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Stadt Hannover Hannovers einzigem Öko-Hof droht das Aus
Aus der Region Stadt Hannover Hannovers einzigem Öko-Hof droht das Aus
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06:00 28.12.2018
Hat der Kronsberghof eine Zukunft? Die Pächter Andrea Nordenberg und Werner Reuter sind skeptisch. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Vor zwei Wochen setzte sich der Öko-Bauer Werner Reuter, 62 Jahre alt, in sein Auto und fuhr die Strecke von seinem Kronsberghof in die Stadt. Gut 15 Kilometer, der Hof liegt weit draußen bei Wülferode, praktisch am letzten Zipfel von Hannover. Er hatte einen Termin im Rathaus, um über die Zukunft des Hofes zu sprechen. Zwei Jahre, sagt er, wolle er gemeinsam mit Andrea Nordenberg die 120 Hektar noch beackern, dann soll Schluss sein, Alter und Gesundheit geschuldet. Reuter will mehr Flächen von der Stadt, sonst, sagt er, finde er keinen Nachfolger. Er fürchtet, dass das Ende des Kronsberghofs, vor 20 Jahren angelegt als Vorzeigeprojekt der Expo 2000 mit dem Motto „Mensch-Natur-Technik“, nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Frust über die „ehemalige Öko-Partei“

„Wir brauchen mindestens 200 Hektar, sonst haben Pächter keine Perspektive für ein ausreichendes Einkommen“, sagt Reuter an einem kühlen Dezembertag in seinem Büro. Er ist keiner, der viel Worte macht, erzählt aber, was ihn aufregt. Von der Stadt höre er zwar immer, wie toll und schön der Kronsberghof sei und dass man ökologische Landwirtschaft stärken wolle. „Es passiert aber nichts.“ Stattdessen schrumpfe seine Fläche sogar, weil einige Hektar für Wohnungsbau am südlichen Kronsberg abgezwackt werden sollen, „und Ausgleichsflächen für den Hof gibt es auch nicht“. Reuter kann es nicht verstehen. Auch auf die Grünen in Hannover ist der Landwirt nicht gut zu sprechen. Er nennt sie frustriert „die ehemalige Öko-Partei“, weil sie für umweltfreundliche Landwirtschaft nichts tue. Er hatte sich anders vorgestellt, schließlich hat Hannover mit Sabine Tegtmeyer-Dette eine Grüne als Wirtschafts- und Umweltdezernentin.

Mehr Fläche ist nötig, weil die Böden des Kronsberghofes schwer zu bewirtschaften sind, Steine und Ton finden sich im Grund. Die Folgen nennt Andrea Nordenberg: „Wir können keine lukrativen Kulturen wie Kartoffeln und Gemüse anbauen.“ Stattdessen kommen jedes Jahr rund 400 Tonnen Erträge aus der Ernte von Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Buchweizen, Linsen und Erbsen zusammen, die die Pächter an die Demeter-Gruppe verkaufen. Auch Klee als Viehfutter wächst auf dem Hof. Einen Hofladen gibt es nicht. Die Stadt habe für den Kronsberghof damals Flächen „unterdurchschnittlicher Qualität“ gekauft, sagt Nordenberg, im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft wirke sich Öko-Landbau am Kronsberg „negativ auf die Ertragssicherheit“ aus.

Start war die Expo im Jahr 2000

Die Geschichte ökologischer Landwirtschaft auf dem Kronsberg begann aus Anlass der Expo 2000. Ein Öko-Betrieb sollte zu einem Vorzeigeobjekt der Weltausstellung werden und mit den Hermannsdorfer Landwerkstätten wurde auch ein Investor gefunden. Es gab Landwirtschaft, Milchkühe, Schweine und Hühner wurden gehalten und die Produkte aus dem Betrieb in Schlachterei und Bäckerei, Biosupermarkt und Restaurant auf dem Kronsberg direkt verkauft. 2003 ging das Unternehmen in die Insolvenz. Zwei Jahre später pachteten Werner Reuter und Andrea Nordenberg die städtischen Flächen und investierten in Ausrüstung, Lager und Wohnhaus. Alles, was auf der Hofstelle steht, gehört ihnen. Das Land ist von der Stadt gepachtet.

Für einen Moment gab es für die beiden Landwirte Hoffnung auf einen Nachfolger. Ein junger Mann, interessiert an ökologischer Landwirtschaft, arbeitete als Betriebshelfer auf dem Hof. Andrea Nordenberg erzählt, wie er alles durchrechnete, bei der Bank vorstellig wurde und schließlich feststellte: „Für so eine Investition über mehr als 20, 30 Jahre hätte er von der Stadt die Zusage gebraucht, mehr Flächen zu bekommen.“ Aber die Stadt habe nichts versprechen wollen. Auf Inserate in diversen Fachblättern meldeten sich keine Interessenten.

Einziger ökologischer Bauernhof der Stadt Hannover

In der Landeshauptstadt gibt es 2633 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen. Davon gehören 939 Hektar der Stadt, 120 Hektar von ihnen werden ökologisch betrieben, es sind die Äcker des Kronsberghofes. Werner Reuter erinnert daran, dass der Rat im vergangenen Jahr ein Agrikulturprogramm beschlossen hat. Eines der Ziele: mehr Flächen als bisher ökologisch zu bewirtschaften. Der 62-Jährige will das Rathaus beim Wort nehmen und fragt sich, warum Bauern rundherum um seinen Hof nicht verpflichtet werden, auf ökologische Bewirtschaftung umzusteigen. Und warum der Kronsberghof, das Expo-Projekt, der einzige ausschließlich ökologisch betriebene Bauernhof in Hannover, dringend benötigtes Ackerland nicht bekommt.

Das Gespräch im Rathaus, zu dem Reuter aufbrach, habe dann wieder nichts gebracht, es liegt erst wenige Wochen zurück. Er glaubt, dass die Stadt es sich nicht verderben will mit den Landwirten in Bemerode, weil man die einmal brauche, wenn Flächen für Straßen oder Wohnungsbau benötigt werden. „Das ist Bodenspekulation, nichts anderes.“

Stadt sieht Lage nicht so düster

Allerdings sieht man die Lage in der Verwaltung für den Öko-Hof nicht so düster wie sein Pächter Reuter. Ein Sprecher der Stadt sagte, dass man der Ratspolitik in der ersten Hälfte 2019 ein „Stufenkonzept“ vorlegen werde. Darin sei vorgesehen, dass auch der Kronsberghof mehr Flächen bekomme. Die Stadt wolle sich „an der Berechnung der Landwirtschaftskammer orientieren, die davon ausgeht, dass existenzfähige Ökobetriebe auf dem Kronsberg einen Flächenbedarf von rund 180 Hektar haben müssen“. Offen ist aber, an welchem Standort diese 180 Hektar liegen und ob sie im Eigentum der Stadt sein werden. Der Sprecher ergänzte, man könne nicht ohne Weiteres einem landwirtschaftlichen Betrieb Flächen entziehen kann, um sie einem anderen Betrieb zu geben.

Die Pächter des Kronsberghofes werden sich genau ansehen, was dies in der Summe bedeutet.

Ein Kind der Weltausstellung

Der Kronsberghof war auch unter der Bezeichnung Expo-Bauernhof bekannt, weil seine Existenz auf die Weltausstellung zurückgeht. Im Vorfeld der Weltausstellung wurde er als dezentrales Projekt geplant und 1997 eröffnet; die Investitionssumme lag bei umgerechnet rund elf Millionen Euro. Betreiber wurde der ehemalige Wurstfabrikant Karl-Ludwig Schweisfurth mit seinen „Hermannsdorfer Landwerkstätten“. Er ließ dort nach Demeter-Kriterien wirtschaften, Kühe, Schweine und Hühner halten. Es gab eine Schlachterei, eine Bäckerei, einen Biosupermarkt und eine Gaststätte. Das Konzept funktionierte nicht, die Hermannsdorfer Landwerkstätten mussten 2003 Insolvenz anmelden.

Anschließend übernahm die Drogen- und Suchtberatung Step einen großen Teil der Gebäude und richtete in ihnen eine Klinik zur stationären Behandlung ein. Der Stadt wiederum war daran gelegen, wieder einen Pächter für den landwirtschaftlichen Bereich zu finden. Werner Reuter stieg ein, gab aber die umfangreiche Tierhaltung weitgehend auf und setzte auf ökologischen Ackerbau und Grünlandwirtschaft. Außerdem gibt es eine Pensionspferdehaltung.

Von Gunnar Menkens

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