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Stadt Hannover Hauptzollamt holt Unterlagen aus TiHo
Aus der Region Stadt Hannover Hauptzollamt holt Unterlagen aus TiHo
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07:13 13.04.2016
Von Bärbel Hilbig
Im Fokus der Ermittlungen: Die TiHo-Klinik für Kleintiere. Quelle: Thomas
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Hannover

Nach HAZ-Informationen sollen in der TiHo junge Tierärzte für rund 80 Stunden pro Monat entlohnt werden, tatsächlich aber bis zu 210 Stunden im Einsatz sein. In einem Gespräch informierten die Beamten außerdem die Leitung der TiHo über das Ermittlungsverfahren. Zeugen wurden während des Termins nicht vernommen. Eine Durchsuchung der Räume habe nicht stattgefunden, betont Staatsanwältin Kathrin Söfker. „Die Tierärztliche Hochschule kooperiert und hat den Ermittlungsbehörden Unterlagen übergeben.“ Dabei handelt es sich vermutlich um Stundenabrechnungen und Dienstpläne, die belegen könnten, wie stark die Jung-Tierärzte in den Klinikalltag eingebunden sind.

Ähnliche Praktiken wie an der TiHo sind auch aus anderen Hochschulen bekannt, die Tierärzte ausbilden. In München waren Ermittler bereits vor gut einem Jahr an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) angerückt.

„Der Mindestlohn hat viele an der Uni sehr überrascht, weil es Tradition war und selbstverständlich schien, unter dem Mantel der Weiterbildung unentgeltliche Mitarbeit zu erwarten“, sagt Joachim Braun, Dekan der Tierärztlichen Fakultät an der LMU. In München hat die Hochschulleitung zügig eine Umstellung des Entlohnungssystems festgelegt. An der Tierärztlichen Fakultät erhalten die wissenschaftlichen Hilfskräfte mit Studienabschluss seitdem für ihre Arbeit in den Kliniken 15 Euro Stundenlohn. Die Arbeitszeit werde lückenlos dokumentiert, sodass eine Überschreitung nicht vorkomme, betont Dekan Braun, der die Entwicklung begrüßt. „Sobald Doktoranden für die Klinik arbeiten, müssen sie bezahlt werden.“

Dennoch bleibe die Situation für junge Tierärzte schwierig, urteilt Braun. Staat und Industrie erwarteten den Doktortitel. „Das treibt viele Leute in die Promotion, auch wenn sie kein Stipendium haben.“ Und mit der Doktorarbeit, die für die praktische Arbeit als Tierarzt meist ohne Bedeutung sei, leisteten sie kostenlose Zuarbeit für ihren Professor.

Conrad von Meding 15.04.2016