Quote zufrieden, sodass jetzt auch in anderen Bundesländern Überlegungen reifen, die Facebook-Fahndung nach hannoverschem Vorbild einzuführen. Die Behörden in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen prüfen diesen Schritt derzeit in Diskussionsrunden und Arbeitskreisen. Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern fahndet bereits via Facebook. Die Kollegen in Bremen haben sich inzwischen zumindest eine Facebook-Adresse sichern lassen, nutzen sie bislang allerdings noch nicht. Denn die neue Fahndungsmethode ist umstritten. Die Besucher der Seite werden aufgefordert, die Texte und Bilder in ihren jeweiligen Netzwerken weiterzuverbreiten. Datenschützer laufen dagegen Sturm. Sie kritisieren, dass Facebook automatisch Daten der Internetnutzer speichert – darunter die IP-Adresse der Computer sowie Informationen über das Surfverhalten –, wenn sich diese durch den Facebook-Auftritt der Ermittler klicken.

Auch in Polizeikreisen stößt die Einbeziehung sozialer Netzwerke bei der Aufklärung von Verbrechen teilweise auf Widerstand. „Natürlich stellt dieser neue Schritt die Polizei auch vor gewisse Probleme“, sagt Bernhard Witthaut, der Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, der den Einsatz von Facebook nicht grundsätzlich ablehnt. So könne die Informationsflut aus dem Netz möglicherweise nur sehr langsam bearbeitet werden, sodass „die Kollegen mitunter das Gefühl haben, sie werden mit Hinweisen zugeschüttet, haben aber gar nicht genügend Spurenkommandos zur Verfügung, um die Angaben zu überprüfen“, erklärt der Gewerkschafter.

Die Polizei in Hannover nimmt die Kritik der Facebook-Skeptiker sehr ernst, hofft aber dennoch darauf, dass sie ihren Modellversuch fortsetzen darf. Im Februar will sich der Arbeitskreis Polizei und Innere Sicherheit der Innenminister mit dieser Frage befassen. Das Meinungsbild in Niedersachsen sei noch völlig offen, sagte ein Sprecher von Innenminister Uwe Schünemann (CDU).

Sonja Fröhlich 29.12.2011